In Brasilien droht erneut ein Dammbruch

Ein Zusammenbrechen stehe unmittelbar bevor oder sei schon im Gange, meldete das brasilianische Bergbauunternehmen Vale. Das habe ein unabhängiger Prüfer am Sul Superior Damm an der Gongo Soco Mine im Südosten des Landes festgestellt. Für den Damm gelte daher die höchste Risikostufe drei. Die Stufe bedeute, dass die “drohende Gefahr” eines Dammbruchs bestehe, sagte Oberstleutnant Flavio Godinho vom Zivilschutz dem Sender Globo.

Menschen verlassen die Region

Menschen in unmittelbarer Nähe zum Sul Superior Damm im Südosten des Bundesstaates Minas Gerais wurden erneut dazu aufgerufen, ihre Häuser zu verlassen. Nach dem Bruch des Damms an der Mine Corrégo do Feijão Ende Januar hatten die Behörden bereits allen Bewohnern im Umkreis von zehn Kilometern geraten, die Region vorerst zu meiden. Damals erhöhten die Behörden das Risiko auf Stufe zwei. Ein Sprecher des Bergbaukonzerns Vale sagte, mittlerweile seien bereits 442 Personen in vorübergehenden Behausungen untergebracht worden.

Brasilien Brasilia Vale Chef Fabio Schvartsman (Getty Images/AFP/S. Lima)

Übernimmt die Verantwortung: Vale-Konzernchef Fabio Schvartsman trat Anfang März zurück

Vertreter der lokalen Zivilschutzbehörde sagten, sie analysierten den Dammbruch vom Januar genau, um Rückschlüsse auf den aktuellen Fall zu ziehen. “Jede Aktivität an dem Damm könnte ihn zum brechen bringen”, sagte Godinho.

Umbau aller Dämme

Die Eisenerzmine Córrego do Feijão wurde ebenfalls von Vale betrieben. Am 25. Januar hatte der Dammbruch hier eine Schlammlawine freigesetzt, die über Teile der Stadt Brumadinho und angrenzende Siedlungen hinweg rollte. Die mit Schwermetallen durchsetzte flüssige Masse gelangte auch in den angrenzenden Fluss Paraopeba und kontaminierte ihn. Bisher wurden 203 Leichen geborgen, wie der Zivilschutz von Minas Gerais auf seiner Webseite schreibt. 105 Menschen gelten nach wie vor als vermisst.

Die Dämme im aktuellen Fall und dem vom Januar weisen die gleiche Bauweise auf. Nach dem ersten Dammbruch hatten die Behörden sie verboten. Das Bergbauunternehmen Vale hatte 90 Tage Zeit bekommen, um Pläne für den Umbau aller Dämme vorzulegen. Vale sagte in einer Erklärung, dass bereits zehn Dämme ersetzt worden wären.

pgr/kle (dpa, ap, lusa)

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Proteste richten sich jetzt gegen Hamas

In Massen sollten sie am 30. März gegen die israelische Besatzung protestieren, rief Hamas-Führer Ismail Haniya die Bewohner des Gazastreifens am Sonntag auf. Kurz zuvor hatte die israelische Armee Luftangriffe auf zwei Hamas-Stellungen geflogen. Als Reaktion auf gewalttätige Proteste von Palästinensern am Grenzzaun zu Israel, wie die israelische Armee später erklärte. Palästinenser hätten dabei Sprengsätze in Richtung des Grenzzauns geworfen. Einer von ihnen löste demnach einen Bombenalarm im Süden Israels aus.

Die Proteste gegen Israel halten seit Monaten an. Seit ihrem Beginn im März 2018 starben dabei mindestens 258 Palästinenser und zwei israelische Soldaten.

Die Kundgebungen am Grenzzaun zu Israel verdecken einen anderen Konflikt, der die Bürger des Gazastreifens in Atem hält. Vor einem guten Monat gründete sich in Gaza-Stadt die Bewegung “Bidna na’isch”  (“Wir wollen leben”), ein Zusammenschluss zunächst von unabhängigen Medienaktivisten, die rasch Verbreitung unter zahlreichen Jugendlichen im Gazastreifen fand.

Mitte März protestierten die Anhänger der Bewegung erstmals öffentlich. Die regierende Hamas reagierte umgehend: Sicherheitsleute trieben die Demonstranten gewalttätig auseinander, wie im Internet kursierende Videos belegen. Während und nach der Demonstration nahmen die Sicherheitsleute zahlreiche Demonstranten fest.

