Wie Falco zum Weltstar wurde

Wenigen Popstars ist es gelungen, schon zu Lebzeiten zur Ikone zu werden. Der Österreicher Falco hat es geschafft. Johann “Hans” Hölzel schuf mit seinem Alter Ego Falco eine Kunstfigur, die bis heute unverwechselbar ist. Zurückgegeltes Haar, ein Anzug, eine Pilotensonnenbrille. Ein geschniegelter Geck, der gegen den Mainstream verstieß. So wurde er ein Weltstar, eroberte alle wichtigen Charts- auch in den USA.

Genau so schnell stürzte er ab, machte aus seinem Drogenkonsum keinen Hehl. Beziehungen waren nicht von langer Dauer – und besonders zu schaffen machte ihm, dass seine angebliche Tochter gar nicht von ihm war. Im Privatleben lief also auch nichts mehr rund. Mit seiner Mutter hatte er sich in den 1990ern schließlich in die Dominikanische Republik zurückgezogen, die seine Wahlheimat wurde.

Falcos Tod – ein Mythos?

Am frühen Morgen des 6. Februar 1998 starb er dort bei einem Autounfall. Ob es Selbstmord aus Liebeskummer war, mutmaßten Fans. Augenzeugen der fraglichen Nacht und enge Bekannte berichten, dass es ihm tatsächlich sehr schlecht ging. Obwohl er mittlerweile wohl längst clean gewesen sei, habe er sich in jener Schicksalsnacht zugedröhnt.

Nach Falcos Tod erschien die Platte “Out of the Dark”. Er hatte sie noch zu Lebzeiten in der Karibik verfasst, aber einige Songs davon nie veröffentlicht. In dem Titelsong gibt es eine Textzeile, die viele Fans und auch Verschwörungstheoretiker zu dem Schluss brachten, dass der Zusammenstoß mit dem Bus Absicht gewesen sei: “Muss ich denn sterben, um zu leben?”

Filmdoku über Falco

Falcos langjähriger Weggefährte, der Filmemacher Rudi Dolezal, hat nun eine Doku veröffentlicht, die die letzten Jahre seines Lebens zum Thema haben. Der Titel: “Falco – Die ultimative Doku zum 60. Geburtstag”. Interviews, Original-Töne, Filmschnipsel und Tagebuchnotizen sollen einen neuen Blick auf die Popikone aus Österreich werfen, den Menschen Hans Hölzel in den Fokus stellen und mit Spekulationen über seinen Tod vor fast 20 Jahren aufräumen. Abschließend sagt Dolezal im Film: “Für mich war er der tollste Mensch, den ich je gekannt habe.”

Hier haben wir die berühmtesten Falco-Hits zusammengestellt – mit ein paar frischen Remixen.
 

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USA verlegen im April rund 1000 Soldaten nach Polen

Das Hauptquartier der US-Streitkräfte in Europa in Wiesbaden teilte mit, dass ab Ende März die Kampf-Verbände einschließlich zahlreicher Fahrzeuge nach Orzysz im Nordosten Polens geschickt werden. Darunter seien auch Stryker-Panzer, heißt es in der Mitteilung. 

Dabei durchqueren sie Deutschland und Tschechien. Beim NATO-Gipfel im vergangenen Juli war beschlossen worden, mehrere tausend Soldaten nach Polen und in die baltischen Staaten Litauen, Estland und Lettland zu schicken – alles Nachbarländer Russlands, die sich bedroht fühlen.

Doppelstrategie der NATO gegenüber Russlabd

Die Bundeswehr ist bereits in Litauen und führt dort einen NATO-Verband an. Weitere Führungsnationen sind die USA in Polen, Großbritannien in Estland und Kanada in Litauen. Die NATO verfolgt eine Doppelstrategie gegenüber Russland. Auf der einen Seite will sie zur Abschreckung ihre militärische Stärke durch Truppenstationierungen und Manöver in den östlichen Bündnisstaaten zeigen, andererseits will sie den Gesprächsfaden mit Moskau nicht abreißen lassen.

mas/hk  (dpa, @USArmyEurope / Twitter)

 

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Der Traum der Algerier von Europa

Vor allem geht es um Abschiebungen. Wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel nach Algerien reist, trägt sie die drängenden Bitten von Ministerpräsidenten und Bürgermeistern mit sich, die vor allem eines fordern: Die Maghreb-Staaten - und damit auch Algerien – sollen zügig diejenigen ihrer Staatsbürger zurücknehmen, deren Asylgesuch in Deutschland abgelehnt worden ist.

