Alexander Zverev: Mit dem Adler auf der Stirn

Einerseits: Den deutschen Tennis-Profi Alexander “Sascha” Zverev hat man noch nie so gesehen wie nach seinem gewonnenen Spiel gegen den hohen Favoriten und Weltranglisten-Ersten Novak Djokovic bei den Olympischen Spielen in Tokio. Er kauerte auf dem Platz, nahm die Hand vor Augen und verdrückte auch ein paar Tränen. Sich gegen den starken Djokovic derart zusammenzunehmen, hatte den 24-Jährigen nicht nur körperlich Kraft gekostet. “Das hat aber hoffentlich niemand gesehen”, sagte er hinterher, um Fassung bemüht. Doch, haben alle gesehen, die Tränen. Und es war gut so. 

Tokio 2020 | Tennis | Halbfinale - Alexander Zverev gegen Novak Djokovic

“Hoffentlich hat das aber keiner gesehen”: Zverev nach dem Sieg über Djokovic

Andererseits: Beobachter hatten schon mehrfach den Eindruck, dass der Hamburger vor dem großen Durchbruch stünde. Da war der Sieg beim ATP-Finale in London im Jahr 2018, als er Großmeister Novak Djokovic im Finale alt aussehen ließ. Da war aber auch das Finale bei den US Open im vergangenen Jahr, das Zverev gegen Dominic Thiem verlor. Manche der Tennis-Fans murmelten dann etwas von: “Wieder nichts mit dem Grand-Slam-Sieg“. 

Aber in diesen Tagen im Ariake Tennis Park von Tokio konnte man sehr präzise ausmachen, dass sich bei dem besten deutschen Spieler gegenwärtig etwas positiv verändert. Warum es klappen würde mit der Medaille. Sieben Punkte – das siebte Spiel hat im Tennis ja seine eigene, oft entscheidende Bedeutung – sollten dem Mann auf dem weiteren Weg nach ganz oben helfen.

1. Der Aufschlag

Zverev, der Jüngere (sein Bruder Mischa ist ja auch noch auf der Tour unterwegs) ist groß gewachsen. 198 Zentimeter Körpergröße kann der Rechtshänder in einen schnellen, krachenden Aufschlag verwandeln, mit dem er schnelle Punkte macht. Inzwischen ist seine Suche nach Varianten auch erfolgreicher als in den vergangenen Monaten, als ihm das Service oft im Stich ließ, als er Doppelfehler servierte oder beim zweiten Aufschlag verunsichert viel Speed herausnahm. 

Tokyo 2020 | Tennis: Alexander Zverev aus Deutschland

198 Zentimeter Körpergröße können ganz schön viel Wucht entfalten

2. Mentale Stärke

Noch vor zwei Jahren konnte man bei Zverev-Spielen darauf wetten, dass mindestens ein Racket nicht heil den Weg zurück in die Umkleidekabine finden würde. Zwar warf er das Arbeitsgerät nicht – wie jetzt Novak Djokovic in Tokio im Spiel um Platz 3 – auf die Tribüne. Seine Lieblingsübung bestand im zuverlässigen Zerhacken des Graphene-Spralfaser-Schlägerkopfes auf dem Boden. Das hat Zverev zurückgenommen. Es gibt zwar Profitrainer, die bewusst dazu raten, die Emotion auch einmal so abzulassen. Im Fall von Zverev hatte man aber immer den Eindruck: Hier geht nicht nur Material, hier geht auch das entscheidende Quantum Konzentration flöten. Macht er nicht mehr, in Japan.

Deutschland Tennisspieler Alexander Zverev

Manchmal nahm er noch den Oberschenkel zu Hilfe: Zverev 2017 bei der Zerstörung seines Arbeitsgeräts

3. Die Konstanz

Selbst im ersten Satz des Spiels gegen Djokovic, als er wie der sichere Verlierer auf der Anzeigetafel erschien (1:6), hatten die Bälle von Zverev eine gute Länge, der Deutsche “streute” wenig – der Mann auf der anderen Seite war nur schlicht besser. Bei den Matches in Tokio zeigt Zverev gerade bei den Grundschlägen eine Konstanz, die seine Kontrahenten (nochmal schöne Grüße an den Serben) nicht hatten. Dabei kommt Zverev aber das olympische Format zu Hilfe, also der Faktor mit der Nummer 4 ….

