Religionsunterricht – gerade jetzt

Wo ist Religion?

Das Telefon steht nicht still.

Es ist erster Schultag nach den Sommerferien, und im kirchlichen Schulamt, in dem wir für den evangelischen Religionsunterricht verantwortlich sind, fragen Eltern und Lehrer*innen:

 Warum steht auf dem Stundenplan kein Religionsunterricht? Soll nicht alles unterrichtet werden?

Ich frage nach und erfahre: einzelne Schulleitungen haben entschieden, den Religionsunterricht auszusetzen. Gegen geltendes Recht. Dahinter steht eine große Verunsicherung bei den Schulen. Denn Religionsgruppen setzen sich oft aus Schüler*innen mehrerer Klassen zusammen. „Dürfen wir Schüler*innen überhaupt mischen?“ fragen Schulleitungen deshalb im Gespräch mit mir zurück. „Und ist das Infektionsrisiko da nicht höher?“

 

Rückkehr zum Regelbetrieb

Infektionsrisiko. Dieses Wort hat die Diskussionen in den letzten Wochen bestimmt, gerade auch in der Schule. Das Risiko zur Infektion mit Corona prägt alles.

Mit großer Anspannung war der Neustart der Schulen nach den Sommerferien erwartet worden. Intensiv wurde in den Wochen zuvor darüber diskutiert. Verschiedene Modelle wurden durchgespielt und wieder verworfen. Weiterhin Distanzunterricht, Präsenzunterricht nur in den Hauptfächern, alternierende Modelle. Kurz vor Ende der großen Ferien kam dann die entscheidende Ankündigung: die Schulen kehren zum Regelbetrieb zurück. Unterrichtet wird nach dem normalen Stundenplan.

 

Was genau gilt?

Dazu haben die Kultusbehörden besondere Schutzkonzepte erlassen. Mediziner und Virologen wurden zu Rate gezogen. Und am Ende steht ein Katalog mit vielen Regeln: Masken-Regeln, Abstands-Regeln, Gruppen-Regeln, Pausenhof-Regeln, Aufsichts-Regeln, Raum-Regeln, Wege-Regeln, individuelle und lokale Regeln. Für Schulleitungen, für Lehrer*innen und für Schüler*innen ist es nicht leicht da immer durchzublicken und zu wissen, was genau gerade gilt.

 

Große Ängste – wenige Fälle

Klar ist, dass eine große Verunsicherung herrscht. Viele Menschen haben Ängste. Das kann ich gut verstehen. Gerade in den Schulen kommen viele Menschen zusammen. Hier sind klare Regeln und gute Hygienekonzepte wichtig. Und die gibt es auch. Der Schulstart unter Corona-Bedingungen ist gut gelungen. Es gibt einige Fälle von Infektionen, aber es sind nur einige wenige, bei Hundertausenden von Schüler*innen und Schülern. Und alle Betroffenen gehen damit verantwortungsbewusst um: zum Teil bleiben ganze Schulen zuhause, wenn es nötig ist. Aber einen längeren Lockdown gibt es nirgends.   

Deutlich ist auch: im Religionsunterricht gibt es kein höheres Risiko als im sonstigen Unterricht. Insbesondere dann nicht, wenn die Hygienevorschriften beachtet werden: Abstandhalten, Hände desinfizieren, Masken tragen, wenn nötig.

 

Religionsunterricht gibt Halt

Die Schülerinnen und Schüler freuen sich auf Reli! berichtet eine Religionslehrerin. In einer Arbeitsgruppe tauschen wir uns über die Erfahrungen der ersten Schulwochen aus. Die Lehrer*innen sind froh, ihr Fach wieder unterrichten zu können. „Der Religionsunterricht stärkt und ermutigt gerade in diesen schwierigen und wechselvollen Zeiten.“

Das erleben auch die Schüler*innen. Im Religionsunterricht haben sie den Ort über all das zu reden, was sie im Lockdown erlebt haben. Viele Nerven lagen blank. In Familien konnte man sich nicht aus dem Weg gehen. Konflikte brachen auf. Und nicht immer wurde nur mit Worten gestritten. Dazu kommt eine wirtschaftlich angespannte Situation. Manche haben weniger Geld, in vielen Familien sinkt das Einkommen oder die Arbeit fällt einfach aus. Nicht wenige Jobs werden gestrichen.

Gerade in dieser unsicheren, krisenreichen Zeit ist der Religionsunterricht wichtig. Er löst nicht alle Probleme, die Corona mit sich bringt. Aber: der Religionsunterricht gibt Raum, sich mit diesen Problemen zu beschäftigen. Hier können Schüler*innen das mit anderen teilen, was sie bewegt und belastet. Sie beschäftigen sich mit dem, was den Menschen der Bibel widerfahren ist. Sie treffen auf Lehrer*innen, bei denen nicht nur die Vermittlung von Wissen und Lernstoff im Mittelpunkt steht, sondern ihr Leben, mit allen Höhepunkten und Tiefpunkten. Und Schüler*innen können im Religionsunterricht erfahren, dass es möglich ist, gestärkt aus Krisen wie der jetzigen hervorzugehen.

