Notre-Dame-Brand belebt das Handwerk

“Notre-Dame brennt!” Als Guillaume Auzeray am 15. April diese Nachricht hörte, konnte er es kaum fassen. Noch während sie brannte, fuhr er zu der Pariser Hauptkathedrale, um das Unglück mit eigenen Augen zu sehen. Eine Stunde stand er stumm da und beobachtete, wie die Flammen das Jahrhunderte alte Gewölbe auffraßen.

“Es hat richtiggehend wehgetan, das mit ansehen zu müssen”, erinnert sich Auzeray. “Als wenn man jemandem beim Sterben zusieht.” Auzeray hatte sich dem Gebäude schon immer besonders verbunden gefühlt. Als Kind war er jedes Wochenende dort. Sein Lieblingsbuch ist “Der Glöckner von Notre-Dame” von Victor Hugo. “Mir fiel beim Anblick des Feuers spontan der altgriechische Begriff ‘Ananke’ ein, der auch bei Hugo eine große Rolle spielt und ‘Schicksal’ bedeutet”, so Auzeray.

Sprunghafter Anstieg der Lehrlingszahlen

Am nächsten Tag fasste er einen Beschluss. “Ich hatte sowieso schon lange mit dem Gedanken gespielt. Dann war das Feuer für mich der ausschlaggebende Grund, mich als Steinmetz zu bewerben”, sagt der 24-Jährige, der zu diesem Zeitpunkt eigentlich noch Kunstgeschichte studierte. “Notre-Dame ist Teil des großen französischen Architektur-Erbes. Und viele unserer alten Gebäude brauchen dringend eine Renovierung. Dazu möchte ich meinen Teil beitragen.”

Frankreich Paris | Guillaume Auzeray, Steinmetz-Lehrling (DW/L. Louis)

Guillaume Auzeray will Steinmetz werden

Auzeray gehört zu den insgesamt 100 Auszubildenden, die im September ihren Lehrgang als Steinmetz bei Les Compagnons du Devoir, der französischen Handwerkervereinigung, aufgenommen haben. Das seien zehn Prozent mehr als im vergangenen Jahr, sagt Elsa Fontanille, die Sprecherin der Organisation. “Das Feuer in Notre-Dame war für viele junge Leute ein Erweckungserlebnis”, fügt sie hinzu. Die Anzahl der Auszubildenden auch anderer Handwerksberufe, die für den Wiederaufbau der Kirche nötig sind, sei gestiegen – auf bis zu ein Fünftel verglichen mit 2018. Dazu zählen Dachdecker, Tischler und Maurer.

Knapper Zeitplan

Hunderte Handwerker werden benötigt, um Notre-Dame zu restaurieren. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron verspricht, dass die Arbeiten innerhalb von fünf Jahren abgeschlossen sein sollen. “Wir sind eine Nation der Baumeister und wir werden die Kathedrale noch viel schöner wieder aufbauen, als sie ohnehin schon war”, so Macron in einer Fernsehansprache kurz nach dem Unglück. Das Feuer hatte den Dachstuhl zerstört, die Außenmauern stark beschädigt und den Dachreiter zum Einsturz gebracht. Experten zweifeln allerdings an dem Fünf-Jahres-Ziel: Angesichts der Komplexität der Aufgabe müsse man eher zehn bis 15 Jahre veranschlagen.

Frankreich | Übung für Renovierung Notre Dame (AFP/Getty Images/E. Feferberg)

Auszubildende an der Compagnons du Devoir nahe Paris

Auf jeden Fall will die Regierung, dass auch Auszubildende beim Wiederaufbau dabei sind. Nur wenige Tage nach dem Brand startete sie ein Programm, um junge Leute in die betreffenden Berufe zu bringen. Dazu zählt die Einrichtung von Ausbildungszentren im ganzen Land. Die sogenannten Chantiers de France (Baustellen Frankreichs) werden an historische Stätten angeschlossen sein, die gerade renoviert werden. Die prominenteste wird direkt neben Notre-Dame eingerichtet. Die Auszubildenden werden dort für eine kurze Zeitspanne die Möglichkeit haben, ein Team von versierten Profis zu unterstützen.