4. Nur zwei Gewinnsätze

Noch vor Jahren war Alexander Zverev ein Schlaks, dem das Hemd am Körper hing und dessen Arme und Beine gelegentlich an Stelzen erinnerten. Fitnesscoach Jez Green, der einst Andy Murray zu ungeahnter Fünf-Satz-Kraft quälte, hat das geändert. Nicht nur das fotogene Bauchmuskel-Paket, auch die Oberarme haben andere Formen angenommen. Dessen ungeachtet ist im heißen Tokio hilfreich, dass hier nach zwei Gewinnsätzen Schicht-Ende ist. Der Olympiasieger muss sich also nicht, wie bei den Grand-Slam-Turnieren üblich, über bis zu fünf Sätze quälen. Das dauert mitunter vier Stunden, da kann man auf manche dumme Idee auf dem Court kommen. 

Fitness Coach Jez Green und Alexander Zverev

From boy to man: Zverev und sein Fitness-Coach Jez Green (links)

5. Motivierter Motivator

Alexander Zverev hat nicht nur sportlich unruhige Zeiten hinter sich. Der Mann ist Vater geworden, legte sein Management in die Hände der Firma von Roger Federer und nahm es dieser Firma wieder weg, holte sich den Spanier David Ferrer als Trainer und musste erleben, wie Ferrer eine Reiseallergie entwickelte und lieber bei der eigenen Familie blieb. Vater Alexander Zverev Senior, selbst erfolgreicher Davis-Cup-Spieler,  auf der Tribüne ist die Konstante. In Tokio gilt nicht einmal das. Hier muss er ohne seine eigene “Crew” auskommen muss. “Es ist definitiv so, dass er die anderen motiviert, die Jungs motivieren ihn”, sagte Herren-Teamchef Michael Kohlmann. Diese Rolle steht Zverev gut.

6. Die Pioniere

Dass Zverev alle Nase lang mit Boris Becker verglichen wird, hat damit zu tun, dass “der Leimener” noch erfolgreicher (Wimbledon-Siege), noch jünger (17) und irgendwie noch willensstärker (Davis-Cup-Sieg) in jener Zeit war, als ihn die Deutschen vorübergehend ins Herz schlossen. Bei dem ebenfalls aus Hamburg stammenden Michael Stich oder dem in München aufgewachsenen Tommy Haas war die Sache schon komplizierter. In Tokio konnte Zverev die Chance nutzen, sich zumindest an diesen “Zweithelden” des deutschen Tennis vorbeizuschieben, die Pioniere hinter sich zu lassen. “Jetzt hol’ Gold für Deutschland nach Hause”, hatte Boris Becker vor dem Finale erklärt. Auch so ein Einfluss, wenn alte Männer darauf hinweisen, was sie selbst eben nicht gewonnen haben. Becker hatte bei Olympia “nur” im Doppel triumphiert. 

Australien Brisbane | ATP Cup - Alexander Zverev neben Boris Becker

Wenn “die Alten” reden: Zverev mit Boris Becker 2020 beim ATP Cup

7. Das Outfit

Leser dieser Zeilen werden nun vielleicht denken: Was haben denn bitteschön die Klamotten mit der Leistung eines Tennis-Profis zu tun? Als Antwort könnte man die karierte Hose erinnern, die einst bei dem bärenstarken Schweizer Stan Wawrinka in Paris bestaunt, beschrieben und schließlich nach dem Roland-Garros-Sieg ins dortige Tennis-Museum aufgenommen wurde. “Stan the man” führte eine Miniatur-Ausgabe der Karo-Hose lange Zeit als Anhänger an der Schlägertasche mit sich. Im Fall von Zverev in Tokio ist die Sache dezenter: Er trägt auf dem Schweißband den Adler auf der Stirn. Das Symbol mag ihn daran erinnern, dass die olympische Medaille dabei helfen kann, im eigenen Land – noch – beliebter zu werden. Als Olympiasieger sogar unsterblich, zumindest für diesen Sommer. 

 

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Zeitung: Landkreis Ahrweiler missachtete Hochwasserwarnungen

Der Landkreis Ahrweiler ist laut einem Medienbericht vor der Flutkatastrophe in der Nacht auf den 15. Juli präzise gewarnt worden, ohne jedoch rechtzeitig darauf zu reagieren. Es seien bei der Kreisverwaltung mehrere automatisierte Mails des rheinland-pfälzischen Landesumweltamts eingegangen, berichtet die “Frankfurter Allgemeine Zeitung” unter Berufung auf einen Sprecher der Behörde.