 

Jan Schäfer

Geboren 1965 in Siegen und aufgewachsen in Koblenz.

Nach dem Studium in Mainz, Marburg und Bonn arbeitete er seit 1996 als Pfarrer im Taunus, in den USA und in Frankfurt/Main.

Jan Schäfer ist Pfarrer und leitet seit 2016 als Schulamtsdirektor im Kirchendienst eines von fünf Schulämtern der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau.

Jan Schäfer ist verheiratet.

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Gefahr niedriger Blutdruck: Was kann ich dagegen tun?

Wenn Sie niedrigen Blutdruck haben, können Ihnen diese Tipps vermutlich helfen. 

  • Trinken Sie genügend – etwa zwei bis drei Liter pro Tag, besonders im Sommer. So kann das Blut besser fließen und unser Blut transportiert schließlich wichtige Nährstoffe zu den einzelnen Organen. 
  • Bei Durchfall oder Erbrechen verliert der Körper sehr viel Flüssigkeit – also extra viel trinken, damit der Körper die Speicher wieder auffüllen kann. 
  • Haben Sie zu hohen Blutdruck und nehmen dagegen Medikamente ein? Vielleicht sind Sie nicht richtig eingestellt und Ihr Blutdruck wird zu stark abgesenkt. In diesem Fall sollten Sie auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen. 
  • Bewegung tut gut und kurbelt den Blutdruck an. Mit einigen wenigen gezielten Übungen können Sie schon morgens anfangen. Im Bett die Beine anwinkeln und wieder strecken oder auf die Bettkante setzen und Füße und Beine bewegen. Das Ganze mehrmals wiederholen. 
  • Nicht nur heiß duschen, sondern Wechselduschen, warm und kalt im Wechsel. Das ist ein gutes Training für die Gefäße und sorgt ebenfalls dafür, dass der Blutdruck ansteigt. 
  • Die bekannte Tasse Kaffee am Morgen sollte nicht fehlen. Tee tut es aber auch. 

Wichtig: Die Tipps nicht nur ab und zu beherzigen, sondern täglich. 

Sollte all das nicht helfen, sollten Sie auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen. 

Wodurch entsteht niedriger Blutdruck? 

Für nahezu alles gibt es Idealwerte auch für unseren Blutdruck, bei dem es zwei Werte gibt: Der systolische Wert - der obere Wert – sollte bei 120 mmHg (Millimeter Quecksilbersäule) liegen. Dabei pumpt unser Herzmuskel Blut in unseren Organismus. Der diastolische Wert - der untere Wert – hingegen misst den Druck, der auf unsere Gefäße wirkt, wenn der Herzmuskel erschlafft. Dieser Wert ist niedriger als der systolische. Der Normwert liegt hier bei 80 mmHg. 

Sind diese Werte um ein Vielfaches niedriger sprechen Ärzte von Hypotonie – nicht zu verwechseln mit Hypertonie – dem Bluthochdruck. Hypotonie beginnt bei Männern ab einem Wert von unter 110mmHg, bei Frauen bei unter 100mmHg. Das ist zwar nicht unbedingt lebensgefährlich, kann aber zu vielfältigen Beschwerden führen.

Clevere Steuerung

Eine typische Art von niedrigem Blutdruck ist die orthostatische Hypotonie. Dabei fällt der Blutdruck innerhalb kürzester Zeit um mehr als 20mmHg. Unser Körper hat ein System, mit dem er unseren Blutdruck steuert. Das geschieht über sogenannte Barorezeptoren. Sie registrieren, wie weit unsere Gefäße gedehnt sind. Bei Bluthochdruck sind sie weit gedehnt, bei niedrigem Blutdruck nicht. Die Rezeptoren senden diese Informationen an unser Stammhirn. Das wiederum sorgt dafür, dass unser Körper den Druck reguliert.

Eine Frau erleidet einen Schwindelanfall (Colourbox/Nikolai Lev4enko)

Menschen mit niedrigem Blutdruck leiden oftmals an Kopfschmerzen

“Wenn man aufsteht, muss der Körper den Blutdruck für den Kopf ja sozusagen nachliefern”, erklärt der Kardiologe Thomas Meinertz von der Deutschen Herzstiftung. “Niedriger Blutdruck ist eine funktionelle Störung, die unangenehm sein kann, die aber per se nicht lebensbedrohlich ist. Wer unter niedrigem Blutdruck leidet, muss sich vor allem nach dem Wechsel vom Liegen zum Stehen oft erst einmal einen kurzen Moment festhalten, bis sich der Blutdruck wieder stabilisiert hat.”  

Bis zum Umfallen

Schlimme Symptome für Menschen mit niedrigem Blutdruck sind Ohrensausen, das Gefühl, benommen zu sein und vor allem Schwindel.  Viele haben nach einem raschen Positionswechsel große Probleme. Das können Ärzte mit einem Kipptisch gewissermaßen nachstellen.

