Mein Europa: "Non-Papers" stiften Unruhe in der Westbalkan-Region

Die Pandemie hat in Bosnien-Herzegowina (BiH) in den letzten Monaten so viele Menschenleben im Verhältnis zur Zahl der Bevölkerung gekostet wie in keinem anderen Land Europas. Erich Rathfelder schreibt in einem Artikel der “tageszeitung” (taz) über “Beerdigungen im Akkord”. Schon allein diese Tatsache müsste unsere Aufmerksamkeit in Richtung Westbalkan lenken. Aber im Moment scheint die EU mehr mit sich selbst beschäftigt zu sein.

Während Bosnien-Herzegowina mit der Pandemie, mit dem Versagen, also dem Ausbleiben des Covax-Impfstoffprogramms, und mit den eigenen Politikern kämpft, sind mehrere Ausarbeitungen sogenannter “Non-Papers” über Bosnien-Herzegowina und die Westbalkan-Region  unterwegs nach Brüssel, also inoffizielle Schriftstücke, mit denen die Akzeptanz politischer Vorschläge getestet werden soll.

Der kroatische Außenminister Gordan Grlić Radman hat am 22. März ein “Non-Paper”, das auch von Slowenien, Ungarn, Bulgarien, Griechenland und Zypern unterschrieben wurde, in Brüssel vorgestellt. In diesem Papier geht es vordergründig darum, Bosnien-Herzegowina auf seinem Weg in die EU “zu helfen”.

“Non-Paper”sorgt für Unmut

Mit diesem “Non-Paper” unterstützt die kroatische Regierungspartei HDZ die Anstrengungen ihrer Schwesterpartei, der bosnischen HDZ, das Wahlgesetz in Bosnien-Herzegowina so zu ändern, dass die Blockade des Staates weiterhin erhalten bleibt und dazu auch eine ständige Kontrolle und Einflussnahme auf die Entscheidungsfindung im Land seitens Kroatiens stattfinden kann. Dass dieses den Weg zu einer dritten Entität und am Ende zum Anschluss an Kroatien öffnet, ist mit dem “Non-Paper” auf den ersten Blick nicht so offensichtlich.

Karte Teilrepubliken Bosnien-Herzegowina

Die Teilrepubliken Bosnien-Herzegowinas

Das kroatische “Non-Paper” hat bei vielen Menschen für Unmut gesorgt. Manuel Sarrazin, Mitglied des deutschen Bundestags und Sprecher für Osteuropapolitik der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, erhielt auf eine Anfrage an die Bundesregierung, wie sie sich zu einer Wahlrechtsreform in BiH positioniert, eine zufriedenstellende Antwort: “Die Bundesregierung bekennt sich zur territorialen Integrität Bosnien-Herzegowinas mit seinen bestehenden Entitäten. Die Schaffung einer dritten Entität, zusätzlich zur bestehenden Föderation Bosnien-Herzegowina sowie Republika Srpska, kann aus Sicht der Bundesregierung nicht das Ziel der Reformbemühungen sein.”

Friedliche Auflösung Bosnien-Herzegowinas?

Das Mitglied der dreiköpfigen Präsidentschaft Bosnien-Herzegowinas, Željko Komšić – ein bosnischer Kroate, der von der HDZ in Bosnien-Herzegowina und Kroatien nicht akzeptiert wird – hat als Antwort auf das kroatische “Non-Paper” sein eigenes umfangreiches “Non-Paper” am 2. April nach Brüssel gesandt. In diesem erörtert er die seiner Meinung nach unklare EU-Politik, die stark unter dem Einfluss Kroatiens und der dort regierenden HDZ stehe, sowie den Mangel der Neutralität seitens der EU-Delegation in Bosnien-Herzegowina und insgesamt den seines Erachtens falschen Weg bei der Wahlrechtsreform in BiH. Er weist unter anderem auf die Einmischung Serbiens und Kroatiens in die inneren Angelegenheiten Bosnien-Herzegowinas hin, ebenso wie auf den Druck Russlands wegen der bosnischen NATO-Aspirationen. Er fordert in diesem Schreiben ein aktiveres Engagement seitens der EU und Hilfe bei der Deblockierung staatlicher Institutionen, ansonsten, so Komšić, werde sich die Lage in Bosnien-Herzegowina noch weiter verschlechtern. Daraufhin hat die internationale Gemeinschaft in BiH prompt reagiert und alle politischen Akteure aufgefordert, keine Spekulationen anzustellen und unnötige Spannungen zu erzeugen.