Bilder des Jahres - Proteste (picture-alliance/AP Photo/K. Hamra)

Im Tränengas: Palästinenser demonstrieren an der Grenze zu Israel, Juli 2018

“Bewegung aus der Mitte der Bevölkerung”

Der Bewegung, sagte eine Teilnehmerin gegenüber dem katarischen Nachrichtensender Al-Dschasira, verfolge hauptsächliche soziale Anliegen. “Es handelt sich um eine Bewegung, die aus der Bevölkerung kommt”, so die junge Frau. “Die Leute gehen auf die Straße, um eine Lösung angesichts ihrer elenden Lebensbedingungen zu fordern.” Entsprechend seien auch die Slogans der Bewegung formuliert: “Wir wollen leben. Wir wollen arbeiten. Unsere Zukunft ist verloren.”

Politisches Gewicht erhält “Wir wollen leben” durch den Umstand, dass rund ein Dutzend politisch gegen die Hamas gerichteter Gruppierungen die Bewegung unterstützen. Ihre Position brachten sie in einem gemeinsamen Kommuniqué zum Ausdruck. Der wesentliche Grund für die Krise des Gazastreifens liege zwar in der Besatzung und Absperrung des Gazastreifens durch Israel wie auch der damit verbundenen Spaltung der palästinensischen Bevölkerung. Allerdings täten auch “die Verantwortlichen” im Gazastreifen das ihre dazu, die Lebensbedingungen der Menschen zu erschweren, insbesondere durch die Erhebung zu hoher Steuern und Abgaben. Auch beklagen die Unterzeichner die steigenden Lebenshaltungskosten.

Zudem seien Rechte und Freiheiten nicht mehr gewährleistet, so das Kommuniqué. Stattdessen sähen sich die Menschen Verfolgung, Verhaftung, Einschüchterung oder Dämonisierung ausgesetzt. “Wir rufen die Hamas und die Offiziellen in Gaza auf, ihre Sicherheitskräfte von den öffentlichen Straßen und Plätzen abzuziehen und sämtliche aus den Reihen der Bewegung entstammenden Verhafteten oder im Gefängnis befindlichen Personen freizulassen.”

Gazastreifen Hamas Sicherheitskräfte (AFP/Getty Images/M. Hams)

Gerüstet: Sicherheitskräfte der Hamas, März 2018

Kritik von Menschenrechtlern

Durch die Proteste ist die Hamas innenpolitisch unter Druck geraten. Auch die parteiübergreifende, 1993 gegründete “Independent Commission of Human Rights” (ICHR), kritisierte die Reaktion der Hamas auf die Proteste der Bewegung “Wir wollen leben”. Die Menschenrechtsorganisation kritisiert den “exzessiven Einsatz von Gewalt”, den die Sicherheitskräfte hätten erkennen lassen. Diese hätten “Hunderte” – insgesamt über 1000 – Demonstranten festgesetzt und auf diese Weise die Presse- und Meinungsfreiheit enorm eingeschränkt. Zudem hätten die Sicherheitskräfte auch Menschenrechtsverteidiger ins Visier genommen.

Das harsche Vorgehen der Sicherheitskräfte wurde in der israelischen und arabischen, aber auch in teilen der westlichen Medien ausführlich thematisiert. Für die Hamas ist das ein großer Imageschaden. Umgehend machte ein Sprecher die innenpolitische Konkurrenz von der säkularen Fatah und der von ihr dominierten Palästinensischen Autonomiebehörde für die Zusammenstöße verantwortlich. Diese habe ihre Angestellten in Gaza angewiesen, Unruhen anzuzetteln. Täten sie das nicht, hätte die Behörde ihnen mit Einbehaltung des Gehalts gedroht, so der Vorwurf des Hamas-Sprechers gegenüber “Al-Jazeera”. “Wir betonen, dass wir friedliche Proteste unterstützen, aber wir werden nicht hinnehmen, dass diese dazu missbraucht werden, um Chaos zu verbreiten”, so der Sprecher.

Palästinensischer Hamas-Chef Ismail Haniyeh (picture-alliance/ZUMAPRESS/A. Baarhoum)

Unter Druck: Hamas-Chef Ismail Haniyeh (Mi.)

Politisierung der Proteste möglich

Die Proteste fallen in eine Zeit extremer wirtschaftlicher Schwierigkeiten. Dem zentralen palästinensischen Statistik-Büro zufolge lag die Arbeitslosigkeitim Gazastreifen im Jahr 2018 bei 52 Prozent – ein Plus von sieben Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr und mehr als 20 Prozentpunkte gegenüber der Machtübernahme der Hamas im Jahr 2007. Preiserhöhungen grundlegender Verbrauchsgüter haben den Bewohnern des Gazastreifens in den vergangenen Monaten noch einmal besonders zugesetzt.