Mit dieser Methode können sie mehr darüber erfahren, wie ein schneller Abfall des Blutdrucks abläuft und wie der Körper dabei reagiert. So können sie auch besser beurteilen, ob und wie sich der Blutdruck anpasst. Der Test mit dem Kipptisch sehe ziemlich gruselig aus, findet Meinertz. “Die Patienten werden auf dem Kipptisch angeschnallt und dann ganz schnell vom Liegen zum Stehen gebracht, also von der waagerechten in die senkrechte Position.”

Symbolbild: Schwindel. Die Umwelt dreht sich im Kreis. (Colourbox)

Hypotoniker leiden oft unter Schwindelanfällen

Der Test soll auch dabei helfen, immer wieder auftretende Synkopen, also plötzliche Bewusstlosigkeit, besser zu verstehen. Im Vorfeld zu einer solchen Synkope kann es bei einigen zu gefährlichen Schwindelanfällen kommen. “Ist das der Fall muss sich diese Person sofort hinsetzen oder hinlegen, egal wo”, rät Meinertz.

Sonst könne es zu schweren Stürzen kommen. Das kann dann besonders auf der Straße oder beim Autofahren gefährlich werden. Zu wissen, dass es jederzeit zu einer Synkope kommen kann, ist für Menschen mit Hypotonie meist ein regelrechter Alptraum. Aber es gibt viele weitere Symptome, die auf niedrigen Blutdruck hinweisen.

Ein Arzt misst bei einer Patientin den Blutdruck (picture-alliance/dpa/C. Klose)

Der Blutdruck ist für den Arzt ein wichtiger diagnostischer Wert.

Ein Symptom kommt selten allein

Am schlimmsten ist die Situation für die meisten am Morgen. Menschen mit niedrigem Blutdruck fühlen sich dann matt und alles andere als ausgeschlafen. Das liegt daran, dass unser Körper gerade morgens eine gute Durchblutung braucht, um die ersten Schritte zu machen. Bei Menschen mit niedrigem Blutdruck aber zirkuliert morgens nicht genügend Blut durch den Körper, das ihn mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen soll.

“Ich empfehle diesen Patienten immer, schon im Bett mit isometrischen Übungenzu beginnen”, sagt Meinertz. Dazu können Sie beispielsweise einen kleinen Expander benutzen. Diese Übungen, bei denen die Muskeln angespannt werden, bringen auch den Blutdruck nach oben.” 

Bei einigen verbessert sich die Situation während des Tages, bei manchen aber nur geringfügig oder auch gar nicht. Dann kann es zu Kopfschmerzen kommen, denn natürlich muss auch unser Gehirn mit ausreichend Sauerstoff versorgt werden, um optimal zu funktionieren. Kalte Füße und kalte Hände sind ebenfalls eine Folge und gar keine Seltenheit. 

Niedriger Blutdruck kann aber auch ein Warnzeichen für eine ernsthafte Erkrankung sein. Dazu gehören etwa Herzmuskelschwäche oder Herzinsuffizienz, die den niedrigen Blutdruck auslösen können.

Grafik des menschlichen Herzens (picture-alliance/dpa)

Niedriger Blutdruck kann ein Hinweis auf eine Herzmuskelschwäche sein

Autonome Dysfunktion

Eine gefährliche Art von Blutniederdruck ist die autonome Dysfunktion, früher bekannt als Shy-Drager-Syndrom. ”Dieses Syndrom kommt durch eine Schädigung oder eine Störung bestimmter Hirnkerne zustande”, erklärt Meinertz. Dann könne niedriger Blutdruck gefährlich werden. Bei Menschen, die darunter leiden, kann der Körper den Blutdruck nicht beeinflussen und selbst regulieren. Aber das sei eine ganz seltene Erkrankung. “Das kann so weit gehen, dass diese Leute das Bett nicht mehr verlassen können, weil im Stehen der Blutdruck so massiv abfällt.”

Patienten mit Parkinson haben häufig eine solche, gestörte Blutdruckregulation. “Morbus Parkinson betrifft das Gehirn. Der Blutdruck schwankt bei Menschen mit Parkinson oft sehr stark.” Erkennen können Mediziner das anhand einer Langzeit-Blutdruckmessung.

Proteine (Lewy Körper) lagern sich bei der Parkinson-Krankheit in Hirnzellen ab (Imago Images/Science Photo Library)

Geschädigte Hirnzelle: Die autonome Dysfunktion gehört zu den Parkinson-Plus-Syndromen

Die autonome Dysfunktion ist eine Störung des vegetativen Nervensystems und zeigt Bewegungsstörungen wie sie bei einer Parkinson-Erkrankung auftreten. Sie zählen deshalb auch zu den sogenannten Parkinson-Plus-Syndromen. Forscher haben zudem herausgefunden, dass es eine Verbindung von niedrigem Blutdruck und Depressionen gibt. Die meisten Mediziner stufen niedrigen Blutdruck als generell ungefährlich ein. Für diejenigen aber, die darunter leiden, kann Hypotonie ihr Leben stark beeinträchtigen. 