Erst vor ein paar Tagen bestätigte Željko Komšić, dass der slowenische Staatspräsident Borut Pahor bei seinem jüngsten Besuch in der bosnischen Hauptstadt Sarajevo am 5. März den drei Mitgliedern der Präsidentschaft gesagt habe, es gäbe in Europa immer mehr Stimmen, die dafür plädierten, den Zerfall Jugoslawiens zu vollenden. Gleichzeitig habe Pahor gefragt, ob eine “friedliche Auflösung” Bosnien-Herzegowinas möglich sei. Laut Komšić sagten er und Šefik Džaferović, das bosniakische Mitglied der Präsidentschaft, dass eine friedliche Trennung nicht möglich sei, während Milorad Dodik, das serbische Mitglied, die entgegengesetzte Position zum Ausdruck brachte. Dass Dodik diese Haltung seit Jahren vertritt, ist keine Neuigkeit.

Das “slowenische Papier”

Man kann sich fragen, warum eine so wichtige Information erst jetzt an die Öffentlichkeit gelangt. Ein Grund, der plausibel erscheint, ist die Information, dass ein weiteres “Non-Paper” über die “ungelösten nationalen Probleme von Serben, Albanern und Kroaten” nach dem Zerfall Jugoslawiens im Umlauf ist. Der Premierminister Sloweniens, Janez Janša, ein guter Freund des ungarischen Premiers Viktor Orbáns, hat dem Präsidenten des Europäischen Rates, Charles Michel, im Februar offenbar ebenfalls ein “Non-Paper” zukommen lassen, auf nicht offiziellem Weg. Er selbst bestreitet, Urheber des Papiers zu sein.

Das “Non-Paper” mit Titel “Westbalkan – der Weg nach vorne”, veröffentlicht in dieser Woche auf der slowenischen Webseite “necenzurirano.si”, ist alles andere als das. Es ist eher eine Fortsetzung der nationalistischen Politik Serbiens und der kroatischen Regierungspartei HDZ gegenüber Bosnien-Herzegowina. Nach einigen Informationen wurde ein Teil des Inhalts sogar in Budapest verfasst, aber in Brüssel spricht man vom “slowenischen Papier”.

Mögliche kriegerische Auseinandersetzungen

Es hat für große Aufregung gesorgt, denn darin wird vorgeschlagen, die Grenzen in der Region so zu verändern, dass ein Groß-Serbien, Groß-Kroatien und Groß-Albanien entstehen. Bosnien-Herzegowina wäre damit zwischen Kroatien und Serbien aufgeteilt und nur ein kleiner Teil des Landes bliebe für die Bosniaken übrig. Es ist also kein Wunder, dass die Stimmen gegen das Papier in Bosnien-Herzegowina, aber auch in Montenegro sehr laut geworden sind. Man spricht sogar von möglichen kriegerischen Auseinandersetzungen.

Bosnien Herzegowina Belagerung von Sarajevo

Sarajevo, 18.12.1994: Menschen laufen, um sich vor Heckenschützen in Sicherheit zu bringen

In dem Dokument ist die Rede von der schon laufenden “stillen Überprüfung” mit Entscheidungsträgern in der Region und der internationalen Gemeinschaft, ob der angedachte Plan umgesetzt werden kann. Dass Teile der internationalen Gemeinschaft in solch einer “Silent Procedure” offensichtlich schon aktiv sind, ist erschreckend. Hat man völlig vergessen, dass es in Bosnien-Herzegowina gerade wegen der Pläne einer Teilung des Landes zu einem furchtbaren Krieg kam?

Janša wies solche Anschuldigungen nicht direkt zurück. Er betonte, dass Slowenien “ernsthaft nach Lösungen für die Entwicklung der Region und die EU-Perspektive der westlichen Balkanländer sucht” und dass Behauptungen, das Papier knüpfe an frühere Teilungspläne an, “versuchen, solche Ziele zu verhindern”.

Bekenntnis zur territorialen Integrität Bosnien-Herzegowinas

Über das “Non-Paper” des slowenischen Premierministers äußerte sich Sloweniens Präsident Pahor nicht, aber sein Büro teilte unter anderem mit: “Präsident Pahor warnt regelmäßig vor der Idee des Zerfalls Bosnien-Herzegowinas und der Neugestaltung der Grenzen auf dem westlichen Balkan. In diesem Zusammenhang hat er aufgrund seiner Besorgnis über diese Ideen alle drei Mitglieder der Präsidentschaft Bosnien-Herzegowinas während seines Besuchs in Sarajevo im März danach gefragt.”

