Alarmierende Abholzung am Amazonas

Der Regenwald in Brasilien ist der größte der Welt – doch er wird immer kleiner: Zwischen August 2019 und Juli 2020 wurden im Amazonasgebiet insgesamt 11.088 Quadratkilometer Dschungel zerstört, wie die brasilianische Weltraumbehörde Inpe auf Basis von Satellitenbildern mitteilte. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum stieg die Abholzung um 9,5 Prozent. Die gerodete Fläche ist größer als der Inselstaat Jamaika.

Der Regenwald am Amzonas gilt als “grüne Lunge” der Erde. Weil er immense Mengen CO2 binden kann, hat er auch für das Weltklima große Bedeutung.

“Rückwärtsgewandte Vision”

Brasiliens rechtsgerichteter Präsident Jair Bolsonaro sieht in der Region allerdings vor allem ungenutztes wirtschaftliches Potenzial und will noch mehr Flächen für Landwirtschaft, Bergbau und Energiegewinnung erschließen. Internationale Kritik an seiner Umweltpolitik verbittet er sich als Einmischung in innere Angelegenheiten.

Brasilien Brasilia | Jair Bolsonaro, Präsident

Jair Bolsonaro – seine Politik entsetzt Umweltschützer

“Die Entwicklungsvision der Bolsonaro-Regierung für das Amazonasgebiet führt uns zurück in die Vergangenheit, mit Entwaldungsraten, die seit 2008 nicht mehr erreicht wurden”, kritisierte Cristiane Mazzetti von der Umweltschutzorganisation Greenpeace. “Es handelt sich um eine rückwärtsgewandte Vision, die die meisten Brasilianer nicht anspricht und nicht den Anstrengungen gerecht wird, die zur Bewältigung der Klimakrise erforderlich sind.”

Aktivisten warnen schon länger, dass 2020 das zerstörerischste Jahr für brasilianischen Regenwald werden könnte. Sie machen dafür direkt Bolsonaro verantwortlich, dem sie auch eine Begünstigung illegaler Rodungen vorwerfen. 

wa/ml (afp, dpa, rtr)

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Aids in Afrika: Wegen Corona vor dem Comeback?

Einfach war Gilbert Tenes Job schon vor Corona nicht. Jetzt hat es der Aids-Arzt aus Kamerun noch schwerer: “Die Menschen wollen nicht mehr ins Krankenhaus kommen”, klagt er im DW-Interview. Mehr als die Hälfte der HIV-Infizierten, die in Behandlung sind, kommt aus Angst vor Corona nicht mehr zu den regelmäßigen Kontrolluntersuchungen. “Wir können ihnen keine Medikamente mehr geben, sie nicht mehr beraten, keine Tipps geben, wie sie sich schützen können”, sagt Tene.

Mit Medikamenten können HIV-Infizierte manchmal Jahrzehnte leben, ohne Aids zu bekommen. Doch ohne drohen fatale Folgen. Tenes südafrikanische Kollegin Zolelwa Sifumba sieht das jeden Tag: “Viele Menschen kommen nicht mehr zu den Kontrollen. Wenn sie kommen, ist es zu spät und sie sterben”, sagt Sifumba, die sich in der Provinz KwaZulu-Natal um HIV-Infizierte kümmert.

Fortschritte in Gefahr

Dabei hatte sich die Lage im östlichen und südlichen Afrika in den letzten Jahren verbessert. Die Region galt lange als weltweites Epizentrum, doch das ist vorbei. 2018 teilte die UN-Organisation UNAIDS mit, dass die Neuinfektionen innerhalb von sechs Jahren um ein Drittel gesunken seien. Die Todesfälle gingen sogar um mehr als 40 Prozent zurück. Im Gegensatz zu vielen anderen Weltregionen, sodass Aids wohl nicht wie geplant bis 2030 ausgerottet sein wird. “Die COVID-Epidemie drückt uns nun noch weiter von unseren Zielen weg”, sagt Winnie Byanyima, Direktorin der UN-Organisation UNAIDS. 