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Das Wasserstoff-Flugzeug nimmt Gestalt an

Wie eine Revolution der Luftfahrt sieht der neueste Flugzeugentwurf von Airbus nicht aus, der da zu sphärischer Musik am wolkenlosen Himmel schwebt. Bei genauerem Hinsehen fällt auf, dass sich im hinteren Drittel des Rumpfes der Airbus-Flugzeugstudie keine Fenster befinden. Oben auf dem Leitwerk prangt ein kurzer Fortsatz, der eher wie eine Antenne wirkt. Diese Charakteristika geben Aufschluss darüber, dass es sich hier tatsächlich um eine womöglich bahnbrechende Neuheit handelt.

“Im hinteren Drittel des Rumpfes hinter dem Druckschott der Kabine befindet sich der Wasserstofftank, und der Fortsatz oben am Leitwerk dient zum Ablassen von Gas im Falle eines Lecks”, erklärte Airbus-Technologiechefin Grazia Vittadini jetzt bei der Vorstellung der ersten Entwürfe von zukunftsweisenden Flugzeugen mit Wasserstoffantrieb. Das Ziel ist ehrgeizig: Bis 2035 will Airbus das weltweit erste emissionsfreie Verkehrsflugzeug herausbringen.

“Historischer Moment”

Dazu hat der europäische Hersteller drei verschiedene Konzepte, von denen eines umgesetzt werden soll, darunter der eher konventionell aussehende Jet. Airbus will sich unter starkem Druck der Politik vor allem aus Frankreich und Deutschland an die Spitze der Transformation setzen, um für die Luftfahrt die Abkehr von fossilen Brennstoffen und damit die Dekarbonisierung voranzutreiben. Deutschland hat bereits eine eigene Wasserstoff-Strategie entwickelt, Frankreich kündigte zu Monatsbeginn an, langfristig sieben Milliarden Euro in die Wasserstofftechnik zu investieren. Da passt der Vorstoß von Airbus genau ins Bild.

Airbus Konzeptflugzeug AirbusZEROe Turbofan Concept (Airbus 2020/IIVS)

Eine von drei Varianten: Das Turbofan-Konzept (Computeranimation)

“Dies ist ein historischer Moment für die gesamte kommerzielle Luftfahrt”, so Airbus-Chef Guillaume Faury über seine “kühne Vision”. Technologiechefin Vittadini betont, diese “spannenden Konzepte sind auch dazu gedacht, zukünftige Generationen von Ingenieuren zu inspirieren.”

Keine neue Idee

Die Idee, Wasserstoff statt Kerosin als Energiequelle für Flugzeugtriebwerke zu nutzen ist nicht neu, aber sie ist immer noch schwer umzusetzen. Daher fehlte es bis heute an alltagstauglichen und wirtschaftlich zu betreibenden Flugzeugkonzepten. Denn Wasserstoff ist nicht pflegeleicht: Er weist zwar gegenüber Kerosin die dreifach höhere Energiedichte – ein großer Vorzug gegenüber Batterien – und wiegt nur ein Drittel soviel, benötigt aber bis zu viermal mehr Volumen als gängiger Treibstoff. Und Platz ist an Bord von Flugzeugen nun mal notorisch knapp und kostbar.

Außerdem, und das macht es besonders anspruchsvoll, ist Wasserstoff ein sogenannter kryogener Treibstoff: Ein Gas, das erst bei minus 253 Grad Celsius flüssig und unter hohem Druck komprimiert für Antriebe nutzbar wird. Was wiederum einen doppelwandigen, zylindrischen oder kugelförmigen Tank erfordert. Bereits 1988 brachten Ingenieure in der damaligen Sowjetunion eine umgebaute Version ihres dreistrahligen Passagierjets Tupolew TU-154 heraus, das Testflugzeug nannten sie TU-155, dessen rechtes Triebwerk mit Wasserstoff betrieben wurde. Wasserstoff lässt sich auf verschiedene Arten für Flugzeuge nutzen: Zur direkten Verbrennung in umgerüsteten Gasturbinen, durch Brennstoffzellen umgewandelt in elektrische Energie oder man produziert damit in Kombination mit CO2 synthetisches Kerosin.

Airbus Konzeptflugzeug AirbusZEROe Turboprop Concept 2 (Airbus 2020/IIVS)

Die Turboprop-Version des Konzeptflugzeuges in der Computeranimation

Nicht für Transatlantikflüge

“Wir müssen das Flugzeug um diese Bedingungen herum neu gestalten”, weiß Grazia Vittadini. Daran versucht sich Airbus jetzt gleich mit einem Trio an Vorschlägen. Dem eingangs beschriebenen sogenannten Turbofan-Design, das 120 bis 200 Passagiere über Strecken von etwa 3700 Kilometer befördern soll, also keine Langstrecken oder Transkontinentalflüge in Amerika schafft, aber alle innereuropäischen Routen. Das Konzept fällt etwas kleiner aus als das aktuelle Basismodell A320neo, das etwa bei Lufthansa fliegt, erreicht aber mit gut 800 km/h auch Wasserstoff-getrieben die gleiche Geschwindigkeit.