Bereits am Nachmittag des 14. Juli veröffentlichte das Landesumweltamt demnach Prognosen, die einen Pegelstand der Ahr von deutlich mehr als dem vorherigen Höchststand von 3,7 Meter vorhersagten. Am Abend habe es dann neben den Mails auch weitere Online-Informationen der Landesbehörde gegeben. Darin sowie in den Mails an die Kreisverwaltung sei gegen 21.30 Uhr ein erwarteter Pegelstand von fast sieben Metern genannt worden. Dennoch habe der Landkreis erst gegen 23.00 Uhr den Katastrophenfall ausgerufen und Evakuierungsmaßnahmen eingeleitet.

Deutschland Landrat Jürgen Pföhler

Landrat Pföhler (am Donnerstag in einer verwüsteten Schule in Ahrweiler): Zu spät gewarnt?

Lediglich am frühen Abend war die Warnung laut “FAZ” zwischenzeitlich etwas entschärft worden. Damit habe Landrat Jürgen Pföhler (CDU) seine zunächst abwartende Haltung begründet. Landesinnenminister Roger Lewentz verwies gegenüber der Zeitung auf die Zuständigkeit der Kreisverwaltung. Der SPD-Politiker kündigte an, die Abläufe an dem Abend würden “exakt aufgearbeitet” werden.

Krisenforscher kritisiert Fehlen des Voralarms

Der Krisenforscher Frank Roselieb erhob in der “Rhein-Zeitung” aus Koblenz schwere Vorwürfe gegen Landrat Pföhler. Das Katastrophenschutzmanagement gehöre zur Kernfunktion jedes Kreischefs und jedes Oberbürgermeisters, sagte der Kieler Wissenschaftler. Dass im Kreis Ahrweiler kein Voralarm ausgelöst worden sei, halte er für unerklärlich.

Frank Roselieb | Institut für Krisenforschung in Kiel

Forscher Roselieb: “Unerklärlich, dass kein Voralarm ausgelöst wurde”

Die Auslösung eines Voralarms hätte laut Roselieb bereits am frühen Abend des 14. Juli erfolgen können, “um Notmaßnahmen einleiten zu können”. Dies sei etwa möglich, wenn “die Pegelstände steigen und steigen, ohne dass schon was Schlimmeres passiert ist”. Tatsächlich wurde der Katastrophenfall mit Warnstufe 5 nach dem Bericht der “Rhein-Zeitung” erst um 23.15 Uhr ausgerufen. Zu dieser Zeit erging demnach auch die Meldung, die Gebäude 50 Meter rechts und links der Ahr zu evakuieren. Als Pföhler zu dieser Zeit an die Bevölkerung appelliert habe, sich in höher gelegene Stockwerke zu begeben, seien bereits Häuser von den Wassermassen mitgerissen worden.

“Niemand kann sagen, dass es solche Flutwellen im Ahrtal noch nicht gegeben hat”, betonte Roselieb. “Beim Hochwasser vor 200 Jahren waren die Dimensionen etwa noch gewaltiger.” Vor 100 Jahren sei es ähnlich gewesen. Zudem sei man frühzeitig gewarnt worden. Aus Sicht des Forschers gibt es deshalb keinen Grund, auf eine Flutwelle wie die jüngste nicht vorbereitet gewesen zu sein.

Ruf nach Konsequenzen

Konsequenzen aus der Flutkatastrophe fordert der Deutsche Feuerwehrverband. “Wir werden uns mit Einsatzleitern, Vertretern der Feuerwehr-Landesverbänden, aber auch mit Landkreisen und Kommunen zusammensetzen und darüber reden, welche Lehren wir aus dieser Katastrophe ziehen können”, sagte Verbandspräsident Karl-Heinz Banse der “Heilbronner Stimme”. Auch der Einsatz spontaner Helfer müsse besser koordiniert werden.