Lernen im historischen Ambiente

Diese Möglichkeit hat auch Joseph Day gereizt. Der 16-Jährige hat als einer von 500 angehenden Tischlern dieses Jahr die Lehre begonnen. Auch für ihn war der Brand der Kathedrale der Auslöser. “Ich war richtig in Trauer wegen dieses Unglücks und habe sofort eine E-Mail an einen der Leiter der Handwerksorganisation geschickt, um mein Bedauern auszudrücken”, sagt er. Er wäre begeistert, wenn er beim Wiederaufbau von Notre-Dame helfen könnte: “Das wäre eine formidable Möglichkeit, mich fortzubilden.”

Frankreich | Renovierung Notre Dame (AFP/Getty Images/P. Lopez)

Die Renovierung von Notre-Dame könnte länger dauern als angedacht

Frederic Letoffe hofft, dass dieser Enthusiasmus auch andere ansteckt – und das langfristig, über Notre-Dame hinaus. Er ist stellvertretender Präsident der Groupement des Monuments Historiques. Dieser Vereinigung gehören 200 Unternehmen an, die sich auf die Renovierung historischer Bauten spezialisiert haben.

“Das Problem ist nicht, kurzfristig ein paar hundert Handwerker zu finden, die Notre-Dame wieder aufbauen. Das Problem ist eher ein genereller Mangel an Handwerkern. Das gefährdet die Zukunft der Branche”, klagt er. Die Berufe hätten einfach ein schlechtes Image in Frankreich. “Eine handwerkliche Ausbildung gilt als etwas für Leute, die es nicht an die Uni geschafft haben”, erklärt Letoffe.

Elsa Fontanille von Compagnons findet das widersprüchlich: “Einerseits empfinden die Menschen Bauwerke wie Notre-Dame als etwas Nobles – nicht aber die Berufe derer, die solche Gebäude bauen oder renovieren.” Tischler-Lehrling Day kann dem nur zustimmen: “Es ist doch toll, etwas mit den eigenen Händen zu machen. So eine Ausbildung ist genau das richtige für Leute, die keine Lust haben, ewig lang in die Schule zu gehen. Für Leute, die direkt ins Berufsleben starten wollen.”

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Ausschreitungen und Feuer in Migrantenlager

Bei den Krawallen in dem Flüchtlingscamp auf der Ägäisinsel wurden nach Berichten örtlicher Medien mindestens drei Menschen durch Messerstiche verletzt. Weitere Personen seien mit Atembeschwerden ins Krankenhaus gebracht worden. Bei den Ausschreitungen auf Samos setzte die Polizei demnach Tränengas ein, um die Randalierer auseinander zu treiben. Ausgelöst wurden die Krawalle laut lokalen Quellen durch Schlägereien zwischen Migranten aus Syrien und Afghanistan.

Zudem hätten Lagerbewohner in dem Camp mehrere Feuer gelegt, hieß es in örtlichen Medien, bestätigt ist das nicht. Daraufhin seien Hunderte Menschen in Panik geflohen und hätten in der Kleinstadt Vathy Zuflucht gesucht. Der Bürgermeister der Inselhauptstadt Vathy, Giorgos Stantzos, sagte dem Athener Nachrichtensender Skai, inzwischen sei das Migrantenlager evakuiert worden. Die Feuerwehr versucht den Großbrand zu löschen.

Griechenland Ausschreitungen in Migrantenlager auf Samos (AP Photo/M. Svarnias)

Polizisten fordern die Menschen zum Verlassen das Lagers auf

Im Lager von Vathy mit einer Aufnahmekapazität für 650 Menschen waren zuletzt mehr als 5700 Migranten registriert. Auch alle anderen Lager auf den Ägäisinseln sind restlos überfüllt. Auf Samos, Lesbos, Chios, Leros und Kos harren zurzeit knapp 30.000 Migranten aus. Das ist die höchste Zahl seit Inkrafttreten des EU-Türkei-Flüchtlingspaktes. 

Der im März 2016 geschlossene Flüchtlingspakt sieht vor, dass die Europäische Union alle Migranten, die illegal über die Türkei auf die griechischen Inseln kommen, zurückschicken kann. Die Bearbeitung der Asylanträge kommt allerdings bis heute nur schleppend voran.