HIV AIDS in Afrika | Kenia Nairobi Infizierter mit Medikament

Für den kenianischen HIV-Patienten Gilbert bedeutet Corona eine zusätzliche Sorge

Wie weit, das haben ihre Experten ausgerechnet: Durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie könnten sich weltweit mehr als 290.000 Menschen zusätzlich anstecken – und 148.000 Menschen mehr an den Folgen der HIV-Infektion versterben.

Nicht nur, weil HIV-Infizierte Angst vor Krankenhäusern haben. “Daten zeigen, dass die Gewalt gegen Frauen und Mädchen gestiegen ist, während die Schulen geschlossen waren. Sexuelle Gewalt ist vor allem in Afrika einer der wichtigsten Ursachen für neue Infektionen”, sagt Byanyima. Auch lassen sich immer weniger Menschen auf HIV testen, seit die Corona-Pandemie ausgebrochen ist. Auch Schwangere. So wächst das Risiko, dass sie ihre ungeborenen Babys infizieren.

Ärzte im Alarmzustand

Gleichzeitig setzt Corona Afrikas Gesundheitssysteme unter Druck. Schon vor Beginn der Pandemie hatten viele Länder zu wenig Ärztinnen und Pflegepersonal. Die müssen nun nicht nur HIV-Infizierte und Aids-Patienten, sondern auch Corona-Fälle behandeln. Und schweben selbst in höchster Gefahr: “Durch mangelhafte Maßnahmen zur Vorbeugung von Ansteckungen und fehlende Schutzausrüstung infizieren sich viele Mitarbeiter im Gesundheitswesen und sterben, wodurch der Mangel immer größer wird”, sagt die südafrikanische Ärztin Sifumba.

HIV AIDS in Afrika | Lesotho

Dieses Plakat in Lesotho stellt einen Zusammenhang zwischen Seitensprung und HIV-Infektionsgefahr her

Afrikas Aids-Aktivisten fürchten noch eine andere Folge der Corona-Pandemie. “Wir bekommen weniger finanzielle Unterstützung”, sagt Awa Fany, die im HIV-Programm der Baptistischen Kirche Kameruns arbeitet, zur DW. “Die Geber konzentrieren sich mehr auf COVID-19. Wir fragen uns, wie wir unsere Ressourcen so einsetzen können, dass wir uns sowohl um HIV-positive Kinder und um Corona-Patienten kümmern können.”

Wenn das Geld knapp wird

Das Problem hat nicht nur die Baptistenkirche Kameruns. Auch der Globale Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria ist alarmiert. Der Fonds, 2002 als Partnerschaft zwischen Regierungen, Unternehmen und internationalen Organisationen gegründet, stellt nach eigenen Angaben rund 20 Prozent aller Mittel im Kampf gegen die Aids-Pandemie bereit. Seit diesem Jahr unterstützt der Fonds seine Partnerländer auch im Kampf gegen Corona.

HIV AIDS in Afrika | Simbabwe Harare Medikamente

Dieses Foto von HIV-Medikamenten für einen Patienten in Simbabwe wurde vor Beginn der Corona-Pandemie aufgenommen

Schwierig würde es aber, wenn sich Corona zu einer ähnlich langwierigen Bedrohung wie Aids entwickelt. “Mein Alptraum-Szenario ist, dass der Globale Fonds  auch [in Zukunft] für COVID zuständig sein wird, aber mit dem gleichen Budget wie heute. Das würde bedeuten, dass wir im Kampf gegen alle vier Krankheiten weniger Fortschritte machen und mehr Menschen sterben werden”, sagt Fonds-Direktor Peter Sands.

Damit liegt der Ball bei den Regierungen. Die entwicklungspolitische Organisation ONE schätzt den Mehrbedarf auf etwa 5 Milliarden US-Dollar (rund 4,1 Milliarden Euro), um die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Kampf gegen Aids abzuschwächen. Doch Regierungen überall auf der Welt sehen sich mit den wirtschaftlichen Folgen der Pandemie und wachsender Staatsverschuldung konfrontiert. Ob sie da mehr Geld für die Aids-Bekämpfung aufwenden können und wollen, ist längst nicht sicher.