Pahor sagte in einem Auftritt im slowenischen POP TV, dass er nach seiner Rückkehr aus Bosnien-Herzegowina noch mehr davon überzeugt war, dass die EU vor einer “unangenehmen Situation stehe, in der sie nicht über Nacht, aber trotzdem schnell eine Entscheidung über die Zukunft des westlichen Balkans treffen muss”. Er befürchtet, dass das jetzige Tempo zu langsam sei. “In diesem Fall wird auf dem westlichen Balkan alles passieren, vielleicht sogar unter Anwendung von Gewalt, und wir werden wieder Blutvergießen erleben.”

Die US-Botschaft in Sarajevo reagierte auf die Pläne im Papier mit einer klaren Aussage, in der sie sich zum Friedensvertrag von Dayton bekennt und jede neue Grenzziehung ablehnt: “Bosnien-Herzegowina ist ein demokratischer, multiethnischer, souveräner und unabhängiger Staat mit unbestreitbarer territorialer Integrität.” Auch die Position der EU in Bezug auf den westlichen Balkan und die Grenzen scheint sehr klar: “Es gibt nichts, was sich ändern muss”, sagte ein Sprecher der EU-Kommission.

EU muss sich gegen Nationalismus positionieren

Trotzdem sind solche “Silent Procedures”, wie es das “Non-Paper” nennt, besorgniserregende Nachrichten – besonders vor dem EU-Außen- und Europaministertreffen mit dem Tagesordnungspunkt Westbalkan am 19. April und auch vor dem Brdo-Brijuni-Gipfel in Kranj, der in etwa zwei Monaten stattfinden soll.

Albanien Tirana BRDO-Brijuni-Gipfel

Der Brdo-Brijuni-Gipfel in der albanischen Hauptstadt Tirana, 09.05.2019

Der Brdo-Brijuni-Prozess ist eine gemeinsame slowenisch-kroatische Initiative, die Pahor 2010 als damaliger Premierminister ins Leben gerufen hat, um das gegenseitige Vertrauen und die Unterstützung auf dem europäischen Weg der westlichen Balkanländer zu stärken. Dieses Jahr ist der französische Präsident Emmanuel Macron Gast auf dem Brdo-Brijuni-Gipfel. Aber mit solchen “Non-Papers”, die Kroatien und Slowenien in die Welt setzen, kann von Vertrauen und Unterstützung nicht die Rede sein.

Es ist nicht klar, warum Slowenien, das bald die EU-Präsidentschaft übernimmt, das “Non-Paper” Kroatiens mit unterzeichnet hat. Aber es ist klar, dass die Ideen der 1980er Jahre, die damals Slobodan Milošević und Franjo Tuđman in die Welt gesetzt haben, heute noch sehr lebendig sind.

Die EU muss sich endlich gegen nationalistische und faschistische Bestrebungen, auch in den eigenen Reihen, positionieren und dem Westbalkan und insbesondere Bosnien-Herzegowina mit einer klaren, transparenten und fokussierten Politik gegenübertreten. Auch wegen der nationalistischen Entwicklungen innerhalb der EU ist dieses äußerst wichtig.

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Corona: Die Toten der Pandemie

In Deutschland sind etwa 80.000 Menschen an und mit COVID-19 gestorben. Weltweit sind es rund drei Millionen Menschen. Hinter jeder dieser Zahlen steht ein Einzelschicksal. Die Verstorbenen waren Mütter, Väter, Großväter, Freundinnen, Brüder und Schwestern, Söhne und Töchter. Immer wieder hat die DW im Laufe des Jahres hingeschaut und über diese Schicksale berichtet.

Häufig erzählen Betroffene, dass die Pandemie-Situation den Abschied besonders schwer mache. Krankenhäuser und Altenheime haben über lange Zeit das Besuchsrecht eingeschränkt. Manche Corona-Patienten verstarben einsam und ohne Angehörige. Doch das betraf nicht nur COVID-Erkrankte. Auch Angehörige von Menschen, die aus anderen Gründen verstarben, konnten kaum Abschied nehmen. Wie schwierig das war, erzählt beispielsweise Familie Kleibömer. Detlev Jacobs, dessen Mutter an COVID-19 im Pflegeheim verstarb, wurde von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zur Gedenkfeier für die Verstorbenen in der Corona-Pandemie nach Berlin eingeladen, um über seine Erfahrungen zu berichten.