Das Feuer in dem Lager auf Samos weckt bedrückende Erinnerungen. Ende September war bei einem Brand im Flüchtlingslager Moria auf der Insel Lesbos nach Behördenangaben ein Mensch ums Leben gekommen. Flüchtlinge im Camp sprachen von mehr Opfern.

qu/ie (dpa, ape)

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Probleme schon vor Wahlbeginn in Mosambik

Knapp 13 Millionen Menschen sind in Mosambik an diesem Dienstag aufgerufen, einen Präsidenten und die Abgeordneten von Nationalparlament und zehn Provinzparlamenten zu wählen. Kurz vor Beginn der Abstimmung warten aber offenbar noch tausende Wahlbeobachter auf ihre Zulassungen. Ein Sprecher der zivilgesellschaftlichen Organisationen im Land beklagte, rund 3000 der vorgesehenen Wahlbeobachter hätten bisher keine Akkreditierung erhalten.

Insgesamt sollen 19.000 nationale und mehr als 300 internationale Beobachter, darunter mehr als 150 Entsandte der EU-Wahlbeobachtermission, landesweit darüber wachen, ob die Wahlen korrekt ablaufen. Die Nationale Wahlkommission CNE hatte am Wochenende erklärt, die Vorbereitungen seien abgeschlossen. Polizisten würden am Wahltag in den mehr als 20.500 Wahlbüros für Sicherheit sorgen.

Befreiungsfront Frelimo – seit 44 Jahren an der Macht

Insgesamt treten 26 Parteien an, vier davon haben einen Kandidaten für die Präsidentschaft aufgestellt. Als Favorit gilt Amtsinhaber Filipe Jacinto Nyusi von der Regierungspartei Frelimo, die seit der Unabhängigkeit 1975 an der Macht ist. Allerdings hat der Ruf der Frelimo zuletzt unter einem Milliardenskandal um heimliche Schulden und Bestechungsgelder gelitten. Wichtigster Herausforderer des Amtsinhabers ist der Anführer der früheren Rebellengruppe und heutigen Oppositionspartei Renamo, Ossufo Momade.

Es sind die ersten Wahlen in Mosambik, seit die konkurrierenden politischen Lager im August ein endgültiges Friedensabkommen unterschrieben haben. Knapp 13 Millionen der fast 30 Millionen Bürger sind als Wähler registriert. Rund ein Viertel der Stimmberechtigten wählt zum ersten Mal.

Mosambik Präsidentschaftswahl 2019 | 3000 Wahlbeobachter nicht zugelassen (AP Photo/F. Momade)

Im Wahlkampf dominant – die Frelimo

Der Wahlkampf war überschattet von tödlichen Unfällen und blutigen Auseinandersetzungen zwischen Gefolgsleuten der verschiedenen Parteien. Während des Wahlkampfs kam es laut Menschenrechtlern zu Schikane und Gewalt gegen Journalisten und Aktivisten, vergangene Woche wurde in der Provinz Gaza ein leitender Wahlbeobachter erschossen, mutmaßlich von Spezialkräften der Polizei. Außerdem wurden immer wieder Manipulationsvorwürfe laut, die sich gegen das Registrierungsprozedere in den Frelimo-Hochburgen richteten.

Das Land im Südosten Afrikas gehört zu den ärmsten der Welt. Im Frühjahr wurde es von gleich zwei Wirbelstürmen schwer getroffen und teilweise verwüstet. Das Durchschnittseinkommen der Mosambikaner liegt unterhalb von umgerechnet 400 Euro.

qu/ie (dpa, epd)

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Doppelt benachteiligt: Frauen auf dem Land

“Das Land hier gehörte meinen verstorbenen Eltern. Als ich gelernt habe, die Kaffeepflanzen zu züchten, habe ich diese Baumschule als Unternehmen aufgezogen.”

In einem Video der Welternährungsorganisation FAO erzählt Betty Ndugga(Bild) im Luwero-Distrikt in Uganda ihre Geschichte. Als ihr Mann starb, hat sie mit ihren Kindern die Stadt verlassen und ist in das Dorf ihrer Eltern gezogen, hat dort das Land übernommen.

Statistisch gesehen wären Betty Ndugga und ihre Kinder damit in die Armut gerutscht. Mehr als drei von vier Menschen, die in extremer Armut leben, leben auf dem Land. Dabei sind die Frauen doppelt benachteiligt: Sie haben noch weniger Zugang zu Bildung, Krediten oder Landrechten als Männer.