Mitarbeit: Moki Kindzeka (Kamerun)

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Klimakrise: Portugiesische Jugendliche klagen Europa an

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) in Straßburg hat eine außergewöhnliche Klage von sechs jungen Portugiesinnen und Portugiesen angenommen: Sie werfen 33 europäischen Staaten vor, die Klimakrise verschärft zu haben und damit die Zukunft ihrer Generation zu gefährden. Sie erhoffen sich daraus, dass der EGMR sie zu wirksamen Maßnahmen gegen die Erderwärmung verpflichtet.

Neben den 27 EU-Mitgliedsstaaten handelt es sich um Norwegen, Großbritannien, Russland, die Türkei, die Schweiz und die Ukraine. Das Straßburger Gericht gibt den Regierungen nun bis Ende Februar Zeit, um sich zu den Vorwürfen zu äußern. Der EGMR teilte mit, wegen der Wichtigkeit und Dringlichkeit der aufgeworfenen Fragen werde man der Beschwerde Priorität einräumen.

Portugal Waldbrände

Bei den Waldbränden 2017 in Portugal waren 110 Menschen ums Leben gekommen

Angst vor krankem Planeten

Anlass der Aktion der sechs jungen Portugiesen aus Leiria und Lissabon waren die verheerenden Waldbrände von 2017 in ihrem Heimatland, bei denen 110 Menschen ums Leben kamen. “Es gibt mir viel Hoffnung zu wissen, dass die Richter im Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte die Dringlichkeit unseres Falles erkennen”, sagte der zwölfjährige André Oliveira. Er und seine Mitstreitenden werden vom Global Legal Action Network (GLAN) unterstützt. Die Nichtregierungsorganisation bezeichnete die Entscheidung des Gerichts als “wichtigen Schritt in Richtung eines möglichen wegweisenden Urteils zum Klimawandel”. Die meisten Klagen erreichten dieses Stadium erst gar nicht, weil sie vorher abgewiesen würden, hieß es.

Fridays For Future | Köln

Unter dem Slogan “Fridays For Future” kämpfen massenhaft Kinder und Jugendliche für Klimaschutz

“Ich habe große Angst davor, auf einem kranken Planeten leben zu müssen”, zitiert die Nachrichtenagentur dpa aus einem im September geführten Interview mit der achtjährigen Mariana Agostinho. Sie ist die jüngste Klägerin, die älteste ist 21.

Ziele für die nächsten 80 Jahre in weiter Ferne

Die internationale Gemeinschaft hatte sich 2015 in Paris zu Maßnahmen bekannt, die in ihrer Gänze dafür sorgen sollen, dass sich das Weltklima bis 2100 um höchstens 1,5 bis zwei Grad gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter erwärmt. Wissenschaftler warnen jedoch, die seitdem ergriffenen Maßnahmen reichten bei weitem nicht aus. Wenn sich nichts ändert, sagen Prognosen einen Anstieg der Durchschnittstemperaturen um drei Grad bis 2100 voraus. Jedes Jahr mit zu hohen Treibhausgasemissionen trägt außerdem dazu bei, dass später getroffene Maßnahmen umso strenger sein müssen.

Hurricane Iota Sturm Wetter Klimawandel

In der Karibik wüteten in diesem Jahr so viele Hurrikans, dass vorbereitete Namenslisten nicht ausreichten und durch griechische Buchstaben ergänzt werden mussten

2020 wird voraussichtlich das heißeste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen. Einige direkte Folgen der Erderwärmung wie das Schmelzen des Polareises und der damit verbundene Anstieg der Meeresspiegel bedrohen bereits heute die Lebensräume zahlloser Menschen und Tiere.

ehl/uh (dpa, afp)

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Welt-AIDS-Tag: "Warum lebe ich noch?"

“Zuerst wollte ich gar nicht wissen, ob ich HIV-positiv bin”, erinnert sich Gerhard Malcherek (Artikelbild). Die schlechte Nachricht überbrachte man ihm trotzdem.

Heute lebt Malcherek wie viele andere Rentner. “Im Alter zieht man schon mal eher aufs Land”, lacht er in seiner Wohnung in Köln-Sürth in den Hörer. Der 68-Jährige mag lange Spaziergänge mit seinem Hund, leistet ehrenamtliche Arbeit und verbringt Zeit mit seinem Partner.  