Vor wenigen Tagen wies etwa der Bremer Bürgermeister Carsten Sieling auf entsprechende Schwierigkeiten der Länder und Kommunen hin. Die Maghreb-Staaten seien nicht bereit, die Menschen wieder aufzunehmen. “Wir bekommen teilweise keine Antworten”, so Sieling in einer Stellungnahme. Von 15 ausreisepflichtigen Personen habe seine Stadt nur eine abschieben können. “Das liegt nicht an uns”, versicherte er. Darum müsse die Regierung das Problem in die Hand nehmen. “Merkel will nach Marokko, Algerien, Tunesien reisen – da wünschen wir alle viel Erfolg.”

Eine bedrückende Wirtschaftslage

Angela Merkel reist in ein Land, das weiterhin vor erheblichen Herausforderungen steht: Die Analphabetenquote liegt bei knapp über 20 Prozent, die der Arbeitslosen bei knapp 10 Prozent. Die Staatsverschuldung lag 2016 bei 13 Prozent, die Auslandsschulden beliefen sich auf 5,8 Milliarden US-Dollar; für das Jahr 2017 wird nach Angaben der Außenwirtschaftsagentur der Bundesrepublik, Germany Trade and Invest (gtai), ein Anstieg auf 8,7 Milliarden US-Dollar erwartet. Das Land hat eine schmale, vor allem auf Bodenschätze fokussierte Industrie. Im Jahr 2015 trug Erdgas mit 42, Erdöl mit 34 Prozent zu den Gesamtausfuhren bei.

Algerien Präsident Abd al-Aziz Bouteflika (Getty Images/AFP/E. Feferberg)

Nur noch selten in der Öffentlichkeit: Präsident Abd Al-Aziz Bouteflika

Neben der Petrochemie verfügt das Land über keine nennenswerten Industrien. Umso stärker hängt die Wirtschaft des Landes von den Preisen am Energiemarkt ab. Der Fall des Ölpreises seit 2014 hat Algerien schwer getroffen: Nahm das Land im Jahr 2013 noch Überschüsse von gut 11 Milliarden Dollar ein, verzeichnete es 2015 ein Minus von 17 Milliarden US-Dollar.

Das trifft auch die öffentlichen Staatsausgaben und Investitionen schwer, ebenso die Subventionen für Grundnahrungsmittel. Entsprechend schwierig ist die Lage für viele der knapp 41 Millionen Bürger des Landes. Die Förderung der Bodenschätze liegt  in den Händen der staatlichen Erdölgesellschaft Sonatrach, die Arbeitsplätze dort sind begrenzt. Nur langsam entwickeln sich alternative Wirtschaftszweige.

Auch das Umfeld ist problematisch: Im Korruptionswahrnehmungsindex von Transparency International rangiert Algerien auf Platz 108 – von 176 Plätzen insgesamt. Entsprechend zögerlich sind ausländische Unternehmen bei dem Gedanken an Investitionen in dem nordafrikanischen Land.

Politische Missstände

Auch politisch geht es dem Land nicht sonderlich gut. Der seit 1999 amtierende Präsident Abd al-Aziz Bouteflika, Jahrgang 1937, hat mehrere Schlaganfälle hinter sich und zeigt sich kaum mehr in der Öffentlichkeit. Dennoch pflege dessen Kabinett einen straffen Regierungsstil, sagt der aus Algerien stammende Politikwissenschaftler Rachid Ouaissa. Gleichwohl habe sich die Staatsführung vom klassischen Autoritarismus früherer Zeiten verabschiedet. “Es gibt zum Beispiel eine freche, kritische Presse. Auch gibt es nicht mehr die massiven Menschenrechtsverletzungen, wie man sie noch in den 1970er Jahren kannte”, so der in Göttingen lehrende Politologe gegenüber der DW.