Die DW hat auch Menschen gesprochen, die Sterbende oder ihre Angehörigen begleiten. Die Familien-Trauerbegleiterin Mechthild Schroeter-Rupieper empfiehlt beispielsweise im DW-Interview, einen Brief an den Verstorbenen zu schreiben, wenn ein Abschied nicht möglich war und sich bewusst Zeit zu nehmen, an den geliebten Menschen zu denken. Auch die Bestatterin Birgit Scheffler versucht, trauernden Angehörigen Nähe und Trost zu geben, ohne ihnen nahe kommen zu können.

Obwohl es anfangs viele Corona-Ausbrüche in Pflege- und Altersheimen gab und viele hundert Tote am Tag, hat Deutschland versucht, die Ältesten und Verwundbarsten zu schützen. Es gibt es eine ganze Reihe Länder, die auf weitaus höhere Todesraten blicken müssen als Deutschland.

Infografik Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19 DE

(Stand: 14.04.2021)

Der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat seit Beginn der Pandemie 2020 schon mehrfach auf das Thema Trauer und Tod aufmerksam gemacht. So regte er an, zum Gedenken an die Toten eine Kerze ins Fenster zu stellen.

 

Ende vergangenen Jahres starben besonders viele Menschen in Deutschland mit und an COVID-19. Das war in einigen Bundesländern stark zu spüren. Zu den besonders betroffenen Regionen zählte Sachsen im Osten des Landes.

Infografik Covid-19-Todesfälle nach Sterbewoche in Deutschland DE

Im Landkreis Görlitz etwa lag die 7-Tage-Inzidenz zeitweise bei über 600. Die traurigen Folgen haben besonders Bestatter zu spüren bekommen. Sie kamen kaum hinterher, in den Bestattungshäusern stapelten sich die Särge. Die DW hat im Januar ein Krematorium in einer sächsischen Kleinstadt besucht.

 

Hohe Corona-Fallzahlen und ernste Erkrankungen wirken sich immer zuerst bei den Mitarbeitern in den Krankenhäusern aus. Die DW berichtet seit vielen Monaten über die Lage auf den Intensivstationen. Ärzte und Ärztinnen, Pfleger und Pflegerinnen sind an der Belastungsgrenze, denn auf einer Intensivstation liegen nicht nur Corona-Patienten. Von den vielfältigen Aufgaben, dem Stress und auch dem Umgang mit Abschied und Tod auf einer Intensivstation in Koblenz berichtet beispielsweise diese Reportage.

Doch auch wer COVID-19 übersteht, ist unter Umständen noch längst nicht geheilt. Auch viele jüngere Patienten kämpfen mit “LongCovid” - mit Spätfolgen wie Atemnot oder Kraftlosigkeit, auch noch Monate nach der Infektion. Die DW hat unter anderem Valerie Giesen getroffen, die nach fast einem Jahr immer noch nicht vollständig genesen ist.

Es gibt aber auch Hoffnung: Seit Jahresbeginn sank die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit COVID-19 in Deutschland zunächst kontinuierlich. Das könnte ein erster Erfolg der Impfkampagne sein.

Allerdings steigt die Zahl seit Ostern wieder leicht an. Intensivmediziner und Virologen warnen vor den steigenden Infektionszahlen: Es erkranken wieder mehr Menschen, mit zeitlicher Verzögerung werden die Intensivbetten wieder knapper – ein Teil der Erkrankten wird sterben.

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Ministerin wirft Kanzleramt Blockade vor

“Ich sehe jetzt die letzte Chance, die Gesetze zum “Rasse”-Begriff und das Demokratiefördergesetz zu beschließen, bevor die Sommerpause und die Bundestagswahl anstehen”, sagte die SPD-Politikerin den Zeitungen der Funke Mediengruppe. “Die Bundeskanzlerin muss sich überlegen, ob die Bundesregierung wirklich die Botschaft senden will: Wir nehmen den Kampf gegen Rassismus und Rechtsextremismus nicht ernst. Dies wäre fatal.”

Auf dem rechten Auge blind?