Dieses  geradezu idyllische Älterwerden genießen zu können, war für Malcherek keine Selbstverständlichkeit: 1986 – vor 34 Jahren – wurde bei ihm als einem der ersten Menschen in Köln das Humane Immundefizienz-Virus (HIV) diagnostiziert. Bis heute lebt Malcherek mit dem Virus, das so viele andere Leben gefordert hat.

Der junge Gerhard Malcherek in den 1980er Jahren in Köln

Der junge Gerhard Malcherek in der Zeit seiner HIV-Diagnose

Die Anfänge von HIV

HIV ist ein Virus, das die Immunabwehr des Körpers angreift. Infizierte werden so anfälliger für andere Infektionen und Krankheiten. Unbehandelt kann HIV zu der oft  tödlichen Krankheit führen: AIDS (Acquired Immune Deficiency Syndrome – Deutsch: Erworbenes Abwehrschwächesyndrom).

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) überleben AIDS-Kranke ohne medikamentöse Behandlung in der Regel rund drei Jahre.

Die Ursprünge der Epidemie sind unklar, aber identifiziert wurde sie erstmals 1981 in den USA unter schwulen Männern. Weil das Virus sich durch den Austausch von Körperflüssigkeiten verbreitet, sind schwule Männer, die ungeschützten analen oder oralen Geschlechtsverkehr haben, besonders gefährdet. Infizieren kann sich allerdings Jede und Jeder – unabhängig von der sexuellen Orientierung. Hohe Infektionsraten gibt es auch unter Drogenkonsumenten und Sexarbeiterinnen und -arbeitern.

Das Virus verbreitete sich schnell auf der ganzen Welt. Es entwickelte sich zu einer der schlimmsten Epidemien in der Menschheitsgeschichte. Die Folgen können ernst sein – und rasch eintreten. In den 1980er Jahren sei eine HIV-Diagnose “quasi ein Todesurteil” gewesen, erklärt Malcherek.

Ein junger Mann führt einen HIV-Heimtest durch. Man sieht eine Hand, eine Spritze und einen Tropfen Blut

Seit 2018 sind HIV-Selbsttests in Deutschland erhältlich

Das Virus kommt nach Köln

Vor der deutschen Wiedervereinigung war Köln das Herz der westdeutschen homosexuellen Szene. Er sei zu dieser Zeit einer von vielen Männern gewesen, bei denen das Virus diagnostiziert. Doch er habe sich dadurch nicht weniger einsam gefühlt, sagt Malcherek.

“Ich habe sechs Jahre lang gesagt: Ich will nicht mehr. Ich bin nicht mehr ´rausgegangen, war nur noch zu Hause. Zu dieser Zeit hatte ich einen Freund, aber wir hatten keinen Geschlechtsverkehr mehr. Wir lebten wie ein altes Ehepaar”, erinnert er sich.

Malcherek nahm das antivirale Medikament AZT, um das Virus in Schach zu halten. Eine Pille, die er alle vier Stunden nehmen musste, Tag und Nacht. “Es war einem ständig übel, man hatte immer so einen Eisengeschmack im Mund”, schaudert er noch heute.

Die körperliche Erschöpfung und andere Symptome waren das Eine. Das Andere: Malcherek war auch mit dem Stigma konfrontiert, mit dem noch heute HIV-positive Menschen zu kämpfen haben.

Malcharek verheimlicht teilweise seine Erkrankung. “Dann bin zur Deutschen Aidshilfe gegangen und habe gesagt: Was mache ich denn nur? Ich brauchte irgendwie Hilfe. Ich merkte, ich kam nicht weiter mit mir.” Bei der Organisation traf Malcherek andere Menschen mit einer HIV-Diagnose. Er lernte Techniken, wie er Menschen wie etwa seinen Arbeitgebern davon erzählen konnte – oder sichereren Sex haben.

13 Jahre lang arbeitete er ehrenamtlich als Vorstand der Aidshilfe in Köln, organisierte Veranstaltungen und Beratungen für Menschen, die mit der Diagnose lebten, besuchte Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen. In den 2000ern wurde ihm das Bundesverdienstkreuz verliehen.