In einer FAO-Schulung hat Betty Ndugga gelernt Kaffeepflanzen zu züchten. Ihre Pflanzen sind resistent gegen die gefürchtete Kaffeewelke, eine Krankheit, die lange als fast ausgerottet galt, sich jedoch heute wieder rasant ausbreitet und bereits Millionen von Bäumen vernichtet hat.

Betty Ndugga hat mittlerweile 30 Angestellte, die in der Gärtnerei arbeiten, viele von ihnen sind Frauen. Die Pflanzen werden an lokale Kaffeebauern verkauft, aber auch durch die ugandische Kaffee-Behörde UCDA (Uganda Coffee Development Authority) angeboten.

Kaffee ist der größte Exportartikel Ugandas, doch mit zunehmender Erderwärmung und unregelmäßigen Niederschlägen als Folge des Klimawandels, nehmen auch die Kaffeekrankheiten zu. Rund 3,5 Millionen Menschen leben in Uganda von der Kaffeeproduktion, 85 Prozent von ihnen sind Kleinbauern mit Parzellen zwischen einem halben und zweieinhalb Hektar. Das ganze Land ist von der Kaffeeproduktion so abhängig wie Deutschland von der Autoindustrie.

Frauen ernähren die Welt

Weltweit sind es die kleinen Landwirtschaftsbetriebe, die einen Großteil der Nahrungsmittel anbauen. Mehr als 2,5 Milliarden Menschen arbeiten in der kleinbäuerlichen Produktion, fast die Hälfte davon sind Frauen.

Bäuerin in Uganda (DW)

Frauen ernähren die Welt – wie diese Bäuerin im nördlichen Uganda

“In Südasien und in Afrika südlich der Sahara ist jeder zweite Mensch in der Landwirtschaft eine Frau. Im Globalen Süden sind es die Frauen, die zwischen 60 und 80 Prozent der Nahrungsmittel produzieren. Und das obwohl sie meist weniger Ressourcen zur Verfügung haben als Männer.”

Fraser Patterson von der Deutschen Welthungerhilfe ist verantwortlich für den jährlichen Welthungerindex. Er sieht die Ursachen für den Anstieg des weltweiten Hungers in den vergangenen Jahren vor allem in bewaffneten Konflikten und im Klimawandel.

Beide Faktoren treffen Frauen besonders hart. Im Krieg, in den Flüchtlingslagern und auf der Flucht sind sie Opfer von Gewalt. Rund die Hälfte der Landbevölkerung sind Frauen, die besonders unter zunehmenden Dürren, Überflutungen, klimabedingten Pflanzen- und Tierkrankheiten und anderen Folgen des Klimawandels leiden. Die kleinbäuerlichen Betriebe haben keine Ressourcen, um Naturkatastrophen und Ernteausfälle zu überwinden oder in neue Anbaumethoden zu investieren. Die Frauen sind auch die ersten, die steigende Lebensmittelpreise spüren:

“Frauen sind nicht nur für die Produktion von Nahrungsmitteln verantwortlich, sondern auch dafür, wie sie in der Familie verteilt werden”, betont Patterson. “Sie sind für das Kochen und für die Ernährung der Kinder zuständig.”

Deutsche Welthungerhilfe in Sarwan, Indien (DW/H. Jeppesen)

Frauen sind auch in der Familie oft verantwortlich für die Ernährung

In den meisten Fällen sieht die Reihenfolge beim Essen so aus: Erst die Männer, dann die Jungen, danach die Mädchen und zum Schluss die Frauen.

Hungerbekämpfung durch Empowerment

Dabei, so Patterson, zeigen die Erfahrungen, dass es bei der Bekämpfung von Hunger und extremer Armut auf dem Land vor allem auf die Frauen ankommt:

“Es gibt Statistiken, die zeigen, dass wenn Frauen den gleichen Zugang zu Landrechten, zu Darlehen, zu Märkten und zur Bildung haben wie Männer, dann steigt die Produktion um 20 bis 30 Prozent.”

Die Welternährungsorganisation FAO schätzt, dass rund 150 Millionen Menschen weniger hungern würden, wenn Frauen in Entwicklungsländern die gleiche Unterstützung und Möglichkeiten hätten wie Männer. Aktuell geht die FAO davon aus, dass mehr als 820 Millionen Menschen weltweit hungern.