Zweiter Entwurf ist ein Turboprop-Flugzeug mit Propellerantrieb für bis zu hundert Passagiere auf Kurzstrecken, das mit gut 600 km/h rund hundert Stundenkilometer schneller wäre als heutige Turboprops. Beide Entwürfe sind von modifizierten Gasturbinen angetrieben, ergänzt durch einen Hybrid-Elektromotor gespeist aus Brennstoffzellen, und bewusst konventionell gehalten. “Wir müssen dafür nicht in komplett neue Technologien investieren”, erklärt Airbus-Chef Faury.

Ein disruptives Konzept gibt es auch – ein Wasserstoff-getriebener Nurflügler, den sogenannten Blended Wing Body. Hier formen Flügel und Rumpf einen durchgehenden aerodynamischen Körper. Diese Konfiguration, zuletzt etwa von KLM und der TU Delft mit ihrem Flying V-Konzept vorgestellt, gilt ohnehin als zukunftsträchtig. “Der Nurflügler ist aerodynamisch das vorteilhafteste Modell zur Integration der Wasserstofftanks”, so Grazia Vittadini gegenüber DW. “Aber das heißt nicht, dass das bei den anderen Parametern ebenfalls die optimale Lösung ist.”

KLM Flying V (KLM)

Computeranimation des Flying V Modells von KLM und der TU Delft

Nicht gänzlich emissionsfrei

Die Airbus-Initiative stößt auch in der Wissenschaft auf Zuspruch. “Die Welt ist reif dafür und Airbus hat die Gunst der Stunde genutzt”, sagt Dragan Kozulovic, Professor für Flugtriebwerke an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW) zu DW. Dass die Studien gänzlich ohne Kerosin auskämen sei bemerkenswert, die geplante Markteinführung bis 2035 durchaus realistisch.

Kozulovic hält dabei die Realisierung des Entwurfs des Wasserstoff-getriebenen Turboprop-Flugzeugs für am wahrscheinlichsten. Entscheidend für den Erfolg sei aber, dass die dafür die am Boden nötige Infrastruktur für die kommerzielle Nutzung von Wasserstoff geschaffen werde, von der Produktion über die Lagerung bis zur Betankung, “das ist eine Mammutaufgabe”.

Wasserstoff ist dabei nur dann nachhaltig, wenn er durch grünen Strom etwa aus Sonnen- oder Windenergie hergestellt wird. Der Professor wehrt sich aber gegen die Etikettierung der ZEROe genannten Airbus-Konzepte als “emissionsfrei”. Denn auch ohne CO2-Erzeugung entstehe durch Wasserstoffverbrennung weiterhin Wasserdampf als Emission, Auslöser von klimarelevanten Kondensstreifen am Himmel. Auch Stickoxide würden weiter freigesetzt. “Diese Flugzeuge wären deutlich besser, aber nicht emissionsfrei”, erklärt Dragan Kozulovic.

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Geschichte in Serie: Die Wendezeit bei Netflix und Amazon

Es geht weiter – und rasant auf das Ende zu. Seit 2015 kämpft Jonas Nay alias Martin Rauch als Agent wider Willen mit dem unaufhaltsamen Ende der DDR und seiner opportunistischen Tante Lenora, die von der gerade mit dem Emmy prämierten Maria Schrader verkörpert wird.

Pünktlich zum 30. Jubiläum der Wiedervereinigung startet die Streamingplattform Amazon Prime ab dem 25. September mit “Deutschland 89″ die Fortsetzung der Staffeln “83″ und “86“. Erneut sind also drei Jahre vergangen, in denen die DDR ihre Devisenprobleme nicht hat lösen können. So viel ist vorab mit Blick auf das Jahr klar: Martin Rauch steuert auf sein letztes deutsch-deutsches Abenteuer zu.

Fiktive Stoffe, die in ein historisch reales Setting eingebettet werden, haben sich in den vergangenen Jahren etabliert und als Verkaufsschlager bewährt. Fast beiläufig vermittelt die historische Fiktion auf unterhaltsame Weise auch geschichtliche Zusammenhänge. Serien wie “Babylon Berlin” vor der Kulisse der zerbrechenden Weimarer Republik oder die im Ostberlin der 1980er Jahre verortete Serie “Weissensee” feiern national wie international große Erfolge.

Film Die Getriebenen mit Imogen Kogge als Angela Merkel, umringt von Journalisten (ARD/rbb/Volker Roloff)

Doku-Fiktion: “Die Getriebenen” rekonstruierte die Stunden vor der Entscheidung, Flüchtlinge aus Ungarn in Deutschland aufzunehmen.