Doch seine Freunde starben weiter. “Es sind unheimlich viele Leute gestorben in der Zeit”, sagt Malcherek – und erschaudert bei der Erinnerung. “Es war so weit, dass man sich die Frage stellte: Warum lebe ich noch? Es gibt noch zwei, drei Leute in Köln, die ich gut kenne, die auch noch leben und die sich irgendwann mal die gleiche Frage gestellt haben. Ich habe sie mir bis heute nicht beantwortet.”

HIV als Stigma

In Deutschland sind die Infektionsraten vergleichsweise niedrig. In einer im November veröffentlichten Schätzung geht das Robert-Koch-Institut von etwas mehr als 90.000 HIV-Infizierten in Deutschland aus. Demnach gab es im vergangenen Jahr 2600 neue Infektionen, etwas mehr als im Jahr davor.

In den 1980ern zögerten die konservativen Regierungen in den USA unter dem republikanischen Präsident Ronald Reagan und in Großbritannien unter der konservativen Premierministerin Margaret Thatcher zu Beginn der Epidemie schwulen Männern zu helfen. Sie machten den Lebensstil der Opfer für die Situation verantwortlich oder stellten die Krankheit als angebliche höhere Gewalt dar, mit der Homosexualität bestraft werden sollte.

Auch in Deutschland wurden einige HIV-Infizierte stigmatisiert. ”Es gab Leute, die einen angepöbelt haben oder Leute, die keine Wohnung bekommen haben”, sagt Malcherek. “Aber ich hatte solche Probleme nie.” 

Anlässlich des Welt-Aids-Tags 2020 haben die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), die Deutsche Aidshilfe und die Deutsche AIDS-Stiftung eine Kampagne gegen Stigmatisierung ins Leben gerufen. Die gibt es in Deutschland noch immer: Laut einer Umfrage im Auftrag des Verbands der Privaten Krankenversicherung (PKV) hätte fast jeder Fünfte in Deutschland Vorbehalte, sich mit einem HIV-positiven Menschen das Büro zu teilen.

Malcherek hatte Glück: Er hatte einen guten Job, bekam immer seine Medikamente. Als er in den frühen 1990ern sehr krank wurde, ging er in Rente – mit 40. Sein Chef sei sehr verständnisvoll gewesen, erzählt er. Malchereks Partner, der aus den USA kommt, ließ sich unter anderem wegen der besseren Gesundheitsversorgung für HIV-Positive in Deutschland nieder.

Keine Heilung, aber Prävention und Behandlung

Seit Malchereks Diagnose hat sich vieles verändert: HIV ist nicht mehr das Todesurteil, das es in den meisten westlichen Ländern einmal war, aber in Teilen Afrikas und anderen Entwicklungsländern noch sehr oft ist. Rund 38 Millionen Menschen weltweit leben mit ihr.

Zwar gibt es noch immer keine Heilung, aber heute kann eine HIV-Infektion mit Medikamenten behandelt werden. Mehr als 90 Prozent aller HIV-Positiven nehmen Medikamente, die das Virus erfolgreich unterdrücken und können so ein ganz normales Leben führen. Zudem sind in vielen Ländern Medikamente kostenfrei erhältlich, die eine HIV-Infektion verhindern, auch in Deutschland. Deren Einnahme wird als PrEP bezeichnet, kurz für Prä-Expositions-Prophylaxe.

PrEP - Medikamente zur Vorbeugung von HIV, eine blaue Pille in der Hand eines Patienten

Ein Medikament zur HIV-Vorbeugung (Prä-Expositions-Prophylaxe, kurz PrEP)

“Wenn ich das gehabt hätte, was die junge Generation jetzt hat, wäre mir Leid und Elend erspart worden”, sagt Malcherek. Er leidet unter einer schmerzhaften chronischen Nervenerkankung, die mit seiner HIV-Diagnose zusammenhängt.

Dennoch engagiert er sich weiterhin politisch und gesellschaftlich. Für die Verschwörungstheorien, die in diesem Jahr im Kontext der Corona-Pandemie verbreitet wurden, hat Malcherek wenig Verständnis.