Vermisste in Algerien (DW/Rahim Ichalalen)

Nicht aufgearbeitet: der algerische Bürgerkrieg der 1990er Jahre. Hier Fotos von Vermissten

Dennoch sei die Menschenrechtslage nicht befriedigend, schreibt Amnesty International. Personen, die der Unterstützung des Terrorismus verdächtigt sind, würden ohne Zugang zur Außenwelt an geheimen Orten festgehalten und gefoltert. So sei manchen Tätern, die sich während des Bürgerkriegs in den 1990er Jahren schwerer Menschenrechtsverbrechen schuldig gemacht hatten, Straflosigkeit garantiert. Das Schicksal von über 6000 “Verschwundenen” sei nach wie vor nicht geklärt.

Die „Unberührbaren”

Außerdem moniert die Menschenrechtsorganisation die eingeschränkte Meinungsfreiheit. So sei Kritik an hohen Amtsträgern und an den Sicherheitskräften unter Strafe gestellt. Besonders letztere würden kaum hinreichend kontrolliert, schreibt der in Frankreich lebende algerisch-stämmige Journalist Mohamed Sifaoui in seinem Buch “Histoire secrète de ´Algérie independante”. “Die Geheimdienste haben sich in den Rang von Unberührbaren gehoben. Sie sind das wesentliche Entscheidungszentrum, das seit über 20 Jahren das politische Leben in Algerien bestimmt.”

Tatsächlich habe dieser Druck auf die politischen Verhältnisse eine hemmende Wirkung, bestätigt Rachid Ouaissa. Es gebe zwar oppositionelle Parteien. Nur seien deren Möglichkeiten stark eingeschränkt. “Die politischen Kräfte sind banalisiert.”

Symbolbild Algerien Geiselnahme Islamischer Staat Franzose (picture-alliance/AP)

Soldaten nach dem Angriff auf das Gasfeld Ain Amenas im Januar 2013

Herausforderung Dschihadismus

Zudem hat Algerien weiterhin mit dem Dschihadismus zu kämpfen. Zwar hat das Land insbesondere nach der blutig beendeten Geiselnahme ausländischer Techniker auf dem Gasfeld Ain-Amenas im Januar 2013 den Terrorismus entschlossen bekämpft und dabei auch einige militärische Erfolge erzielt. Aber auf Teile der Jugendlichen üben die radikalen Islamisten weiterhin eine hohe Anziehungskraft aus. Noch am vergangenen Mittwoch (15.2.) erschossen Sicherheitskräfte nahe der Hauptstadt Algier fünf mutmaßliche Islamisten.

Der Traum von Europa

Angesichts der schwierigen Lage wollen gerade junge Algerier ihr Land verlassen. Viele fühlten sich ohnmächtig und sähen keine Perspektiven, sagt Rachid Ouaissa. “Darum ist Europa immer noch ihr Traum.”

Deutschland hingegen ist nicht gewillt, die jungen Algerier aufzunehmen. Entsprechende Einschränkungen der illegalen Einreise soll Bundeskanzlerin Merkel nun bei ihrem Besuch in Algier voranbringen. Die algerische Regierung steht damit vor einem großen Problem. Denn beim Kampf gegen die Fluchtursachen ist sie auf allen nur denkbaren Ebenen gefordert.

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Bundesregierung rechnet mit Abschiebe-Rekord

In der Zeitung “Bild am Sonntag” betonte der Kanzleramtsminister: “Das ist Rekord, und die Zahl wird weiter steigen.” Nach Informationen des “Mediendienst Integration” wurden im Jahr 2016 rund 25.000 der abgelehnten Asylbewerber abgeschoben, die meisten von ihnen aus Nordrhein-Westfalen (5100), Baden-Württemberg (3600) und Bayern (3300). Bei etwa 54.000 Menschen wurde die freiwillige Rückkehr im Rahmen des sogenannten REAG/GARP-Programms gefördert.