“Das Kanzleramt blockiert, mit Hinweis darauf, dass die Unionsfraktion im Bundestag nicht mitzieht”, sagte Lambrecht. Auf die Frage, ob die Union auf dem rechten Auge blind sei, sagte die Justizministerin: “Jedenfalls ist es ein verheerendes Signal an alle Menschen in Deutschland, die von rechtsextremer Gewalt betroffen sind, wenn die Union den Eindruck erweckt, den Kampf gegen Rassismus nicht ernsthaft zu verfolgen. Und mit ihrer Blockade des bereits abgestimmten Entwurfs für die Grundgesetzänderung entsteht genau dieser Eindruck.”

Beide Vorhaben sind Teil des 89-Punkte-Plans gegen Rechtsextremismus und Rassismus, den das Kabinett im Dezember beschlossen hatte. Es soll unter anderem eine ausreichende Förderung der Extremismus-Prävention sicherstellen. Die Unionsfraktion im Bundestag verlangte zuletzt Änderungen.

haz/wa (dpa, kna)

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Der Riss durch die Union geht immer tiefer

Die frühere CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer hat CSU-Chef Markus Söder mangelnden Respekt für die große Schwesterpartei CDU vorgeworfen. Dabei verwies sie auf die Beschlüsse von CDU-Präsidium und -Bundesvorstand. Diese hatten sich fast geschlossen für CDU-Chef Armin Laschet als Kanzlerkandidaten ausgesprochen. Ein solcher Respekt sei gefährdet, “wenn die Legitimität dieser Gremien infrage gestellt wird und sie als ‘Hinterzimmer’ bezeichnet werden”, sagte Kramp-Karrenbauer zu entsprechenden Äußerungen des bayerischen Ministerpräsidenten Söder.

Auch die Vorsitzende der Frauen-Union und Integrations-Staatsministerin Annette Widmann-Mauz, sprach sich für den nordrhein-westfälischen Regierungschef Laschet als Kanzlerkandidaten der Unionsparteien aus. “Umfragewerte schwanken. Auf sie lässt sich nicht fest bauen, auf feste Grundsätze und Überzeugungen kommt es an”, sagte Widmann-Mauz der “Rheinischen Post”. Der CSU-Chef solle nun zu seinem Wort stehen und zu einer gemeinsamen Entscheidung kommen.

Das thüringische CDU-Bundesvorstandsmitglied Mike Mohring warnte vor einer anhaltenden Spaltung der Partei – und sprach sich ebenfalls für Laschet aus. “Mit jedem weiteren Tag verfestigen sich an der Basis, in den Vorständen und Fraktionen die unterschiedlichen Positionen”, sagte Mohring.

Noch mal so wie 1976?

Der Europapolitiker Dennis Radtke brachte sogar eine Ausdehnung der CDU nach Bayern ins Spiel, womit beide Parteien um dieselben Wählerstimmen konkurrieren würden. “Wenn Söder die Kanzlerkandidatur erzwingen will, wenn er die CDU zerstören will, dann darf die Gründung der CDU in Bayern kein Tabu mehr sein”, sagte der stellvertretende Vorsitzende des Arbeitnehmerflügels der Union.

Mit dieser Drohung hatte 1976 der damalige CDU-Vorsitzende Helmut Kohl einen Machtkampf mit CSU-Chef Franz Josef Strauß für sich entschieden. Auch im Streit der Schwesterparteien in der Flüchtlingskrise 2016 hatte es Überlegungen gegeben, die CDU nach Bayern auszudehnen.

Bislang zeichnet sich noch keine Einigung zwischen Laschet und Söder ab. Beide beharrten auf ihrem Anspruch auf die Kanzlerkandidatur. Ein Gespräch zwischen Laschet und Söder war nach Presseinformationen in der Nacht auf Samstag ohne Einigung zu Ende gegangen. In CDU-Kreisen hieß es, dass Laschet und Söder in “guten Gesprächen” seien. In der CSU war von “konstruktiven” Gesprächen die Rede.

Unterschriftenliste ist in Arbeit

Laschet und Söder hatten eine Klärung der K-Frage bis zum Wochenende angekündigt. Wann und wie eine Einigung zustande kommen könnte, blieb aber zuletzt unklar. In CDU-Kreisen wird vermutet, dass Söder auf eine Entscheidung in der Bundestagsfraktion der Union am kommenden Dienstag spekulieren könnte. Dort hätte der bayerische Ministerpräsident wohl eine deutliche Mehrheit. Unter seinen Anhängern wird bereits eine Unterschriftenliste vorbereitet, mit der Abgeordnete eine Abstimmung erzwingen wollen, sollte es am Wochenende nicht zu einer Einigung kommen.