Als jemand, der als Opfer eines schrecklichen Virus so viel Zeit in Krankenhäusern verbracht hat, fehlt ihm die Geduld für Menschen, die die Echtheit von Bildern aus Corona-Intensivstationen anzweifeln. “Man kann die Bilder ja sehen, die Krankenhäuser sind ja nicht umsonst überfüllt. Dass es dann immer noch Menschen gibt, die sagen, das ist alles fake, das ist Wahnsinn”, sagt Malcherek traurig. Die Menschen täten sich schwer, über Krankheiten zu sprechen, glaubt er.

“Aber ich bin daran gewöhnt.” Manchmal frage er sich, wie sein Leben ohne die Krankheit verlaufen wäre. ”Aber mein Leben ist gut gewesen.”

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Thailand: Anklagen gegen Monarchiegegner

In Thailand sind offenbar mindestens fünf führende Vertreter der pro-demokratischen Protestbewegung wegen Majestätsbeleidigung angeklagt worden. “Die Polizei beschuldigt uns des Verstoßes gegen Artikel 112″, sagte Arnon Nampa, einer der Köpfe der Bewegung nach einem Verhör auf einer Polizeiwache in der Hauptstadt Bangkok. Es sei ein ungerechtes Gesetz, dem er keine Reue beimesse. “Ich bin bereit, einen Rechtsstreit dazu auszutragen”, sagte Nampa.

Thailand Bangkok | Protestbewegung | Panupong Mike Jadnok

Die Aktivisten Panupong “Mike” Jadnok und Parit “Penguin” Chiwarak bei der improvisierten Pressekonferenz

Artikel 112 des thailändischen Strafgesetzbuchs gilt als eines der strengsten Verleumdungsgesetze der Welt, das faktisch jede Kritik am thailändischen Königshaus verbietet und unter bis zu 15 Jahre Gefängisstrafe stellt. Seit fast drei Jahren war der umstrittene Paragraph nicht mehr zur Anwendung gekommen.

Mit Gummienten gegen Wasserwerfer

Seit Juli halten Proteste gegen König Maha Vajiralongkorn die Hauptstadt in Atem, zunächst ohne juristische Konsequenzen. Allerdings griffen die Einsatzkräfte zunehmend auf Wasserwerfer und Tränengas zurück. Die aufblasbaren Gummi-Enten, mit denen sich die Demonstrierenden davor zu schützen versuchten, sind zum skurrilen Symbol der Proteste geworden.

BDTD Bangkok Pro Demokratie Demonstration

Enten und andere aufblasbarer Figuren sind bei den Protesten immer dabei

Zuletzt hatte sich die Situation zugespitzt: In der vergangenen Woche waren bei gewaltsamen Auseinandersetzungen mehr als 50 Menschen verletzt worden, davon sechs durch Schüsse. “Die Armee sollte uns Steuerzahlern dienen und nicht der Monarchie”, sagte ein Teilnehmer einer Demonstration am Wochenende der Nachrichtenagentur AFP. “Ihre Pflicht ist es, die Menschen zu beschützen.”

	Thailand König Maha Vajiralongkorn

König Maha Vajiralongkorn regiert seit vier Jahren Thailand

Die Bewegung fordert eine neue Verfassung, die Absetzung von Ministerpräsident Prayut Chan-O-Chan und eine Reform der Monarchie. In den Fokus geraten war auch das Vermögen des Königshauses, in das die Öffentlichkeit seit dem Amtsantritt von König Maha Vajiralongkorn 2016 kaum noch Einblick erhält. Er gilt als reichster Monarch der Welt, genießt jedoch weit weniger Rückhalt als sein vor vier Jahren verstorbener Vater Bhumibol.

König mit Vorliebe für Bayern

Der König verbringt einen großen Teil seiner Zeit in Bayern und hatte mit Aufenthalten in Luxushotels trotz eines Corona-bedingten Beherbergungsverbotes auch in Deutschland Aufsehen erregt. Einem Gutachten zufolge können deutsche Behörden wegen der Immunität des Königs dagegen wenig ausrichten. Seit Mitte Oktober hält er sich wieder in Bayern auf.

ehl/uh (afp, ap, rtr)

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