Die Grünen stellten sich hinter die Forderung der FDP nach einer Bundestags-Sondersitzung Anfang August, um über die Lage nach der Flutkatastrophe sowie notwendige Konsequenzen zu sprechen. “Auch wir setzen uns dafür ein, dass das Parlament zu einer Sondersitzung des Bundestages zu den Auswirkungen der Flutkatastrophe zusammenkommt”, sagte Parlamentsgeschäftsführerin Britta Haßelmann. In Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen hatte extremer Starkregen vor zwei Wochen verheerende Überschwemmungen ausgelöst. Viele Gemeinden, insbesondere im Ahrtal, wurden verwüstet. Rheinland-Pfalz meldete bislang 135 Tote, 59 weitere Menschen werden dort noch vermisst. In Nordrhein-Westfalen gab es 47 Todesopfer. Am Samstag wurde in Bad Neuenahr eine erste Behelfsbrücke des Technischen Hilfswerks (THW) über die Ahr eröffnet. Weitere Ersatzbrücken sind demnach geplant.

kle/AR (afp, faz.net)

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Meinung: Reden ist gut, impfen ist besser

Es ist ein Trauerspiel. Erst mussten Menschen hierzulande monatelang auf eine Impfung gegen COVID-19 warten. Jetzt warten Ärzte in den Impfzentren auf Impfwillige und tausende von Impfdosen landen in der Tonne.

Mehrere Bundesländer, darunter Hamburg, Berlin und Baden-Württemberg, wollen überschüssige Impfdosen an das Bundesgesundheitsministerium zurückgeben. Tausende von Vakzinen müssen vernichtet werden, wenn abzusehen ist, dass das Haltbarkeitsdatum überschritten wird.

Dass mit der Vernichtung von Impfstoffen Millionen von Steuergeldern vernichtet werden, ist schlimm genug. Noch schlimmer sind die immer noch vorhandene Impfskepsis und der schleichende Abschied vom Ziel der Herdenimmunität, die zu Beginn der Impfkampagne ausgegeben wurde. 

Widersprüchliche Empfehlungen

An dem Trauerspiel sind viele beteiligt. Zu ihnen gehören nicht nur diejenigen, die sich nicht impfen lassen wollen, sondern auch Politiker die keine Entscheidungen treffen. Und auch die Experten, die widersprüchliche Empfehlungen zu Impfstoffen abgeben. 

Impfskeptiker berufen sich auf ihre persönlichen Freiheitsrechte und riskieren dadurch, dass die Freiheitsrechte der gesamten Gesellschaft eingeschränkt werden.

Dieses Freiheitsverständnis auf Kosten der Allgemeinheit hat mit dem Ideal des aufgeklärten Staatsbürgers, das von vielen Liberalen zu Recht verfochten wird, nichts zu tun. Im Gegenteil. Es zeigt, dass Menschen es in Kauf nehmen, beim nächsten Lockdown eine ganze Gesellschaft in Unfreiheit zu schicken.

Kommentarbild Astrid Prange

DW-Redakteurin Astrid Prange de Oliveira

Auch die widersprüchlichen Empfehlungen zum Impfstoff von AstraZeneca haben an dem Trauerspiel mitgewirkt. Während die Europäische Arzneimittelagentur EMA den Impfstoff uneingeschränkt für alle Altersgruppen empfiehlt, rät die Ständige Impfkommission (Stiko) nur zur Anwendung bei über 60-Jährigen. Dänemark stellte die Impfungen mit AstraZeneca sogar ganz ein.

Die politischen Entscheidungsträger hierzulande haben sich unterdessen in den Wahlkampf verabschiedet. Die Vernichtung von Impfstoffen ist dafür kein geeignetes Thema. Und das Thema Impfpflicht erst recht nicht.

Dass es auch anders geht, zeigt die Einführung der Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen in europäischen Nachbarländern. In Italien zum Beispiel muss sich seit dem 25. Mai medizinisches Personal gegen Corona impfen lassen. Auch eine Impfpflicht für Lehrer steht zur Debatte.

In FrankreichmüssenMitarbeiter von Krankenhäusern, Alten- oder Pflegeheimen bis zum 15. September eine Impfung nachweisen. Und in Großbritannien gab die Regierung am 16. Juni eine Impfpflicht für Mitarbeiter von Pflegeheimen bekannt.

Dekadente Debatten

Zu den Lektionen der Corona-Pandemie gehört für mich die Einsicht, dass ideologische Debatten und politische Rechthaberei keine Menschenleben retten oder Viren unschädlich machen. Die schnelle Entwicklung von Impfstoffen hingegen sehr wohl. Dank dieser wissenschaftlichen Spitzenleistung und internationaler Kooperation scheint eine Kontrolle der Pandemie möglich.

Umso so niederschmetternder ist die Vernichtung wertvoller Vakzine. Das Leid der Corona-Toten und ihrer Angehörigen gebietet uns, trotz der schmerzhaften Rückschläge nicht aufzugeben und weiter zu impfen, weiter um jedes Menschenleben zu kämpfen und weiter unangenehme Debatten zu führen. Und Entscheidungen zu treffen, statt sich vor ihnen zu drücken, damit das Trauerspiel ein Ende hat.