Geschichte binnen Sekunden

Die filmische Darstellung kann beim Zuschauer binnen Sekunden Bilder einer vergangenen Epoche erzeugen, durch Kulissen, Kleidung und Mimik unmittelbar eine Atmosphäre schaffen, die in Buchform der Fantasie überlassen bleibt und historisch weniger präzise sein kann.

Auch auf dem US-Markt gibt es zahlreiche entsprechende Formate, die Eindrücke aus Zeiten des Kalten Krieges (“The Americans”) oder Amerikas Kampf gegen den Terror (“Homeland”) wiedergeben. Gut recherchiert, verbinden die Formate fiktive Charaktere als Projektionsfläche der Zuschauer mit real-historischen Entscheidungsprozessen: Während sich die politische Situation zuspitzt, müssen die Protagonisten individuelle Entscheidungen treffen.

Dafür muss man in der Geschichte gar nicht weit zurückgehen: Der ARD-Film “Die Getriebenen” nach der gleichnamigen Buchvorlage rekonstruierte ebenso wie der ZDF-Film “Stunden der Entscheidung” die Entwicklung vor Angela Merkels Entschluss, im September 2015 Flüchtlinge aus Ungarn aufzunehmen. Das Problem am Mischformat der Doku-Fiktion: Sie scheint einen Blick hinter die Kulissen zu geben, vermengt aber Fakten mit Interpretation – und spitzt zu.

Fernsehserie Titelbild: Rohwedder - Einigskeit und Mord und Freiheit (Netflix)

Die Netflix-Reihe “Rohwedder” lässt Zeitzeugen über die Ermordung des Treuhandchefs Detlev Rohwedder zu Wort kommen.

Klingt spannend: True Crime

Je realer das Format, desto größer der Anspruch auf Genauigkeit. Ebenfalls ab dem 25. September veröffentlicht Netflix mit seiner ersten deutschen Doku-Produktion einen Beitrag zur deutsch-deutschen Geschichte der Wendezeit. Die vierteilige Reihe “Rohwedder – Einigkeit und Mord und Freiheit” verhandelt die bis heute nicht aufgeklärte Ermordung des damaligen Treuhandchefs Detlev Rohwedder. Aufgabe der Treuhandanstalt war es, die volkseigenen Betriebe der DDR in die Marktwirtschaft zu überführen.

Weil auch das klassische Doku-Format heute gern unterhaltende Elemente bieten darf, wird die Produktion mit einem Spannung versprechenden Prädikat beworben: “True Crime”. Der Vorspann erinnert tatsächlich eher an die Krimiserie “4 Blocks” als an altbackene Doku-Formate. Die rekonstruierten Spielszenen, die sich mit Zeitzeugen-Interviews abwechseln, wirken dagegen wie die filmisch nachgestellten Szenen ungeklärter Kriminalfälle in der Fahndungssendung “Aktenzeichen XY… ungelöst”.

In “Rohwedder” greifen die Autoren die undurchsichtige Gemengelage auf: Die dritte Generation der RAF hatte sich 1991 angeblich zu der Tat bekannt, allerdings gibt es bis heute Zweifel an ihrer Täterschaft. Aufgrund der militärisch präzisen Ausführung verbreitete sich auch die These, dass über den Zusammenbruch der DDR hinaus intakte Seilschaften der Stasi das Attentat verübten, womöglich weil Rohwedder dem von der Stasi versteckten Vermögen auf der Spur war.

Ermittler vor Wandprojektion (Netflix)

Ein BKA-Ermittler steht in in der Netflix-Doku “Rohwedder” vor einem vermeintlichen Bekennerschreiben der RAF

Zutaten eines Thrillers

Das Format lebt von den mysteriösen Umständen – Terroristen oder ein Geheimdienst, das sind Zutaten eines Thrillers. Auch die westdeutsche Politik und das Kapital waren an den wirtschaftlichen Überbleibseln der DDR interessiert, während Rohwedder für die rund 15.000 vor der Pleite stehenden Unternehmen einen Sanierungsansatz verfolgte. Nach seinem Tod wurden sie privatisiert und dienten Investoren als lukrative Kapitalanlage.

Je realer das Format, desto größer auch der Anspruch auf Konfrontation: Starke Vorwürfe, Detlev Rohwedder sei trotz einer hohen Gefährdungslage nicht ausreichend geschützt worden, werden erhoben. Protagonisten, die dafür in Politik wie in den Behörden Verantwortung trugen, werden dazu aber nicht befragt.

Mit “Rohwedder” geht Netflix ein gewisses Risiko ein: Wird dieser Fall auf internationales Interesse stoßen, wie es bei den Eigenproduktionen eigentlich Voraussetzung ist? Amazon scheint mit dem fiktiven Stoff dagegen auf der sicheren Seite zu stehen: “Deutschland 83″ erhielt den International Emmy Award als beste Dramaserie.

