Deutsche Bank – kein Ausweg in Sicht?

Bei diesen Zahlen kann einem angst und bange um die Deutsche Bank werden. US-amerikanische Großbanken wie die Citigroup, Wells Fargo, Bank of America, Goldman Sachs und JP Morgan konnten in dieser Woche zusammen Gewinne in Höhe von fast 110 Milliarden Dollar für 2018 ausweisen. Alleine der Branchenprimus JP Morgan steigerte seinen Gewinn um mehr als ein Drittel auf 31 Milliarden Dollar (27 Milliarden Euro). Zum Vergleich: Der aktuelle Marktwert der Deutschen Bank liegt bei gerade mal 15 Milliarden Euro. 

Besserung ist nicht in Sicht. Für die Bilanzvorlage der größten deutschen Bankin zwei Wochen erwarten die Analysten lediglich einen Überschuss von circa 400 Millionen Euro – so viel Geld verdient JP Morgan an gerade mal fünf Arbeitstagen.

Schlechtes Omen

Als besonders schlechtes Omen für die Deutsche Bank kann dabei die Tatsache gelten, dass der amerikanische Wettbewerber zuletzt beim Handel mit Anleihen, Währungen und Rohstoffen sogar große Schwierigkeiten hatte. In diesen Sparten – die wenigen, in der auch die Deutsche Bank Geld verdient - fiel das Geschäft im letzten Viertel des Jahres so schwach aus wie seit der Finanzkrise nicht mehr. Trotz des Rekords blieben die Zahlen für das Gesamtjahr deshalb noch hinter den Erwartungen viele Experten zurück. Selbst ohne die von US-Präsident Donald Trump initiierte Steuerreform hätte es nach Angaben von JP Morgan-Chef Jamie Dimon einen Rekordgewinn gegeben.

Deutsche Bank - Christian Sewing (picture-alliance/dpa/A. Dedert)

Christian Sewing – der Vorstandsvorsitzende von Deutschlands größtem Geldhaus gibt sich betont optimistisch.

Ungeachtet dieser Zahlen und des starken Kursverfalls ihrer Aktien von rund 100 Euro im Jahr 2006 bis unter 10 Euro 2018 zählt sich die Deutsche Bank zu den großen und starken Instituten in Europa. Man verfüge über hohe Reserven und habe die Kosten im Griff, Markt- und Kreditrisiken seien so gering wie selten zuvor, sagte der Vorstandsvorsitzende Christian Sewing kürzlich beim Hauptstadtempfang seines Hauses. Auch die Rechtsrisiken habe die Bank in den vergangenen Jahren erheblich reduziert – ein Bereich, in dem aufgrund von Rechtsverstößen und daraus resultierenden Strafen und Schadenersatzforderungen Kosten in Milliardenhöhe angefallen waren.

Vorstandvorsitzender gibt sich selbstbewusst

“Wir wollen die Verdachtsmomente im Zusammenhang mit den Panama Papers schnellstmöglich ausräumen”, sagte Sewing in diesem Zusammenhang und betonte, es gebe auch keine Hinweise auf ein Fehlverhalten seines Hauses im Falle der Danske Bank, bei dem es wie bei den Panama Papers um den Verdacht der Geldwäsche geht.

“Wir sind die mit Abstand größte Bank in der größten Volkswirtschaft Europas. Wir gehören zu den vier systemrelevantesten Banken weltweit”, verkündete Sewing selbstbewusst und klammerte dabei aus, dass “Systemrelevanz” für sich genommen noch lange kein Qualitätsmerkmal ist, sondern sogar als Drohkulisse (too big to fail) aufgefasst werden kann.

JP Morgan Chase Hauptsitz in New York (Timothy A. Clary/AFP/GettyImages)

Die US-Bank JP Morgan Chase ist den Wettbewerbern aus Deutschland weit enteilt.

Fusionsphantasien treiben Aktienkurse

Auf Spekulationen über eine Fusion mit der Commerzbank ging Sewing dagegen nicht ein – die bekamen am Mittwoch (16.01.2019) neue Nahrung: Am deutschen Aktienmarkt standen Deutsche Bank und Commerzbank im Rampenlicht. Dem “Handelsblatt” zufolge wirbt die Bundesregierung, die als Folge der Finanzkrise immer noch 15 Prozent der Commerzbank-Aktien hält, hinter den Kulissen für eine Fusion der beiden Geldhäuser.