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Deutsche Judoka gewinnen Bronze im Mixed

Die deutschen Judoka haben bei den Olympischen Spielen in Tokio den erhofften krönenden Abschluss geschafft: Bei der Olympia-Premiere des Mixed-Teamwettbewerbs holten Sebastian Seidl, Anna-Maria Wagner, Dominic Ressel und Theresa Stoll im “kleinen Finale” gegen die Niederlande Bronze. Die Deutschen gewannen mit 4:2.

“Wir hatten heute den Spirit, den wir brauchen, um bombenstark zu sein. Wir haben gezeigt, was wir drauf haben”, sagte Seidl in der ARD. Ressel zeigte sich ebenfalls euphorisch: “Es fühlt sich unfassbar geil an. Nicht nur wir sechs haben die Medaille geholt, sondern das ganze Team. Es ist ein Teamerfolg, und den feiern wir auch.”

Im Teamwettbewerb, bei dem pro Runde bis zu je drei Männer und Frauen für eine Mannschaft auf die Matte gehen, hatten die Deutschen zum Auftakt das Flüchtlingsteam des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) mit 4:0 besiegt und im Viertelfinale gegen Japan mit 2:4 verloren. Durch ein 4:2 über die Mongolei in der Hoffnungsrunde qualifizierten sie sich noch für einen der Bronze-Kämpfe.

Zwei Weltrekorde im Schwimmbecken

Am vorletzten Wettkampftag der Beckenschwimmer gab es im Tokyo Aquatics Centre zwei Weltrekorde: Über 100 Meter Schmetterling siegte der Amerikaner Caeleb Dressel in neuer Weltbestzeit von 49,45 Sekunden vor dem Ungarn Kristof Milak und holte damit seine dritte Tokio-Goldmedaille. Rund eine Stunde später verfehlte Dressel die vierte mit der 4×100 Meter Mixed-Lagenstaffel auf Rang fünf deutlich.

Tokio 2020 | Schwimmen

Caeleb Dressel freut sich über sein drittes Gold in Tokio und den neuen Weltrekord

Großbritannien um Brustschwimm-Wunder Adam Peaty siegte in 3:37,58 Minuten und stellte damit einen neuen Weltrekord auf. Es war insgesamt die fünfte Weltbestmarke im Olympiabecken von Tokio.

Für Schwimmerin Sarah Köhler, die über 1500 Meter Freistil Bronze gewonnen hatte, reichte es über 800 Meter Freistil nicht zu einer zweiten Medaille. Die 27-Jährige belegte am Ende Platz sieben. Köhler schlug nach 8:24,56 Minuten an und blieb damit mehr als acht Sekunden über ihrem deutschen Rekord. “Die Endzeit ist natürlich mehr als eine Enttäuschung für mich”, sagte Köhler. “Ich bin von Anfang an nicht mitgekommen.” Gold gewann die Amerikanerin Katie Ledecky vor der zweimaligen Tokio-Olympiasiegerin Ariarne Titmus aus Australien. Es war Ledeckys insgesamt siebter Olympiasieg. Über 200 Meter Rücken holte sich Kaylee McKeown aus Australien Gold.

Erste Dopingfälle in Tokio

Wenige Stunden vor dem olympischen 100-Meter-Finale der Leichtathletinnen ist die nigerianische Mitfavoritin Blessing Okagbare mit einem positiven Dopingbefund aufgefallen und vorerst gesperrt worden. Das gab die Athletics Integrity Unit (AIU) des Leichtathletik-Weltverbands World Athletics am Samstagmorgen bekannt.

Tokio 2020 | Leichtathletik

Mit Wachstumshormon aufgefallen: Blessing Okagbare

Bei der 32-Jährigen, die 2008 Olympiazweite im Weitsprung war, sei bei einer Trainingskontrolle am 19. Juli ein Wachstumshormon nachgewiesen worden. Das Ergebnis habe aber erst am Freitag vorgelegen, weshalb Okagbare im Vorlauf noch am Start war. Nach den Dopingskandalen um Sportler aus Russland und Kenia könnte Nigeria damit zum nächsten großen Problemfall werden. Erst am Mittwoch hatte die AIU zehn nigerianischen Leichtathleten und Leichtathletinnen neben zehn Sportlern aus sechs anderen Nationen den Start in Tokio untersagt, weil sie sich im Vorfeld der Spiele keinem ausreichenden Testprogramm unterzogen hatten.