Peter Altmaier, der zugleich Flüchtlingskoordinator der Bundesregierung ist, führte in der “BamS” aus, vergangenes Jahren seien etwa 700.000 Asylanträge entschieden und davon fast 300.000 abgelehnt worden. “Diese Personen wollen wir zügig zurückführen, sonst leidet die Glaubwürdigkeit unseres Rechtsstaates”, mahnte Altmaier. Vor allem Straftäter und “Menschen, von denen eine Gefahr für unsere Sicherheit ausgeht”, müssten schnell außer Landes gebracht werden.

Ausreisezentren können “sehr sinnvoll” sein

Er unterstütze den Vorschlag von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU), Ausreisezentren für abgelehnte Asylbewerber einzurichten. Diese könnten “sehr sinnvoll sein, insbesondere für abgelehnte Asylbewerber, deren Abschiebung unmittelbar bevor steht”. “Wir haben zu oft erlebt, dass Rückführungen vereinbart wurden, aber am Stichtag weniger als die Hälfte der Personen zur Ausreise bereit standen”, hob Altmaier hervor.

Den von Schleswig-Holstein verhängten Abschiebestopp für Afghanen kritisierte der Kanzleramtschef. “Alleingänge von einzelnen Bundesländern bei Abschiebestopps halte ich für falsch”, sagte er. In Afghanistan gebe es “sehr wohl Städte und Regionen, in denen Rückkehrer in Sicherheit leben können.”

Die rot-grünen Landesregierungen forderte Altmaier auf, der Einstufung von Tunesien, Algerien und Marokko als sichere Herkunftsländer zuzustimmen. Baden-Württemberg habe sich hier “seit langem positioniert”. “Nun müssen rot-grün regierte Länder wie Niedersachsen oder Nordrhein-Westfalen folgen.” Der Bundesrat solle dafür “schnell einen neuen Anlauf nehmen”.

Nach Informationen der “Bild am Sonntag” ist die Zahl der Flüchtlinge, die neu nach Deutschland kommen, deutlich zurückgegangen. Im Januar hätten 14.349 Menschen Antrag auf Asyl gestellt, berichtete das Blatt unter Berufung auf Sicherheitskreise. Im Vorjahresmonat seien es noch 91.671 gewesen. Unerlaubt reisten im Januar 2016 demnach rund 65.000 Menschen ein, im Januar 2017 aber nur noch 2600.

haz/ust (afp, Mediendienst-integration.de, BamS)

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"Blinder Scheich" in US-Haft gestorben

Der wegen Terrorkomplotten in den USA inhaftierte Scheich Omar Abderrahman ist nach Behördenangaben in einem Gefängniskrankenhaus im Alter von 78 Jahren gestorben. Der ägyptische Geistliche war spiritueller Führer islamischer Militanter. Er hatte die radikale Gruppe Gamaa Islamija in Ägypten gegründet, die in den 1990er Jahren für eine Serie von Anschlägen und Morden an westlichen Touristen, der ägyptischen Polizei und koptischen Christen verantwortlich gemacht wurde.

Als Gelehrter in den USA

1990 floh Abderrahman in die USA und lehrte in einer Moschee in New Jersey. Nach dem Bombenanschlag auf das New Yorker World Trade Center im Februar 1993, bei dem es sechs Tote und rund 1000 Verletzte gab, wurde er festgenommen. Er wurde wegen Plänen zur Verübung einer Serie von Terrorattacken in New York verurteilt. Seitdem saß er im Gefängnis, galt vielen radikalen Muslimen aber weiter als Vorbild.

Nach Angaben der US-Gefängnisbehörde war er seit Längerem herz- und zuckerkrank. 2012 hatte der damalige ägyptische Präsident Mohammed Mursi Abderrahmans Überführung nach Ägypten aus humanitären Gründen gefordert und die USA um einen Gefangenenaustausch gebeten.

ust/haz (dpa, ap, afp)

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Kommentar: Die Zwei-Staaten-Illusion

Die Zwei-Staaten-Lösung im Nahen Osten für Israel und die Palästinenser gehört zum Standardrepertoire der internationalen Diplomatie. Sie wird unablässig beschworen – in der UNO ebenso wie auf Nahost-Konferenzen, EU-Gipfeln, G7- oder G20-Treffen.  Wer sich mit der ungelösten palästinensischen Frage im Heiligen Land befasst,  fordert engagiert und emphatisch einen Staat für die Palästinenser – an der Seite der Israelis.  Dann – so der allgemeine Tenor – ist endlich Frieden im Nahen Osten möglich.