Richtig in Fahrt kamen die Aktienkurse der beiden Banken dann nach einem Bloomberg-Bericht am Nachmittag, wonach die Europäische Zentralbank (EZB) und die Finanzaufsicht BaFin einen Zusammenschluss mit einem europäischen Kreditinstitut bevorzugen. Aktien von Deutsche Bank schossen um 8,4 Prozent auf 8,11 Euro in die Höhe. Damit notierten sie so hoch wie seit knapp fünf Wochen nicht mehr und waren mit Abstand größter Dax-Gewinner. Commerzbank-Titel legten 7,4 Prozent zu.

Doch hinter solchen Kurssteigerungen steht wohl eher die Hoffnung auf schnelle Gewinne, an den nachhaltigen Sinn einer solchen Fusion glauben die Anleger nicht. “Grundsätzlich sind wir der Meinung, dass eine Fusion zwischen Deutscher Bank und Commerzbank derzeit weder notwendig noch sinnvoll ist”, zitiert das “Handelsblatt” einen großen Aktionär. Prompt gaben die Kurse am Donnerstag wieder nach. 

Gewerkschaften bleiben skeptisch

Von einem Zusammengehen der beiden wichtigsten deutschen Geschäftsbanken halten auch die Gewerkschaften wenig. Sie befürchten einen erheblichen Arbeitsplatzabbau, erwarten aber zugleich keine Stärkung der Geschäftsmodelle. “Beide Häuser haben ihre eigenen, sehr unterschiedlich gelagerten Probleme”, sagt Stephan Szukalski, Chef der Gewerkschaft DBV. Diese Probleme löse man nicht mit einer Fusion, sondern potenziere sie. “Ein solches Gebilde wäre auf viele Jahre mit sich selbst beschäftigt, mit ungewissem Ausgang und damit die schlechteste Lösung für Mitarbeiter, Kunden, Aktionäre und überdies auch für den Steuerzahler.”

Da aber die Entwicklung auf den Finanzmärkten die Refanzierungskosten für Banken seit Dezember kräftig steigen lässt und die US-Konkurrenz geradezu übermächtig erscheint, sind sich nach Insider-Berichten alle Beteiligten darüber einig, dass in den kommenden zwölf Monaten bei der Deutschen Bank “etwas passieren muss” – nur was?

 

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Mays Problem sind die Konservativen

“Wir sollten jetzt Eigeninteressen zurückstellen”, erklärte Theresa May am Mittwochabend mit Blick auf die oppositionellen Parteiführer im Unterhaus, nachdem sie gerade ihr Misstrauensvotum mit Hilfe der nordirischen DUP überstanden hatte. Der Premierministerin fehlt erkennbar ein Sinn für Ironie, denn sie ist gerade deshalb in der Klemme, weil sie seit dem Beginn der Brexit-Verhandlungen nur die Interessen ihrer eigenen Konservativen verfolgt hatte. Die machen ihr weiter das Leben schwer und das Regieren fast unmöglich.

Keiner will derzeit das Amt

Warum verpassten die Konservativen am Dienstagabend der Premierministerin eine so dröhnende Niederlage bei der Abstimmung zum Brexit-Abkommen? Ein Drittel der eigenen Leute stimmte gegen Theresa Mays Deal, nur um sie am Abend darauf mit Mehrheit im Amt zu bestätigen? Was als Gegensatz erscheint, erklärt sich aus der Interessenlage der intern tief gespaltenen Tories.

Keiner will derzeit ihr Amt übernehmen, sich beim Brexit-Chaos die Hände schmutzig machen und seine Karriere schon gefährden bevor sie richtig angefangen hat. Theresa May befindet sich in einer Lage in der sie wenig zu gewinnen hat und immer noch alles verlieren könnte. Sie muss jetzt einen überparteilichen Konsens zum Brexit zustande bringen, dessen Umriss weiterhin unklar ist.

