CAS widerruft UEFA-Sperre gegen Manchester City

Manchester City darf in den nächsten beiden Spielzeiten doch in der Champions League oder der Europa League spielen. Der Internationale Sportgerichtshof (CAS) in Lausanne gab der Klage des Premier-League-Klubs gegen den Ausschluss von den Europapokalwettbewerben statt. Man City muss allerdings innerhalb von 30 Tagen eine Geldstrafe von 10 Millionen Euro an den Europäischen Fußballverband UEFA zahlen. Die UEFA hatte den Verein wegen Verstößen gegen das Financial Fairplay zu einer zweijährigen Europapokal-Sperre und einer Geldstrafe von 30 Millionen Euro verurteilt. 

Manchester City erklärte, der Verein ”begrüße” die Entscheidung und werte sie als “Bestätigung der Position des Klubs”. Die UEFA nahm das Urteil in einer ersten Reaktion lediglich “zur Kenntnis” und bekannte sich “zu den Prinzipien des Financial Fair Play”.

Sperre trotz Verstößen “nicht angemessen”

Die meisten der von der UEFA gemeldeten angeblichen Verstöße seien “entweder nicht begründet oder verjährt”, hieß es in der CAS-Entscheidung. Die Sperre sei als Strafe allein für die fehlende Zusammenarbeit mit den Untersuchungsgremien der UEFA “nicht angemessen” – vor allem wenn man die “bedeutsameren Verstöße” des Klubs, der Beteiligungsfinanzierungen verheimlicht habe, berücksichtige. 

Die UEFA hatte Manchester City vorgeworfen, zwischen 2012 und 2016 Finanzspritzen aus Abu Dhabi als Sponsorengelder deklariert zu haben. Angeblich handelte es sich um insgesamt 70 Millionen Euro aus der Kasse von Klub-Besitzer Scheich Mansour bin Zayed Al Nahyan.

Das Mitglied der Herrscherfamilie in dem Emirat am Persischen Golf hat laut Medienberichten in den vergangenen zwölf Jahren rund 1,5 Milliarden Euro in den Verein gepumpt. 2008 hatte Scheich Mansour die Mehrheitsanteil an Man City erworben. 

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Sudan liberalisiert seine Rechtsordnung

Mit der Legalisierung von Alkohol für Nicht-Muslime will der Sudan seine Rechtsordnung weiter liberalisieren. Erstmals seit Jahrzehnten werde Nicht-Muslimen wieder erlaubt, Alkohol zu konsumieren, teilte der sudanesische Justizminister Nasredeen Abdulbari im Staatsfernsehen mit. Bedingung sei, “dass es nicht den Frieden stört” und der Alkohol nicht in der Öffentlichkeit getrunken werde. Im Islam ist Alkohol verboten, im Sudan gibt es allerdings auch eine bedeutende christliche Minderheit.

Abdulbari kündigte außerdem an, dass der Übertritt vom Islam zu anderen Religionen entkriminalisiert werde. Bisher konnte das Abfallen vom muslimischen Glauben im Sudan sogar mit dem Tode bestraft werden. “Niemand hat das Recht, irgendeine Person oder Gruppe als ungläubig zu bezeichnen”, betonte der Justizminister. Dies bedrohe “die Sicherheit der Gesellschaft und führt zu Rachemorden”.

Burhaniya-Moschee in Khartum, Sudan (AP Photo)

Der Islam ist im Sudan die deutlich dominierende Religion

Abdulbari gehört einer Übergangsregierung an, die nach dem Sturz des langjährigen autoritären Staatschefs Omar al-Baschir vor einem Jahr eingesetzt worden war. In der für drei Jahre geltenden Übergangsverfassung für das nordostafrikanische Land wurde die Definition des Sudans als islamischer Staat gestrichen.

Verbot von Beschneidungen

Bereits am Freitag war im Sudan die Genitalverstümmelung bei Mädchen und Frauen unter Strafe gestellt worden. Demnach können Menschen, die diesen Eingriff vornehmen, zu bis zu drei Jahren Gefängnis und einer Geldstrafe verurteilt werden. Verantwortlichen Krankenhäusern und anderen Einrichtungen droht die Schließung.