Offen ist, wohin die Proteste führen. Die der Hamas äußerst kritisch gegenüberstehende israelische Zeitung “Jerusalem Post” (JP) schließt nicht aus, dass sich die Proteste ausweiten könnten, sowohl mit Blick auf die Teilnehmerzahlen wie auch hinsichtlich der Forderungen. Womöglich, so ihre Schlussfolgerungen, könnten die Demonstranten sich grundlegende Forderungen zu eigen machen ähnlich jenen, wie sie im Jahr 2011 die Protestbewegungen in mehreren arabischen Ländern formulierten. Die Hamas, so die JP, sei entsprechend nervös.

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Marokkos Polizei geht gegen Lehrer-Protest vor

Mit Wasserwerfern und Schlagstöcken sind Sicherheitskräfte in Rabat gegen eine Demonstration von Lehrern vorgegangen. Die Demonstranten wehren sich gegen die seit 2016 geltenden Arbeitsverträge, die den seither angestellten Lehrern schlechtere Sozialleistungen und Pensionen vorschreiben. Die Lehrer zogen vom Gebäude des Bildungsministeriums vor das marokkanische Parlament. In Sprechchören riefen sie “Freiheit, Würde, soziale Gerechtigkeit”.

Lehrer zweiter Klasse

Verschiedene Quellen sprechen von 10.000 bis 15.000 Lehrern, die bereits in der Nacht zu Sonntag durch Rabats Straßen zogen. Vor dem Parlament sollte am selben Tag eine große Demonstration für mehr soziale Gerechtigkeit stattfinden, zu der linke Parteien und Gewerkschaften aufgerufen hatten. Als einige von ihnen in der Nacht vor dem Parlament ein improvisiertes Lager aufschlugen und dieses nach zwei Stunden langen Verhandlungen nicht räumen wollten, gingen die Beamten gewaltsam gegen die Demonstranten vor.

Marokko Proteste in Rabat (Getty Images/AFP/F. Senna)

Polizei greift durch: Mit Wasserwerfern und Schlagstöcken gegen die demonstrierenden Lehrer

In Marokko demonstrieren Lehrer seit Monaten regelmäßig. Seit rund drei Wochen befinden sie sich zusätzlich im Streik. Von den rund 240.000 marokkanischen Lehrern sollen etwa 55.000 nach dem neuen Vertragssystem angestellt sein, meldete der Fernsehsender Al-Dschasira. Die Betroffenen fordern eine Gleichstellung mit unbefristet beschäftigten Lehrern. Sie bekommen zwar dasselbe Gehalt wie reguläre Lehrkräfte, haben nach eigenen Angaben aber nicht dieselben Rechte, beispielsweise bei der Rente.

Verschiedene Vorschläge der Regierung zur Verbesserung ihrer Lage lehnten die Befristeten bisher ab. Marokko steht unter dem Druck von Weltbank und Internationalem Währungsfonds, seine Ausgaben im öffentlichen Sektor zu reduzieren.

pgr/kle (kna, afp, rtr)

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"Viking Sky" steuert rettenden Hafen an

Nach Polizeiangaben wurden mehr als 475 Passagiere in Sicherheit gebracht. 17 von ihnen hatten sich verletzt, drei von ihnen schwer, als das Schiff in Seenot geraten war. Sie wurden in Krankenhäuser der Region gebracht. Die unverletzt gebliebenen Reisenden kamen in ein Notaufnahmezentrum in der westnorwegischen Küstenstadt Brynhallen rund 500 Kilometer nördlich der Hauptstadt Oslo.

Die meisten Passagiere stammen laut Polizei aus Großbritannien und den USA. Mehrere Hubschrauber und Schiffe waren bei der Rettungsaktion im Einsatz.

Die “Viking Sky” war am Samstag mit massiven Motorproblemen in Seenot geraten. Der Rundfunksender NRK zeigte Aufnahmen des Schiffes bei starkem Wellengang im Küstenabschnitt Hustadvikat.  Der südnorwegische Rettungsdienst erklärte, das Schiff habe wegen Antriebsschwierigkeiten bei widrigen Wetterbedingungen einen Notruf abgesetzt und sei dann in Richtung Küste getrieben.

Passagiere veröffentlichten auf Twitter Aufnahmen, die von dem Schiff stammen. Zu sehen ist unter anderem, wie Möbelstücke wie Sessel, Stühle und Tische sowie Pflanzen auf dem Boden hin und her schlittern. Ein Brett fällt einer Frau auf den Kopf. Viele Menschen sitzen an Bord und tragen Rettungswesten.