Frauen Spargenossenschaft in Sarwan, Indien (DW)

Mit einer Spargenossenschaft nehmen Frauen das Schicksal in die eigene Hand (Foto: Sarwan, Indien)

Die Empfehlung der FAO: Frauen und benachteiligten Bevölkerungsgruppen auf dem Land Zugang zu Landrechten, Bildung und Kleinkrediten geben. Damit es mehr Frauen gibt wie Betty Ndugga in Uganda, die nicht nur die eigene Familie mit ihrer Baumschule ernährt, sondern auch 30 andere Menschen im Dorf. Die Methode hat sich auch in ihren Projekten bewährt, sagt Fraser Patterson von der Welthungerhilfe:

“Wir sehen, wie kleinbäuerliche Betriebe sich an den Klimawandel anpassen können, zum Beispiel indem sie mehrere unterschiedliche Produkte anbauen, oder indem sie Zugang zu verlässlichen Wetterberichten haben.”

Allerdings sind die Investitionen in die kleinbäuerliche Landwirtschaft generell gering – egal ob für Frauen oder Männer. Laut einer Studie der Entwicklungsorganisation Oxfam sind weniger als fünf Prozent der internationalen Klima-Anpassungshilfen für Kleinbauern vorgesehen.

 

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Heftige Proteste in Barcelona

Vor zwei Jahren stimmten die Katalanen trotz eines Justizverbots über eine Abspaltung ihrer Region von Spanien ab. Nun ist klar: Der Großteil der separatistischen Führungsriege muss wegen “Aufruhrs” viele Jahre ins Gefängnis. Nach der Urteilsverkündung gab es deshalb rund um Barcelona heftige Proteste. Auf der Plaça de Catalunya versammelten sich am Montag Tausende Unterstützer der Separatisten. Andere aufgebrachte Unabhängigkeitsbefürworter blockierten Straßen und Gleise in der Hauptstadt Kataloniens.

Spanien Heftige Proteste in Barcelona nach Urteilen gegen Katalanen-Anführer (Imago-Images/ZUMAPress/J. Boixareu)

Protestler ziehen durch Barcelonas Straßen

Bei Demonstrationen am Flughafen El Prat kam es zu Auseinandersetzungen mit der Polizei. Auf Bildern ist zu sehen, wie Sicherheitskräfte Schlagstöcke gegen Kundgebungsteilnehmer einsetzen und Demonstranten am Boden festhalten. Hunderte Protestierende hatten die Sicherheitskräfte zuvor mit Steinen und Mülleimern beworfen, wie ein Journalist der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Nach Angaben des Flughafenbetreibers wurden etwa 20 Flüge gestrichen. Rettungskräften zufolge wurden mehrere Menschen leicht verletzt.

Aktivisten hatten bereits im Vorfeld für den Fall einer Verurteilung eine Kampagne des “zivilen Ungehorsams” angekündigt. Die Zentralregierung verstärkte daraufhin die Polizeipräsenz in der Region. Auch in den nächsten Tagen werden zahlreiche weitere Kundgebungen und Proteste erwartet. 

Spanien Heftige Proteste in Barcelona nach Urteilen gegen Katalanen-Anführer (AP-Photo/E. Morenatti)

Am Flughafen kam es zu Zusammenstößen mit der Polizei

Freiheitsentzug wegen Aufruhrs

In einem ebenso historischen wie umstrittenen Prozess vor dem Obersten Gericht in Madrid waren am Montag neun katalanische Separatistenführer zu Haftstrafen zwischen 9 und 13 Jahren verurteilt worden. Gegen drei weitere Angeklagte wurden Geldstrafen in Höhe von 60.000 Euro verhängt.

In dem Verfahren ging es um die Rolle der Angeklagten bei dem von der Justiz verbotenen Unabhängigkeitsreferendum vom 1. Oktober 2017 und einem daraus resultierenden Unabhängigkeitsbeschluss der Regionalregierung. Die Separatisten wurden des “Aufruhrs” für schuldig befunden, von einer Verurteilung wegen des von der Staatsanwaltschaft eingebrachten Vorwurfs der Rebellion, der mit Gefängnisstrafen von bis zu 25 Jahren geahndet wird, sahen die sieben zuständigen Richter ab. Allerdings wurden einige der Politiker auch wegen Veruntreuung öffentlicher Gelder schuldig gesprochen.