Wolfgang Schäuble

Bundestagspräsident Schäuble (CDU) gehört zu den Unterstützern von Armin Laschet

Sowohl Laschet als auch andere CDU-Spitzenpolitiker hatten aber bereits abgelehnt, dass die Fraktion die Entscheidung treffen soll. Zum einen scheiden etliche Abgeordnete aus dem Bundestag aus. Zum anderen wies der NRW-Ministerpräsident darauf hin, dass es viele Kandidaten für den Bundestag gebe, die der derzeitigen Fraktion gar nicht angehörten.

Gespaltete Christdemokraten

Bereits am Freitag hatten sich neben CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak auch die Ministerpräsidenten von Hessen und Schleswig-Holstein, Volker Bouffier und Daniel Günther, Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble sowie CDU-Spitzenpolitiker aus mehreren Landesverbänden wie Bremen, Hessen und Nordrhein-Westfalen hinter Laschet gestellt. “Fakt ist, dass CSU-Kanzlerkandidaten immer Steigbügelhalter für SPD-Kanzler waren”, ergänzte die frühere Bundesforschungsministerin Annette Schavan der “Bild am Sonntag”.

Allerdings setzten sich Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff und Saarlands Landeschef Tobias Hans (beide CDU) indirekt von Laschet ab und betonten – wie Söder – die Bedeutung von Umfragewerten bei der Auswahl des Kandidaten. Laut dem neuen ZDF-Politbarometer halten 72 Prozent der Unions-Anhänger Söder für den geeigneteren Kanzlerkandidaten und nur 17 Prozent Laschet. Widerstand könnte neben der Bundestagsfraktion auch aus der Jungen Union kommen. Dort sollen sich zwölf der 18 JU-Landesverbände für Söder aussprechen wollen.

haz/wa (rtr, dpa)

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Tschechien weist russische Diplomaten aus

Tschechien wirft Russland vor, in die Explosion eines Munitionslagers im Jahr 2014 verwickelt gewesen zu sein. Als Reaktion darauf weise man 18 russische Botschaftsmitarbeiter aus, die eindeutig als Mitarbeiter der Geheimdienste SWR und GRU identifiziert worden seien, sagte Innenminister Jan Hamacek.

Beweise sind eindeutig

Er fügte hinzu, die russischen Botschaftsmitarbeiter müssten innerhalb von 48 Stunden das Land verlassen. Hamacek leitet kommissarisch auch das Außenministerium. Regierungschef Andrej Babis sprach von eindeutigen Beweisen. ”Tschechien ist ein souveräner Staat und muss auf diese nie dagewesenen Enthüllungen in entsprechender Form reagieren”, sagte Babis.

In dem Munitionslager in Vrbetice im Osten Tschechiens war es im Oktober und Dezember 2014 zu mehreren Explosionen gekommen. Dabei kamen zwei Menschen ums Leben und es entstand enormer Sachschaden.

Moskau warnt vor Folgen

Russland reagierte prompt. Prag sei sich sehr bewusst, was auf “solche Tricks” folge, sagte die Sprecherin des Außenministeriums in Moskau, Maria Sacharowa. Wladimir Dschabarow vom Föderationsrat betonte: “Die Reaktion sollte verhältnismäßig sein.” 

Tschechische Republik | Explosion | Russische Botschaft in Prag

Für 18 Mitarbeiter sollen die Tore der russischen Botschaft verschlossen bleiben

Die Sondereinheit der tschechischen Polizei für den Kampf gegen die Organisierte Kriminalität veröffentlichte zwei Fahndungsfotos. Sie stimmen mit denjenigen von zwei Tatverdächtigen überein, die im Zusammenhang mit dem Nervengift-Anschlag auf den früheren Doppelspion Sergej Skripal  in Großbritannien gesucht werden.

Die mutmaßlichen GRU-Spione sollen demnach Mitte Oktober 2014 für sechs Tage in Tschechien gewesen sein und dabei auch die Region besucht haben, in der sich das fragliche Munitionslager befindet. Sie hätten dabei russische Pässe mit den Namen Alexander Petrow und Ruslan Boschirow verwendet.

Das Munitionslager wurde von kommerziellen Rüstungsfirmen genutzt. Gelagert waren dort unter anderem Hunderte Antipersonenminen. Nach den Explosionen waren Tausende Soldaten zwei Jahre lang damit beschäftigt, Blindgänger und Munitionsbestandteile zu entschärfen und das Areal wieder sicher zu machen.