Drei von vier Motoren wieder im Einsatz

Inzwischen sind drei der vier Motoren der “Viking Sky” wieder angesprungen. Das Schiff fahre nun langsam in Begleitung zweier Schlepper in Richtung der in der Nähe liegenden Stadt Molde, berichtete NRK. Laut dem südnorwegischen Rettungsdienst erfolgte die Evakuierung vorsichtig bis sie gestoppt wurde.

Norwegen Evakuierung des Kreuzfahrtschiffs Viking Sky (Getty Images/AFP/O. Roar)

Von Hubschraubern in Sicherheit gebrachte Passagiere der “Viking Sky” nahe Romsdal an der Westküste Norwegens

Auch ein Frachter, der dem Kreuzfahrtschiff zu Hilfe eilen wollte, war in Seenot geraten. Die neun Besatzungsmitglieder der “Hagland Captain” konnten laut Nachrichtenagentur NTB mittlerweile in Sicherheit gebracht. Bei dem Frachtschiff war ebenfalls der Motor ausgefallen. Daraufhin habe es Schlagseite bekommen, teilte der südnorwegische Rettungsdienst mit.

Norwegen havarierter Frachter Hagland Captain in der Nähe des Kreuzfahrtschiffs Viking Sky (Reuters/NTB Scanpix/S. O. Ekornesvag)

Auch das Frachtschiff “Hagland Captain” geriet bei schwerem Wellengang und mit ausgefallenem Motor in Seenot

Der Küstenabschnitt Hustadvika liegt bei Kristiansund an der zentralen Westküste Norwegens. Weil es dort zahlreiche kleine Inseln und Riffe gibt, gilt er als gefährliches Seegebiet. In der Vergangenheit ist es dort schon häufiger zu Schiffsunfällen gekommen. Die Vikinger hatten das Gebiet gemieden und ihre Boote stattdessen an Land von Fjord zu Fjord getragen.

hk/haz/kle (dpa, afp)

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Orang-Utan-Baby auf Bali vor Schmuggel gerettet

Der Russe wurde wegen versuchten Schmuggels festgenommen. Er behauptete laut der Zeitung, das etwa zwei Jahre alte Tier für 3000 US-Dollar gekauft zu haben. Ein Freund habe ihm gesagt, es sei in Ordnung, den Affen als Haustier mit nach Russland zu nehmen.

Auch bei Orang-Utans sind zwei Jahre noch ein Kleinkind-Alter, in dem die Tiere eng bei der Mutter leben. Die Menschenaffen zählen zu den stark bedrohten Arten. In Freiheit leben sie nur noch auf der indonesischen Insel Sumatra und der teilweise zu Indonesien zählenden Insel Borneo.

Einfach nur “unmenschlich”

Der Chef der Quarantäne-Abteilung des Flughafens, Dewa Delanata, bezeichnete den Umgang des Russen mit dem Tier als “unmenschlich”. Der Orang-Utan sei mit Drogen betäubt worden, so dass er zwei bis drei Stunden bewusstlos in der Rattankiste lag. Der Tourist habe Spritzen und Betäubungsmittel bei sich gehabt, um sie dem Affen bei der Zwischenlandung in Südkorea zu verabreichen.

Indonesien Bali Orang-Utan-Baby am Flughafen gerettet (picture-alliance/AP Photo/BKSDA Bali)

Bewußtlos lag das Oran-Utan-Baby in einem Rattan-Korb

Das Menschenaffenjunge wurde in die Obhut der balinesischen Naturschutzbehörde gegeben. Im Gepäck des Russen fanden die Behörden laut “Jakarta Post” auch noch zwei Geckos und fünf andere Echsen.

haz/kle (dpa, ape)

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Katastrophale Lage nach Zyklon "Idai"

Die Zahl der Todesopfer in Mosambik ist auf mindestens 446 gestiegen. 110.000 Menschen seien in Notunterkünften untergekommen, teilte Umweltminister Celso Correia mit. Die UN-Angaben zu der Totenzahl im benachbarten Simbabwe schwankten zwischen 259 und 154. In Malawi kamen mindestens 56 Menschen um.

Noch hätten die Hilfsorganisationen gerade erst begonnen, das Ausmaß der Zerstörung zu erfassen, erklärte Unicef-Exekutivdirektorin Henrietta Fore bei einem Besuch in Beira. Ganze Dörfer stünden unter Wasser. Schulen, Gesundheitszentren und andere Gebäude seien niedergerissen worden. Der Zyklon und die Überschwemmungen hätten eine Fläche von rund 3000 Quadratkilometern zerstört.