Die uralte Praxis untergrabe die Würde von Frauen, erklärte das Justizministerium in Khartum. Bei der extremsten Form werden Mädchen die Schamlippen und die Klitoris herausgeschnitten, oft ohne Betäubung und unter unhygienischen Umständen. Der Eingriff führt in der Regel zu physischen, psychischen und sexuellen Problemen – und im schlimmsten Fall sogar zum Tod.

wa/gri (afp)

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Pandemie verursacht Bildungsnotstand

Aufgrund der weltweiten Rezession fehlten den ärmsten Ländern der Erde in den kommenden 18 Monaten umgerechnet mindestens 77 Milliarden Dollar für Bildungsausgaben, heißt es in einem neuen Bericht von “Save the Childen”. Schlimmstenfalls könnte die Lücke bis Ende 2021 auf 192 Milliarden Dollar anwachsen, wenn etwa Geld aus den Bildungsetats in den Kampf gegen COVID-19 umgeleitet werde, befürchtet die internationale Nichtregierungsorganisation.

Durch Corona-bedingte Schulschließungen gingen dem Bericht zufolge zwischenzeitlich 1,6 Milliarden Kinder nicht zur Schule, aktuell liege die Zahl bei etwa einer Milliarde. Fast zehn Millionen Jungen und Mädchen würden wohl nie mehr in ihre Klassenzimmer zurückkehren, so die Analyse unter dem Titel “Save Our Education” (Sichert unsere Bildung). Schon vor der Pandemie waren rund 258 Millionen Kinder und Jugendliche ohne Schulunterricht gezählt worden. 

Teufelskreis aus Risiken

Die Auswirkungen der Schulschließungen sind laut “Save the Children” weitreichend: So verlören viele Kinder einen sicheren Aufenthaltsort, an dem sie mit Freunden spielen könnten, wo sie eine Mahlzeit bekämen und Zugang zu Gesundheitsdiensten hätten. Zudem falle eine wichtige Kontrollfunktion weg, denn oftmals seien es Lehrer, die es als Erste bemerkten, wenn ein Kind unter häuslicher Gewalt leide.

Die Pandemie verstärke zudem den Teufelskreis aus Risiken wie Kinderarbeit, geschlechtsspezifischer Gewalt und Teenager-Schwangerschaften. Diese Risiken erhöhten sich, je länger Kinder der Schule fernblieben.

Indien Kinder arbeiten in einer Ziegelfabrik in Deogarh (Imago/Robertharding)

Arbeit statt Schule: Kinder in einer Ziegelfabrik (Archiv)

Susanna Krüger, Chefin von “Save the Children” Deutschland, appellierte an Regierungen weltweit, dringend in Bildung investieren, statt Bildungsetats zu kürzen und dadurch die Kluft zwischen Arm und Reich, zwischen Mädchen und Jungen zu vergrößern. “Die Kinder, die schon jetzt am stärksten benachteiligt sind, erleiden die größten Rückschläge, denn sie haben keinen Zugang zu Fernunterricht oder andere Arten von Bildung”, betonte Krüger. 

wa/gri (kna, epd)

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Neue Corona-Ausgangssperre in Katalonien

In Katalonien im Nordosten Spaniens war die Zahl der Corona-Neuinfektionen zuletzt stark gestiegen – aus der Gegend um die Stadt Lleida (Lérida) hieß es gar, die örtlichen Krankenhäuser stünden kurz vor einer Überlastung. Das zwang die Behörden zum Handeln: Sie verhängten eine Ausgangssperre für Lleida und umliegende Gemeinden.

Ab Montagmorgen, 0 Uhr (Ortszeit), dürfen die Menschen dort ihre Häuser nur noch zur Arbeit, zum Einkaufen oder wegen dringender Angelegenheiten wie etwa Arztbesuche verlassen. Ansammlungen von mehr als zehn Personen wurden gänzlich untersagt.

Karte - Lleida, Spanien - DE

Lokale Corona-Ausbrüche

In ganz Katalonien, wo es auch in der Stadt L’Hospitalet de Llobregat bei Barcelona vermehrt neue Corona-Fälle gibt, wurden binnen 24 Stunden am Sonntag 816 neue Infektionen mit dem SARS-CoV-2-Virus registriert. Das waren mehr als doppelt so viele wie noch am Samstag. In den Krankenhäusern in der Gegend von Lleida würden inzwischen schon mehr als 100 COVID-19-Patienten behandelt, berichtete die Zeitung “La Vanguardia”.

Die Ausgangssperre für Lleida und Umgebung ist die erste derartige Maßnahme in Spanien seit dem Auslaufen des wegen der Corona-Pandemie verhängten landesweiten Ausnahmezustands am 21. Juni. Schon vor gut einer Woche war das Gebiet weitgehend von der Außenwelt abgeriegelt worden. Seither kontrolliert die Polizei die Zufahrtsstraßen.