Der frühere stellvertretende Regionalpräsident Oriol Junqueras erhielt als Hauptangeklagter die Höchststrafe von 13 Jahren. Genau wie acht seiner Mitstreiter sitzt er bereits seit zwei Jahren in Untersuchungshaft. Ex-Parlamentspräsidentin Carme Forcadell muss elfeinhalb Jahre ins Gefängnis.

Puigdemont erneut international gesucht

Der damalige Regionalpräsident Carles Puigdemont stand nicht vor Gericht: Er war im Herbst 2017 zusammen mit anderen Politikern vor einer Festnahme ins Exil nach Belgien geflohen. Bei einem öffentlichen Auftritt bezeichnete Puigdemont nun die Urteile als “unmenschlich”. Jegliche Reaktion darauf müsse aber “demokratisch und gewaltlos sein”. Die spanischen Justizbehörden haben derweil am Montag einen zeitweise zurückgezogenen internationalen Haftbefehl gegen ihn wieder aktiviert, um ihm doch noch in Spanien den Prozess zu machen.

Belgien Carles Puigdemont (AFP)

Puigdemont gab in Brüssel eine Pressekonferenz

Puigdemonts Nachfolger im Amt des Regionalpräsidenten, Quim Torra, kritisierte den Freiheitsentzug der Separatisten ebenfalls: “Die Regionalregierung und ich lehnen diese Urteile als ungerecht und undemokratisch ab.” Man werde weiter auf eine katalanische Republik hinarbeiten. Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez forderte dagegen, die unabhängige Arbeit der Justiz anzuerkennen und die Urteile zu respektieren: “Niemand steht über dem Gesetz.” Das Ende des Verfahrens öffne eine “neue Phase” für das Zusammenleben und den Dialog in der Krisenregion. Wie die Spitzen anderer großer Parteien sprach er von einem “vorbildlichen Gerichtsverfahren”.

Das Urteil kommt im Vorfeld vorgezogener Neuwahlen in Spanien. Weil nach der Wahl im April auch in monatelangen Verhandlungen keine Regierungsbildung möglich war, hatte der amtierende sozialistische Regierungschef Sánchez diese für den 10. November ausgerufen. Es ist die vierte derartige Abstimmung in vier Jahren. Inwieweit die Gerichtsentscheidung die Parlamentsneuwahl beeinflussen wird, ist noch unklar.

ie/qu (afp, dpa, ap)

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Booker Prize geht an Atwood und Evaristo

In diesem Jahr werden ausnahmsweise gleich zwei Schriftstellerinnen mit dem Booker Prize ausgezeichnet, wie die Jury in London mitteilte. Die Britin Bernardine Evaristo wird für ihr Buch “Girl, Woman, Other” ausgezeichnet. Die Kanadierin Margaret Atwood bekommt den Preis für den Roman “The Testaments”.

UK Bernardine Evaristo (picture-alliance/Photoshot)

… Bernardine Evaristo

In den vergangenen Jahren hieß der Preis “Man Booker Prize”. Im Januar gab das Investment-Unternehmen Man Group jedoch seinen Rückzug als Sponsor bekannt. Der Booker Prize gilt als der wichtigste Literaturpreis Großbritanniens. Er ist mit 50.000 Pfund (rund 57.000 Euro) dotiert. Die beiden Gewinnerinnen teilen sich das Preisgeld. Ausgezeichnet werden Autoren, die auf Englisch schreiben und deren Werke in Großbritannien erscheinen. Im vergangenen Jahr ging die Auszeichnung an die nordirische Schriftstellerin Anna Burns. Sie wurde für ihren Roman “Milkman” geehrt, in dem es um die Erfahrungen einer jungen Frau in den Jahren des Nordirlandkonflikts geht.

Der Preis wird seit 1969 vergeben und war bis 2013 Autoren aus dem britischen Commonwealth und Irland vorbehalten, deren Romane in Großbritannien veröffentlicht wurden. Seit 2014 sind auch Autoren aus anderen englischsprachigen Ländern zugelassen.

Neben dem Booker Prize gibt es noch den Booker International Prize. Ausgezeichnet werden damit Romane aus der ganzen Welt, die ins Englische übersetzt wurden. 

qu/ie (dpa, rtr, ape)

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