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Spahn lehnt bundesweite Maskenpflicht im Freien ab

Sollte auf stark besuchten Plätzen und Straßen eine Maskenpflicht gelten? In der Münchner Altstadt rund um den zentralen Marienplatz gehört die Maske zum Einkaufsbummel im Freien bereits dazu. Die bayerische Landeshauptstadt hatte in der letzten Woche schärfere Regeln zur Bekämpfung der Corona-Pandemie in Kraft gesetzt, weil die Sieben-Tages-Inzidenz nach Daten des Landes-Gesundheitsamtes auf 51 stieg. Der Schwellenwert liegt in Deutschland bei 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner binnen einer Woche.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) lehnt dagegen eine bundesweite Verschärfung der Maskenpflicht nach Münchner Vorbild ab. Eine Verpflichtung zum Maskentragen auf öffentlichen Plätzen könne “lokal, regional, nach dem Infektionsgeschehen” beschlossen werden, sagte Spahn in der ARD-Nachrichtensendung “Tagesthemen”.

Schild mit Piktogramm Maskenpflicht am Biergarten Viktualienmarkt München (Ralph Peters/Imago Images)

Der Viktualienmarkt in München: Hier müssen Mund und Nase seit letzter Woche bedeckt gehalten werden

Entscheidend sei, was die Quelle für erhöhte Infektionszahlen sei, sagte Spahn. So seien andere Maßnahmen nötig, wenn ein größerer Infektionsausbruch seine Ursache beispielsweise in einem Unternehmen wie seinerzeit beim Fleischkonzern Tönnies im Kreis Gütersloh habe. Gegen eine bundesweite Verschärfung der Maskenpflicht spreche auch, dass die Infektionszahlen beispielsweise in Brandenburg oder Mecklenburg-Vorpommern auch jetzt noch deutlich geringer seien als etwa in Bayern oder Nordrhein-Westfalen, so Spahn.

Laschet bringt Corona-Ampel ins Gespräch 

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet schlug unterdessen vor, eine andere Art der Risikobewertung einzuführen. Man dürfe nicht nur auf die Infektionszahlen schauen, so Laschet. 

“Wir brauchen für ganz Deutschland ein standardisiertes Corona-Monitoring, das die Pandemieentwicklung kommunenscharf abbildet”, sagte Laschet. Er stellte sich damit hinter den Vorschlag seines Corona-Expertenrats, der sich für ein Ampel-System ausspricht. Als Beispiel nennt der Rat Österreich.

Dort wird die Infektionslage in jeder Region von einer Expertenkommission wöchentlich neu bewertet. Die Kriterien sind nicht nur – wie bei der Corona-Obergrenze in Deutschland – die Fallzahlen der letzten sieben Tage. Zusätzlich spielen beim österreichischen Modell auch noch die Auslastung der Krankenhäuser, das Verhältnis durchgeführter Tests zur Anzahl der positiven Nachweise und die Nachverfolgbarkeit der Ansteckungskette eine Rolle.

mir/fab (afp, dpa, rtr)

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Meinung: Globaler Klimastreik – Nichtstun ist keine Option

Als ich kürzlich an einem Schaufenster vorbeikam, fiel mir ein riesiges Foto einer jungen Frau auf, die unsicher lächelte. Unter ihr standen in meterhohen Buchstaben die Worte “Die Zukunft ist rosig”. Eine gewagte Aussage. Doch dem schrillen Schriftzug zum Trotz – der Gesichtsausdruck des Modells schien eine andere Geschichte zu erzählen.

Vielleicht wusste sie, dass sie für eine Unwahrheit posierte. Denn den Horizont ihrer Zukunft erleuchten dieser Tage die lodernden Klimafeuer in Kalifornien. Es ist eine Zukunft, in der Temperaturen weiter steigen und die Eiskappen weiter schmelzen, während fossile Brennstoffe gefördert und verbrannt werden, als ob wir es nicht besser wüssten; eine Zukunft voller Katastrophen, in der Dürre und Überschwemmungen das Zepter schwingen und Wirbelstürme die Küsten zerschmettern, während Politiker dies mit einem Achselzucken abtun.

Ein Feuerwehrmann geht auf einer Straße entlang an der brennende Auto-Wracks und verkohlte Bäume unter einer dichten Ascheschicht liegen

Laut Wissenschaftlern hat die anhaltende Dürre in den USA und Australien weite Landstriche dort extrem anfällig für Brände gemacht

Solche Realitäten, eine so verheerende Entkopplung zwischen unserer Zukunft und dem Leben, wie wir es bisher kennen, sind der Kern des heute stattfindenden globalen Klimastreiks. Organisiert von der internationalen Klimabewegung “Fridays for Future” (FFF), ist der Streik eine weitere Forderung nach ehrgeizigen Zielen und Maßnahmen beim Klimaschutz, ein weiterer Versuch, diese eigentlich so einfache Wahrheit zu verinnerlichen: Wir haben nur einen Planeten. 