Spanien Katalonien | Artikelbilder zu Rassismus und lockdown in Katalonien (DW/F. Barber)

Weiterfahrt nur mit triftigem Grund: Straßensperre bei Lleida

Mallorca folgt Katalonien

Katalonien ist eine der am dichtesten besiedelten Regionen Spaniens. Seit kurzem gilt in der Region eine Maskenpflicht auch im Freien. Die Balearen mit der beliebten Ferieninsel Mallorca folgen dem Beispiel an diesem Montag. Lediglich am Strand, am Pool sowie beim Sport muss dort weiterhin niemand einen Mund-Nasen-Schutz tragen.

Auf den Balearen gibt es vergleichsweise wenige Corona-Fälle. Für Empörung hatten jedoch zuletzt Bilder gesorgt, die Hunderte von Mallorca-Touristen beim Feiern unter Missachtung der Abstandsregeln und anderer Vorsichtsmaßnahmen zeigten.  

wa/gri (afp, dpa)

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Berlin und Corona: Das Ende der Party?

Die Pforte zum legendären “Berghain”, Sehnsuchtsort der internationalen Party-Community, ist inzwischen mit einem “Black-Lives-Matter”-Graffiti übersprüht. Nachdem im März Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci verkündete – “Es ist einfach nicht die Zeit für Partys!” – ging hier kein Gast mehr durch. Wohl bis Jahresende, sagt die Berliner Landesregierung, der Senat, wird sich daran nicht viel ändern. Anders als zum Beispiel Zürich hat Berlin die Verbote für Clubs bislang nicht gelockert.

Berlin wäre nicht Berlin, würde es nicht Leute geben, die trotzdem Party machen. “Meditanzion” nennt sich eine Gruppe, die Yoga-Meditation, Techno-Tanzen und eine “Wir-sind-alle-gleich”-Demo in einem Event auf die Straßen bringt. Die “Neo-Hippies” organisierten auch schon Abende direkt vorm Brandenburger Tor.

Deutschland Berlin | Coronavirus | Berghain, verwaist (DW/K.-A. Scholz)

Statement statt Schlangestehen: die Tür zum Club Berghain in Berlin ist geschlossen

Die sonstige Berliner Jugend flüchtet sich derweil in die weitläufigen Parks. Dort, auf den großen Wiesen, treffen sie sich inzwischen regelmäßig zum Tanzen. Die Polizei kommt oft vorbei, lässt in der Regel aber gewähren, ruft nur ab und an Mal zum Abstandhalten auf.

“Raven im Sitzen macht keinen Spaß”

Manche Clubs haben sogar trotz der Corona-Pandemie geöffnet – so halb zumindest. Wer eine Außenfläche hat, darf dort Getränke verkaufen. Tanzen aber ist verboten! Damit das nicht zu sehr an normale Biergärten erinnert, nennt zum Beispiel das beliebte “About blank” sein Freiluft-Areal “Sektgarten”.

Deutschland Partyhauptstadt | Meditanzion (DW/K.-A. Scholz)

“Meditanzion” auf dem Pariser Platz in der Mitte Berlins

Doch “Raven im Sitzen macht keinen Spaß”, sagt Dennis, im bürgerlichen Leben Barbier in einem edlen Laden unweit des Gendarmenmarkts. Feiern war für viele Jahre sein Hobby. Vielleicht ganz gut, dass sich etwas ändert, sagt er jetzt. Schon länger sei er gar nicht mehr gern feiern gegangen. “Die Musik, die Leute – alles war mittlerweile kommerziell und wenig kreativ.” Kurz vor dem Lockdown, erinnert er sich, habe er nach langer Zeit mal wieder in einen Club reingeschaut, dann aber nicht einmal mehr sein Bier ausgetrunken. “Die Musik war einfach schrecklich.”

Doch nicht nur die Kommerzialisierung nagte schon vor Corona an Berlins Party-Image – Verdrängung durch finanzstärkere Mieter ist ein weiteres Problem. Der weltbekannte Fetisch-Club “Kitkat” verkündete Ende 2019 sein Aus für den Standort in Mitte – er war nicht der erste, der weichen musste.

Wenig Party – schlecht für Berlin

Dass es der Party-Metropole schlecht geht, ist ein ökonomisches Problem für Berlin insgesamt. Seit der Jahrtausendwende warb Berlin mit dem Slogan “Arm aber sexy” und lockte so massenweise Touristen in die Stadt. Und nun? Bleibt am Ende nur “Arm – und nicht mehr sexy” übrig?