Sorge wegen starker Regenfälle

Umweltminister Correia beschrieb die Lage am Samstag als noch immer kritisch. Aber sie bessere sich etwas, denn die Helfer könnten inzwischen leichter in die betroffenen Landesteile vordringen. Am Samstag sind neun Experten des Technischen Hilfswerks (THW) aus Deutschland zu einem Einsatz in das Katastrophengebiet aufgebrochen. Sie wollen in Mosambiks schwer verwüsteter Hafenstadt Beira zwei Anlagen zur Aufbereitung von Wasser in Betrieb nehmen. “Die Lage in Beira ist katastrophal, die Notversorgung an Trinkwasser für die betroffenen Menschen lebenswichtig”, sagte THW-Vizepräsident Gerd Friedsam.

Auch in Malawi bleibt die Lage angespannt. “Das Wasser kann nicht mehr abfließen, kleinere Straßen sind unpassierbar, was wiederum die Hilfsmaßnahmen erschwert”, sagte der Landesdirektor der Welthungerhilfe Johannes Kaltenbach in der Hauptstadt Lilongwe. Das Problem sei die “letzte Meile”, wenn es auf unbefestigten Pisten in die Dörfer gehe, sagte er. “Da hilft manchmal nur noch der Hubschrauber.” Beim Zyklon selbst, der vor über einer Woche in Mosambik auf Land traf, sei Malawi vergleichsweise glimpflich davongekommen, sagte Kaltenbach. Große Sorgen bereiteten den Menschen dagegen Starkregenfälle, die bereits Anfang März einsetzten.

In Simbabwe haben die Behörden wegen der starken Regenfälle begonnen, den Ort Chimanimani zu evakuieren. Ein nahegelegender Damm drohe zu brechen, erklärten die Behörden. “1000 Familien sind in Gefahr”, sagte der zuständige Einsatzleiter.

“Nur noch verfaulte Stängel auf den Feldern”

“In einem Monat hätte die Ernte beginnen sollen”, so Kaltenbach. “Zu diesem Zeitpunkt haben die meisten Kleinbauern ihren Vorrat von der vergangenen Saison aufgebraucht.” Nun aber seien die Speicher leer und könnten nicht wieder aufgefüllt werden, weil der Großteil der neuen Ernte durch die Fluten vernichtet wurde. “Da stehen jetzt nur noch verfaulte Stängel auf den Feldern.”

Karte Zyklon Idai Mosambik v2 DE

Der Weg des Sturms: In Mosambik traf “Idai” auf Land und verwüstete anschließend Simbabwe und Malawi

Am dringendsten würden aktuell Nahrungsmittel benötigt, so der Vertreter der Welthungerhilfe. “Mit ein, zwei Wochen Nothilfe wird es nicht getan sein.” Vermutlich werde bald ein mehrmonatiges Nahrungsprogramm anlaufen, gefolgt von Wiederaufbaumaßnahmen. “Das wird uns noch eine Weile beschäftigen”, sagte Kaltenbach.

Auch das UN-Welternährungsprogramm (WFP) ist dabei, seine Nothilfe stark auszuweiten. Die Dimension der Katastrophe sprengt die schlimmsten Befürchtungen. 1,8 Millionen Menschen sind nach UN-Angaben in Mosambik, Simbabwe und Malawi betroffen, darunter eine Millionen Kinder. 600.000 wurden vertrieben. Ein Risiko sind Krankheiten, die sich in Überschwemmungsgebieten mit wenig Toiletten und Mangel an sauberem Trinkwasser schnell ausbreiten können. Dem Internationalen Roten Kreuz zufolge gab es in Beira inzwischen erste Fälle von Cholera. Minister Correia kündigte den Aufbau eines Behandlungszentrums an, um eine Ausbreitung der Krankheit zu vermeiden.

Erste Erfolge

In Beira konnten Teile der beschädigten Strom- und Wasserversorgung mittlerweile wieder instandgesetzt werden, wie die Zeitung “O País” berichtete. Auch seien vom Wasser weggespülte Abschnitte wichtiger Verbindungsstraßen von und nach Beira provisorisch repariert worden. Der Flughafen habe den vollen Betrieb wieder aufgenommen und sich zum Anlauf-Zentrum von Helfern und Journalisten entwickelt, weil es dort Strom und Internet gebe.

Der Wirbelsturm war mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 170 Stundenkilometern und starken Regenfällen über die südafrikanische Region hinweggefegt und hatte eine Spur der Zerstörung hinterlassen. Die UN sprachen von der möglicherweise bislang schlimmsten Unwetterkatastrophe in der südlichen Hemisphäre.

pgr/kle (rtr, dpa, kna)

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