Wenig später wurde auch der kenianische Sprinter Mark Odhiambo wegen eines positiven Tests vorläufig suspendiert. Bei ihm waren anabole Steroide gefunden worden. Das Team Kenia bestätigte in einer Erklärung Odhiambos vorläufige Sperre und dass er nicht an den Qualifikationsläufen am Samstag teilnehmen werde. 

Fraser-Pryce Schnellste im 100-Meter-Halbfinale

Die deutschen Sprinterinnen Alexandra Burghardt und Tatjana Pinto haben das Finale über 100 Meter. Die deutsche Meisterin Burghardt wurde in 11,07 Sekunden gute Vierte ihres Halbfinals, Pinto (11,35) belegte in ihrem Lauf Rang sieben. Ein erstes Ausrufezeichen setzte Shelly-Ann Fraser-Pryce, die nach 2008 und 2012 zum dritten Mal Gold holen will. Die Jamaikanerin legte in 10,73 Sekunden die beste Zeit vor. Ihre Teamkollegin und Rio-Siegerin Elaine Thompson-Herah (10,76) überzeugte ebenfalls. 

Ausgelaugter Djokovic verliert Bronze-Match

Tokio 2020 | Tennis | Novak Djokovic

Von den Mühen gezeichnet: Novak Djokovic

Am Ende des Spiels um den dritten Platz gab der Serbe Novak Djokovic noch einmal alles, letztlich aber konnte er die Niederlage gegen den Spanier Pablo Carreno-Busta nicht mehr abwenden. Mit 4:6, 7:6 (6:8) und 3:6 musste sich die Nummer eins der Tennis-Weltrangliste geschlagen geben. Im entscheidenden Spiel wehrte Djokovic die ersten vier Matchbälle erfolgreich ab, bevor dem 30-jährigen Spanier schließlich der noch fehlende Punkt gelang. Djokovic war frustriert und ließ seiner schlechten Laune im dritten Satz freien Lauf: Einen Schläger zerhackte er auf dem Boden, einen zweiten pfefferte er auf die leere Tribüne.

Djokovic, der im Halbfinale an Alexander Zverev gescheitert war, hat in dieser Saison bei den Australian Open, den French Open und in Wimbledon triumphiert. Den Grand Slam kann der Topstar mit dem Titel bei den US Open im September noch perfekt machen. Zuletzt gelang es dem Australier Rod Laver 1969, die vier wichtigsten Tennis-Turniere in einem Kalenderjahr zu gewinnen. Für den Golden Slam hätte Djokovic zusätzlich Olympia-Gold gebraucht. Damit bleibt Steffi Graf die bisher einzige im Tennis, die einen Golden Slam schaffte. 1988 gelang dem früheren deutschen Superstar dieses Kunststück.

Triathlon-Staffel: Favoriten vorne

Für die deutschen Triathleten Laura Lindemann, Jonas Schomburg, Anabel Knoll und Justus Nieschlag fehlte nicht viel: Die deutsche Mixed-Staffel kam bei der olympischen Premiere des Mixed-Wettbewerbs auf Platz sechs. Gold ging nach 1:23,41 Stunden im sogenannten “Supersprint-Format” an Großbritannien vor den USA und Weltmeister Frankreich. Damit waren die favorisierten Nationen am Ende vorne.

Tokyo Olympics | Triathlon

Die Briten Alex Yee, Georgia Taylor-Brown, Jonathan Brownlee und Jessica Learmonth (v.r.n.l.) holen Gold

Lindemann, die im Einzel Achte geworden war, hatte als erste Starterin noch als Zweite an Schomburg übergeben, der die Mannschaft immerhin im Kampf um Bronze hielt. Weiter nach vorne ging es aber nicht mehr. Im Ziel hatten die deutschen Triathleten nach jeweils 300 Metern Schwimmen, 6,8 Kilometern Radfahren und 2 Kilometern Laufen 36 Sekunden Rückstand auf das Podest.

Basketballer verlieren, Viertelfinale wahrscheinlich

Mit einem 76:89 (40:44) gegen die favorisierten Australier hat die deutsche Basketball-Nationalmannschaft die Vorrunde des olympischen Turniers abgeschlossen und belegt in ihrer Gruppe hinter Australien und Italien Rang drei. Bester deutscher Werfer gegen die “Boomers” um die NBA-Spieler Patty Mills, Joe Ingles und Matisse Thybulle war Andreas Obst mit 17 Punkten. Insgesamt leistete sich das deutsche Team zu viele Ballverluste und vor allem in der entscheidenden Phase des Schlussviertels zu viele Fehlwürfe.