Im Juni stieg die Arbeitslosenquote um 2,7 Prozent – so viel wie in keinem anderen Bundesland. Nicht 80 oder 90 Prozent wie sonst, sondern 10 oder 20 Prozent beträgt die aktuelle Auslastung in den Hotels. Die Lage sei “katastrophal”, vermeldete der Hotel- und Gaststättenverband im Juni. In keiner anderen deutschen Großstadt war der Einbruch so stark.

Deutschland Friseur Dennis vor dem Gentlemen Circle in Berlin (DW/K.-A. Scholz)

Barbier Dennis hat genug vom Feiern

250 Clubs, 150 Millionen Umsatz, drei Millionen Touristen – beschreibt eine Studie des Senats die Dimension, worum es geht. Über viele Jahre lebte die 3,7-Millionen-Stadt recht gut vom Ruf der Party-Metropole. “Das beeinflusste auch Investitionen außerhalb des Tourismus”, sagt Stadtplaner und Publizist David Koser. “So dürfte bei der Ansiedlung der Tesla-Fabrik im Berliner Umland dieses Image eine Rolle gespielt haben – schließlich ist Berlin kein klassischer Automobil-Standort.”

Gastwirt Johannes aus Mitte befürchtet Schlimmes. Erst die Clubs, dann die Restaurants, Getränkeshops und anderen Orte der Vergnügungsindustrie. In der zweiten Jahreshälfte rechne er mit einer großen Pleite-Welle. Dazu passt eine Nachricht, die Ende Juni wie eine Bombe einschlug. Easyjet, die Airline, die wie keine andere für Party-Tourismus steht, halbiert seine Flotte in Berlin.

Gegen die Flaute stemmt sich eine frisch gegründete Gruppe von Club-Betreibern, Restaurantbesitzern und Kulturleuten. Sie nennen sich “One Berlin”. Vom Senat fordern sie Steuererleichterungen. Sie leite massive Existenz-Angst und große Sorge um das urbane Leben in Berlin, hieß es bei der Gründungsveranstaltung. Unter anderem fordern sie, mehr Partys auf öffentlichen Plätzen wie dem Alexanderplatz in der Mitte Berlins zuzulassen.

Ein Revival der Friedrichstraße?

Doch viele Menschen in Berlin finden die Party-Flaute ganz erholsam, wie immer wieder zu hören ist. Das hat einen Grund: Touristifizierung. “Der Party-Tourismus hat sich erheblich in der Stadtstruktur eigentlicher Wohnviertel niedergeschlagen”, sagt Koser, “mit einem hohen Anteil touristisch ausgerichteter Gastronomie, Spätverkaufsgeschäften, Ferienwohnungen und Hostels.” Mit dem Effekt einer “Verdrängung der ansässigen Wohnbevölkerung und des nicht-touristischen Gewerbes”. Anders als bei einer Gentrifizierung seien keine neuen bürgerlichen Viertel entstanden, sondern “rund und um die Uhr belebte Ausgehviertel”.

Vielleicht eröffne die Krise auch Wege, einiges neu zu ordnen. Wie die Chance, den Party-Tourismus aus den Wohnvierteln zu verlagern, sagt Koser. “Nämlich dort, wo er hingehört und nicht stört: in das Stadtzentrum – insbesondere in den Bereich der Friedrichstraße, der einst Berlins zentrales Vergnügungsviertel war”.

Berlin | Radfahrer und Fußgänger in der Hauptstadt (picture-alliance/W. Steinberg)

Was wird aus der Friedrichstraße?

In der Tat sucht die Friedrichstraße derzeit nach einer Zukunft. Aus dem Plan einer Luxus-Meile ist nichts geworden. Viele Geschäfte stehen leer. Ab August will der Senat den Autoverkehr sperren und testen, ob eine Fußgängerzone mehr Publikum bringt. Viele sind skeptisch.

“Ich sehe – sofern die Corona-Krise bewältigt wird – nicht das Ende der Party-Metropole Berlin”, meint Koser. “Das Bedürfnis nach Party in einem großstädtischem Ambiente ist nun Mal da.”

Zudem sei wohl das “innovative Potential” Berlins längst nicht ausgeschöpft. Selbst wenn die seit immerhin schon 30 Jahren prägende Techno-Kultur abflauen sollte. Schließlich sei es gerade in Berlin schon immer so gewesen, dass erst Leerstand Platz für kulturell Neues bot.

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