Gibt es dennoch trotzdem Sputnik V für Prag?

Die Ankündigung der Regierung in Prag kommt kurz nach einem heftigen Streit über eine ursprünglich für Montag geplante Moskau-Reise Hamaceks. Der Minister hatte den Besuch am Samstag kurzfristig abgesagt, nachdem sowohl die Opposition als auch der Ministerpräsident das Vorhaben scharf kritisiert hatten.

Hamacek wollte in Russland über etwaige Lieferungen des Corona-Impfstoffs Sputnik V verhandeln. Zuletzt war es im April 2020 zu heftigen Spannungen gekommen, nachdem in Prag eine Statue für den sowjetischen Weltkriegsgeneral Iwan Konew entfernt worden war.

haz/wa (dpa, rtr)

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Bayern siegt und zieht davon

Das war´s dann wohl mit der Meisterschaft. Nachdem der Tabellenzweite RB Leipzig am Freitag nicht über ein torloses Unentschieden gegen die TSG Hoffenheim hinausgekommen war, ließ sich der FC Bayern die Chance nicht entgehen, den Vorsprung auszubauen. Dank eines 3:2 (3:1) beim Dritten Wolfsburg liegen nun schon sieben Punkte zwischen RB und den Münchenern bei noch ausstehenden fünf Partien. Der erst 18-jährige Jamal Musiala erwischte einen Sahnetag und erzielte zwei Treffer zum 1:0 sowie zum 3:1. Vor allem beim ersten Tor spielte der Neu-Nationalspieler fast die gesamte Wolfsburger Abwehr schwindelig und hatte Glück, dass VfL-Torwart Koen Casteels den Ball aus kurzer Distanz mit der eigenen Hacke ins Tor abfälschte.

Auch beim 2:0 sah der Wolfsburger Schlussmann nicht gut aus. Der Versuch, eine Flanke mit einer Hand zu fangen, misslang, Eric Maxim Choupo-Moting musste nur noch abstauben. Beim 1:3 war dann auch Casteels machtlos: Musiala köpfte eine Flanke von Thomas Müller gekonnt per Bogenlampe ins lange Eck. Nach dem Ausscheiden in der Champions League liegt der Fokus der Bayern nun eindeutig auf der Meisterschaft. Im Anschluss an die Partie gab Bayern-Trainer Hansi Flick bekannt, dass er den Verein zum Saisonende verlassen wird.

Hütter verliert gegen seinen neuen Klub

Borussia Mönchengladbach feierte einen souveränen 4:0 (1:0)-Sieg gegen das Topteam von Eintracht Frankfurt. Brisant an der Partie: Nach der Saison wird Frankfurts Trainer Adi Hütter zu den Borussen wechseln. Mönchengladbach erhält sich eine kleine Chance auf das Erreichen des Europapokals, konnte allerdings dabei einen Konkurrenten nicht Abschütteln: Union Berlin zeigte sich auch beim 2:1 (2:0) gegen den VfB Stuttgart heimstark und liegt weiter auf Rang 7, punktgleich vor Borussia Mönchengladbach. Bei Union Schoss Peter Musa sein erstes Bundesligator.

Fussball Bundesliga - SC Freiburg v Schalke 04 Tor (4:0)

Schalker Ratlosigkeit: In Freiburg gab es schon die 20. Saisonniederlage

Schalkes Sieg gegen Augsburg am vergangenen Wochenende war wohl nur ein Strohfeuer. Das Schlusslicht verlor in Freiburg nach teilweise desolater Leistung mit 0:4 (0:2). Damit beträgt der Rückstand auf Platz 16 weiter 13 Punkte. Bei Freiburg ragte Kapitän Christian Günter nicht nur wegen seiner beiden Tore heraus.

Bielefeld holte in Augsburg beim 0:0 wenigstens einen Punkt im Abstiegskampf.

Der für ursprünglich für Sonntagabend angesetzte “Abstiegsgipfel” zwischen FSV Mainz 05 und Hertha BSC wurde verschoben, da sich die Berliner Mannschaft nach mehreren Corona-Fällen in Quarantäne begeben musste.