Tokio - 2020 - Basketball

Moritz Wagner und seine Mitspieler dürfen weiter auf die Teilnahme an der K.o.-Runde hoffen

Da jedoch aus den drei Vorrundengruppen auch die beiden besten Dritten ins Viertelfinale einziehen, dürfen die Deutschen aber trotz der verdienten Niederlage weiter auf den Einzug in die K.o.-Runde hoffen. Sie müssen im Vergleich der Korbdifferenz besser sein als die Tschechen. Deutschland hat nach drei Spielen eine Korbdifferenz von -16. Die Tschechen, die noch gegen die Star-Auswahl der USA antreten müssen, weisen vor diesem Spiel eine Differenz von -14 auf. Nur wenn Tschechien gewinnt, oder mit maximal zwei Zählern Unterschied verliert, ist die DBB-Auswahl ausgeschieden.

Hockey: Niederlage gegen Niederlande

Für die deutschen Hockey-Damen war das letzte Vorrundenspiel die erwartet schwere Aufgabe. Die favorisierten Niederländerinnen wurden diesen Erwartungen gerecht und schlugen das Team des Deutschen Hockey-Bundes mit 3:1. Lediglich Sonja Zimmermann konnte gegen die Weltmeisterinnen nach einer Strafecke verwandeln. Allerdings hatte sich die von Trainer Xavier Reckinger betreute Mannschaft schon für das Viertelfinale qualifiziert – nun am Montag gegen Argentinien.

Vielseitigkeitsreiter Jung auf Goldkurs

Mit einer hervorragenden Vorstellung in der Dressur hat sich der dreimalige Vielseitigkeits-Olympiasieger Michael Jung zum Topfavoriten auf Einzel-Gold aufgeschwungen. Gleichzeitig hat er auch die deutsche Equipe wieder auf Medaillenkurs gebracht. Jung sammelte an seinem 39. Geburtstag mit Chipmunk nur 21,10 Strafpunkte im Dressurviereck und übernahm die Führung im Einzelklassement. In der Team-Konkurrenz liegt Deutschland nach der ersten von drei Teilprüfungen nur 2,10 Punkte hinter Großbritannien auf Rang zwei.

Tokio 2020 - Pferdesport Dressur

Seine bisherigen Olympiasiege errang Michael Jung auf Sam – folgt nun der erste große Titel mit Chipmunk?

“Ich bin erstmal überglücklich”, sagte Jung und lobte seinen 13-jährigen Wallach: “Chipmunk ist in super Form, er hat mir schon die letzten Wochen ein super Gefühl gegeben. Das beruhigt einen natürlich auch als Reiter.” Bleiben Jung und Chipmunk am Sonntag auf der anspruchsvollen Geländestrecke und im abschließenden Springen auf ihrem hohen Niveau, wird Jung als erster Vielseitigkeitsreiter überhaupt zum dritten Mal Einzel-Olympiasieger – und das sogar nacheinander.

Unruh ausgeschieden, Lessmann aussichtsreich

Bogenschütze Florian Unruh hat im Einzelwettbewerb die ersehnte Medaille verpasst. Der 28-Jährige verlor im Viertelfinale mit 4:6 gegen Mauro Nespoli aus Italien. Nach seinem überraschenden Erfolg über Doppel-Olympiasieger Je-Doek Kim aus Südkorea galt der Ehemann von Deutschlands Top-Bogenschützin Lisa Unruh als heißer Anwärter auf eine Medaille. Allerdings konnte er gegen Nespoli seine starke Leistung aus dem Achtelfinale nicht bestätigen.

Jolyn Beer hat die erste Olympia-Medaille für die deutschen Schützen in Tokio verpasst. Die 27-Jährige verspielte im Finale auf der Asaka Shooting Range ihre gute Ausgangsposition und wurde im Dreistellungskampf mit dem Kleinkalibergewehr Sechste. Sie hatte sich als Dritte qualifiziert und zwischenzeitlich im Finale auf Rang zwei gelegen. Gold mit olympischem Rekord holte sich die Schweizerin Nina Christen.