Die Araber, die sich selbst lähmten

Die Realität dieser unentwegt beschworenen Vision ist anders: Sie ist längst eine Illusion geworden. Seit 1967 – seit dem Sechs-Tage-Krieg vor fast 50 Jahren – hält Israel das Westjordanland besetzt, den Gaza-Streifen und damals auch den Sinai. Nach dem Sechs-Tage-Krieg gab es ein Treffen der Arabischen Liga im sudanesischen Khartum, das die Wut und die Ohnmacht nach der demütigenden Niederlage der arabischen Länder gegen den “israelischen David” in ein dreifaches Nein umwandelte: nein zu Israel, nein zu Verhandlungen, nein zum Frieden. Und damit zementierten sich die arabischen Länder ein, und der Aufstieg der PLO als Machtfaktor begann – nicht zuletzt auch durch Terror, wie beispielsweise dem Anschlag während der Olympischen Spiele in München 1972.

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DW-Chefredakteur Alexander Kudascheff

Aus dem Teufelskreis der Verweigerung hat sich nur der ägyptische Präsident Anwar al-Sadat heraus gewagt. Er flog  1979 nach Israel, sprach in der Knesset, verhandelte mit dem israelischen Falken Menachem Begin, schloss  Frieden mit dem ehemaligen Erzfeind – einen “kalten Frieden” zwar, der aber immerhin bis heute hält – und bekam den Sinai zurück. Das Prinzip Sadats hieß: Land gegen Frieden. Und das ist das Prinzip, das auch der Zwei-Staaten-Lösung zugrunde liegt: Israel gibt die besetzten Gebiete zurück und wird dafür im Gegensatz von der arabischen Welt und den Palästinensern anerkannt. Dann wird neben Israel ein palästinensischer Staat gegründet und es herrscht Frieden. Soweit die Theorie.

Und die Praxis? Ob EU oder UN – alle haben sich an dieser diplomatischen Aufgabe versucht.  In den 1980er-, den 1990er-Jahren oder in diesem neuen Jahrtausend. Ob in Venedig,  Madrid oder Oslo, ob Jimmy Carter oder Bill Clinton. Sie sind allesamt gescheitert. Mal an palästinensischen Maximalforderungen, mal an der israelischen Unnachgiebigkeit. Und in diesen 50 Jahren hat Israel Fakten geschaffen, hat das Heilige Land besiedelt und besiedelt und besiedelt.

Aufgrund der Siedlungspolitik nicht mehr durchsetzbar

Die Folge: Ein unabhängiger palästinensischer Staat ohne israelische Siedlungen ist zwar theoretisch denkbar, praktisch aber nicht mehr durchsetzbar. Denn Israel wird den größten Teil seiner Siedlungen nicht mehr aufgeben. Damit sind Israelis und Palästinensern gleichermaßen die Hände gebunden. Der Teufelskreis ist perfekt, die diplomatische Lösung eine Illusion.

Und dabei ist es inzwischen egal, wer mögliche Lösungen in der Vergangenheit verhindert hat – ob Yassir Arafat oder Ariel Scharon. Einen großen Schritt hat 1979 nur Anwar al-Sadat gewagt. Dafür ist er vermutlich sogar ermordet worden. Alle seine Nachfolger auf beiden Seiten – vielleicht mit Ausnahme des ebenfalls ermordeten Jitzchak Rabin – haben sich dagegen nicht getraut, etwas zu wagen, um Frieden zu bekommen. Und deswegen ist die Vision einer Zwei-Staaten-Lösung in 50 Jahren zur Illusion verkommen. Bloß, wie man Frieden im Nahen Osten – Frieden zwischen Israel und den Palästinensern – erreichen kann, weiß man mit dieser Erkenntnis auch nicht.

Der Nahost-Konflikt bleibt die größte Herausforderung ohne wirkliche Lösung für die internationale Diplomatie.

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