Der 29. Spieltag in Zahlen:

RB Leipzig – TSG Hoffenheim 0:0 (0:0)
Tore
: keine

Borussia Mönchengladbach – Eintracht Frankfurt 4:0 (1:0)
Tore
: 1:0 Matthias Ginter (10.), 2:0 Jonas Hofmann (60.), 3:0 Ramy Bensebaini, 4:0 Hannes Wolf (90.+5)

VfL Wolfsburg - FC Bayern München 2:3 (1:3)
Tore
: 0:1/1:3 Jamal Musiala (15./37.), 0:2 Eric Maxim Choupo-Moting (24.), 1:2 Wout Weghorst (35.), 2:3 Maximilian Philipp (54.)

SC Freiburg - FC Schalke 04 4:0 (2:0)
Tore
: 1:0 Lucas Höler (7.), 2:0 Roland Sallai (22./FE), 3:0/4:0  Christian Günter (50./74.)

1. FC Union Berlin - VfB Stuttgart 2:1 (2:0)
Tore
: 1:0 Grischa Prömel (20.), 2:0 Petar Musa (43.), 2:1 Philipp Förster (49.)

FC Augsburg – Arminia Bielefeld 0:0 (0:0)
Tore
: keine

Bayer 04 Leverkusen – 1. FC Köln -:- (18.30 Uhr MESZ) 
Tore
: -

Borussia Dortmund – Werder Bremen -:- (Sonntag, 15.30 Uhr MESZ)
Tore
: -

FSV Mainz 05 – Hertha BSC -:- (verschoben)        

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Mehr als drei Millionen Corona-Tote weltweit

Die neuen Daten stammen von der Universität Johns Hopkins in Baltimore. Damit stieg die Zahl der global bekannten Corona-Todesfälle innerhalb von rund drei Monaten von zwei auf drei Millionen an. Weltweit gab es bislang mehr als 140 Millionen bestätigte Infektionen mit dem Virus, wie Daten der US-Universität zeigten. Experten gehen bei Infektionen und Todesfällen von einer hohen Dunkelziffer aus. Derzeit liegt die Zahl der bekannten Ansteckungen bei rund 730.000 pro Tag.

Die Webseite der Johns Hopkins Universität wird regelmäßig mit eingehenden Daten aktualisiert und zeigt einen höheren Stand als die offiziellen Zahlen der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Der WHO zufolge gab es bis zu diesem Samstag 2,98 Millionen bestätigte Todesfälle und knapp 139 Millionen bekannte Infektionen.

Die gute Nachricht: Wo viel geimpft wird, sinken die Zahlen

Dabei weist die Entwicklung in den Ländern nicht zuletzt aufgrund der Impfungen deutliche Unterschiede auf. Israel und Großbritannien haben die Gesundheitskrise dank massiver Impfkampagnen inzwischen weitgehend im Griff. Auch in Chile und die USA sind die Impfungen inzwischen schon gut fortgeschritten, was die Pandemie dort weiter bremsen dürfte.

In anderen Weltregionen hingegen verschärft sich die Lage extrem. Die meisten Neuinfektionen wurden zuletzt aus Indien, Brasilien und der Türkei gemeldet. Brasilien meldet inzwischen im Durchschnitt rund 3000 Tote pro Tag und damit mehr als doppelt so viele wie noch Mitte Februar. In Indien stieg die Zahl der Toten auf 1000 pro Tag, das sind neun Mal so viele wie Anfang März. Die Zahl der Menschen, die sich in Indien täglich mit dem Virus anstecken, stieg von 15.000 Anfang März auf zuletzt über 188.000. Die Zahl der Neuinfektionen in der Türkei stieg in dieser Woche auf mehr als 60.000 Fälle pro Tag.

Brasilien Coronavirus Feldlazarett

Corona-Kranke in einem Feldlazarett in Santo Andre in Brasilien

Die meisten Todesfälle in Verbindung mit einer COVID-19-Erkrankung wurden seit Beginn der Pandemie bislang aus den USA gemeldet, wo seit Anfang vergangenen Jahres gut 566.000 Menschen starben. An zweiter Stelle folgt Brasilien. In dem südamerikanischen Land sind den Daten zufolge bereits rund 369.000 Menschen gestorben. Mexiko hat bislang mehr als 211.000 Todesfälle gemeldet, Indien gut 175.000.

In Europa wurden die meisten Corona-Toten in Großbritannien registriert: Gut 127.000. Dahinter folgen Italien (116.000), Frankreich (100.000) und Deutschland (80.000).

qu/rb (dpa, afp)

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