Zwischen Rekordtemperaturen und Waldrodung

Mehr als zwei Jahre sind vergangen, seit FFF-Gründerin Greta Thunberg das erste Mal - damals noch alleine - vor dem schwedischen Parlament protestierte. Und gerade einmal ein Jahr ist vergangen, seit sich um sie herum eine Schulstreikbewegung in 150 Ländern formiert hat, die mindestens sechs Millionen Menschen mobilisierte, um ernst gemeinten Klimaschutz einzufordern.

In dieser Zeit ist viel passiert. Temperaturrekorde wurden gemessen, Sibirien, Australien, die USA – alle haben mit beispiellosen Feuern zu kämpfen, die in Zusammenhang mit der Erderwärmung stehen. Gletscher sind weiter geschrumpft, Zyklone in Afrika haben mehr als tausend Todesopfer gefordert und Landwirte in weiten Teilen Europas haben die Folgen langer Dürreperioden zu spüren bekommen. Währenddessen geht die Entwaldung im Amazonasgebiet weiter, US-Präsident Donald Trump gab grünes Licht für die Erschließung von Öl- und Gasvorkommen in Alaskas Naturschutzgebiet und Deutschland plant, sich erst 2038 von der Kohle-Verstromung zu verabschieden. 

Tamsin Walker

DW-Redakteurin Tamsin Walker

Während dieser ganzen Zeit haben FFF-Aktivisten die führenden Politiker der Welt zum Handeln gedrängt. Vielleicht weniger sichtbar, da die Pandemie sie zwang, online zu protestieren, anstatt sich in Massen zu versammeln - aber sie haben weiter Druck ausgeübt. Allein in den vergangenen Wochen und Monaten traf sich Thunberg mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Bundeskanzlerin Angela Merkel. Und schon vor der Pandemie scheuten weder sie noch andere FFF-Mitglieder sich davor, bei hochrangigen Veranstaltungen überall auf der Welt den Staats- und Industriechefs harte Wahrheiten ins Gesicht zu sagen.

Auch Chinas neue Klimaziele werden den Planeten nicht retten 

Solche Treffen und Auftritte werden gerne als Publicity-Shows abgetan. Dennoch haben Städte und Regierungen der Reihe nach den Klima-Notstandausgerufen, sogar das EU-Parlament. Und Anfang dieses Monats verkündete von der Leyen, die 2019 den European Green Deal auf den Weg gebracht hatte, die EU werde ihre CO2-Emissionen bis 2030 um mindestens 55 Prozent verringern.  

Diese Woche dann kündigte China – der größte CO2-Emmittent der Welt – Pläne an, bis 2060 klimaneutral werden zu wollen. Dieses Datum liegt schmerzhaft weit weg und wird den Temperaturanstieg nicht unter 1,5 Grad Celsius halten können, dennoch ist es ein bedeutender Schritt auf dem globalen Klimapfad. 

Natürlich, es ist unwahrscheinlich, dass Politiker zugeben würden, sich in ihren Entscheidungen von den Klimastreiks beeinflussen zu lassen. Doch die Fridays-for-Future-Bewegung lässt sich schwer ignorieren und hat großen Zulauf. So gibt es mittlerweile diverse Untergruppen und Unterstützer, von den Grandparents- über die Teachers- bis zu den Scientists-for-Future. Und so ist es andersrum nur schwer vorstellbar, dass die politisch Verantwortlichen von der Hartnäckigkeit der Protestierenden gänzlich unbeeindruckt bleiben. 

Die Wiese vor dem Bundestag liegt voller Plakate mit Aufrufen für mehr Klimaschutz

Während der Pandemie haben die Aktivisten von Fridays for Future andere Wege gefunden, um ihre Botschaft zu vermitteln – online und durch das Sammeln von Plakaten, die vor dem Reichstag in Berlin ausgelegt wurden

Der weltweite Streik an diesem Freitag wird sich in seiner Größe wie auch der Euphorie von dem im Spätsommer vergangenen Jahres unterscheiden. Er wird auf die COVID-19-Beschränkungen jedes Standorts zugeschnitten, aber nicht weniger entschlossen sein. Wie die FFF-Bewegung selbst sagt, wird sie so lange protestieren, wie der Raubbau an der Natur weitergeht. Bis die Klimakrise überwunden ist.

Damit es dazu kommt, braucht es mutiges, zielgerichtetes Vorgehen auf politischer und regulatorischer Ebene. Dazu müssen Politiker auf der ganzen Welt ebenso hartnäckig sein und handeln wie die Jugendlichen, die zum heutigen Streik aufgerufen haben. Wenn unsere Regierungs-, Staats- und Industriechefs ihrem Beispiel folgen würden, würde die Zukunft in einem neuen Licht leuchten. Vielleicht nicht unbedingt in einem rosigen, aber in einem Licht, das eines echten Lächelns würdig wäre.

Adaption: Tim Schauenberg

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