Lara Lessmann ist bei der olympischen Premiere des BMX-Freestyle solide in den Wettkampf gestartet. Die 21-Jährige belegte mit insgesamt 69,70 Punkten den sechsten Platz. Die Bestwertung der Jury im Ariake Urban Sports Park erhielt Weltmeisterin Hannah Roberts  aus den USA (87,70). Die Medaillenentscheidung fällt am Sonntag.

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"Keine generellen Abschiebehindernisse"

Ungeachtet des Vormarschs der radikalislamischen Taliban lehnt die Bundesregierung einen Abschiebestopp für Afghanistan weiter ab. Es ließen sich “keine pauschalen Aussagen zur Gefährdung Einzelner” in dem Land treffen, heißt es in der Antwort des Innenministeriums auf eine parlamentarische Anfrage der Grünen, aus der die Nachrichtenagentur AFP zitiert.

Die Bundesregierung beobachte die Lage in Afghanistan “fortlaufend und sehr intensiv”; derzeit gehe sie nicht von “generellen Abschiebehindernissen” aus. Vielmehr müssten die zuständigen Behörden in den Bundesländern jeweils entscheiden, “ob eine Rückführung unter Berücksichtigung des aktuellen Lageberichts nach geltendem Recht durchgeführt werden kann”.

Druck auf Kabul?

Zu einer Bitte der afghanischen Regierung, wegen der angespannten Situation auf Abschiebungen vorerst zu verzichten, schreibt das Innenministerium nur, hierzu würden weitere Gespräche geführt, auch auf EU-Ebene. Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Pro Asyl setzt die Bundesregierung tatsächlich jedoch die afghanische Regierung unter Druck, Abschiebungen weiter zuzulassen.

Berlin, Bundestag | Margarete Bause

“Ein Skandal”: Grünen-Bundestagsabgeordnete Margarete Bause (Archivbild)

Die Sprecherin der Grünen-Fraktion für Menschenrechte, Margarete Bause, kritisierte, die Regierung verharmlose die Lage in Afghanistan. Dies sei ein “Skandal”. Bause begründete ihre Kritik auch mit einer Studie der kirchlichen Organisationen Diakonie und Brot für die Welt, wonach Abgeschobene in ihrer Heimat “gezielt bedroht werden”. Zugleich verwies sie auf mehrere skandinavische Länder, die bereits einen Abschiebestopp verhängt hätten.

Landkreistag: “Keine deutschen Sonderwege”

Auch der Co-Vorsitzende der Grünen, Robert Habeck, bekräftigte die Forderungen. Es sei an der Zeit, die Lageeinschätzung zu revidieren “und in einem darauf folgenden Schritt auch die Abschiebepraxis”, sagte Habeck der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung” (FAS).

Heikendorf, Deutschland | Grünen-Bundesvorsitzender Robert Habeck

“Lageeinschätzung revidieren”: Robert Habeck, Co-Vorsitzender der Grünen (Archivbild)

Der Deutsche Landkreistag verlangte indes, Deutschland und die EU müssten die Außengrenzen der Union sichern. “Den bedrohten Menschen in Afghanistan muss dringend im Land selbst oder in der Region geholfen werden”, sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer Kay Ruge der FAS. Bei der Aufnahme von Flüchtlingen dürfe es keine “deutschen Sonderwege” geben.

2,9 Millionen Binnenvertriebene

Die Taliban, auf deren Konto zahlreiche tödliche Anschläge gehen, haben nach dem Abzug ausländischer Truppen weite Teile Afghanistans wieder unter ihre Kontrolle gebracht. Nach Angaben des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) gibt es mittlerweile rund 2,9 Millionen Binnenvertriebene im Land. In den Nachbarstaaten Pakistan und Iran leben demnach 1,4 beziehungsweise 0,8 Millionen Flüchtlinge. Der UN-Mission für Afghanistan zufolge wurden allein im Mai und Juni fast 2400 Zivilisten durch Terror und Gewalt verletzt oder getötet.

Vor diesem Hintergrund haben Asylbewerber aus Afghanistan auch zunehmend Erfolg vor deutschen Gerichten. Die Deutsche Presse-Agentur zitiert aus einem Schreiben des Bundesinnenministeriums an die Linken-Abgeordnete Ulla Jelpke, wonach von 4212 inhaltlichen Entscheidungen zwischen Januar und Mai 3203 zugunsten der Kläger ausfielen. Dies entspricht einer Erfolgsquote von 76 Prozent – während es im Vorjahreszeitraum noch knapp 55 Prozent waren.

jj/sti (dpa, afp, rtr, kna)

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