Zwar gibt es eine Reihe von Anwärtern auf den Einzug in die Downing Street, vor allem unter den Hardlinern bei den Tories. Boris Johnson und der frühere Brexit-Minister Dominic Raab scharren mit den Füssen, wissen allerdings, dass sie keine Mehrheit in der Partei hinter sich haben. Und Brückenbauer kommen nicht wirklich infrage: Unter den Gemäßigten gilt etwa Innenminister Sajid Javid als möglicher Kandidat, der wiederum von den Hardlinern abgelehnt wird, weil sie ihn für zu flexibel bei den Themen Migration und Brexit finden.

Theresa May ist auch geschwächt, weil ihre Konkurrenten sich nicht auf einen anderen Kandidaten einigen können.

England, London: Steve Baker, konservativer MP (DW/A. de Loore)

Steve Baker gehört zu den harten Brexiteers

Die Brexiteers bleiben hart

Brexit-Staatssekretär Steve Baker trat aus Protest gegen den Verlauf der Verhandlungen im Sommer 2018 zurück, zeitgleich mit seinem Chef David Davis. Beide gehören zur Fraktion der harten Brexiteers, die Großbritannien von den “Fesseln” der EU-Regeln befreien wollen. Er gehört inzwischen zu den Anführern derer, die gegen Theresa May Austrittsabkommen sind.

Wie soll es seiner Meinung nach jetzt weitergehen? Baker und seine Gesinnungsgenossen haben eine klare Linie, erklärte er im Interview mit der DW: “Als nächstes ist der Plan dran, den wir jetzt veröffentlicht haben. Wir wollen eine Vereinbarung mit der EU wie sie uns im März vorigen Jahres angeboten wurde: ein umfassendes Freihandelsabkommen, keine Zölle und Begrenzungen, Sicherheitszusammenarbeit und ein paar weitere Kooperationen. Das ist was wir wollen.” Oft würden sie falsch dargestellt: “Denn wir wollen die EU mit einem Abkommen verlassen, nach der Art wie sie es uns angeboten hat. Aber wenn das nicht klappt, sind wir bereit nach den WTO-Regeln zu gehen.”

Zur Niederlage von Theresa Mays am Dienstagabend im Parlament äußert sich ihr ehemaliger Parteikollege nur nüchtern: “Seit ich die Regierung verlassen haben, habe ich immer wieder gesagt, dass ihr Deal nicht durchs Parlament kommen kann und, dass dadurch eine Krise entsteht. Es tut mir leid, aber die Regierung war gewarnt.” Diese Haltung ist haben in etwa auch ein Drittel der Konservativen.

Symbolbild Brexit (picture-alliance/R. Pinney)

Sollte May ihren Kurs aufweichen, könnte sie die Partei noch weiter spalten

Ein Kompromiss droht die Tories zu spalten

Der Rest der Tories spaltet sich auf in ein paar EU-Freunde, Anhänger eines weichen Brexit, Anhänger eines zweiten Referendums - es sind alle möglichen Auffassungen vertreten. Das Problem von Theresa May ist nur, dass sie zwar mit diesen Gruppen, die sich auch in ihrem eigenen Kabinett wiederfinden, einen Kompromiss finden könnte. Für eine Mehrheit im Parlament aber bräuchte May dann noch gut 120 Stimmen von Seiten der Opposition, die nur einem viel weicheren Brexit zustimmen würden – etwa mit Verbleib in der Zollunion oder einer zweiten Volksbefragung.

Schwenkt sie aber um, auf eine weichere Linie, droht sie damit ihre eigene Partei endgültig zu spalten. Derzeit weiß man aber noch nicht, ob die eher unflexible Premierministerin das überhaupt anstrebt. Der Riss bei den Tories über Europa reicht quasi fünf Jahrzehnte zurück in die Zeit, als über den Beitritt Großbritanniens gestritten wurde.

Dieser Grundsatzstreit war zwischendurch nur verdeckt, der Widerspruch wurde nie gelöst und hat schon die Regierungen von Margret Thatcher und John Major überschattet. Nach Theresa Mays eigenem Mantra aber hat sich “nichts geändert”: Sie ist weiterhin Suche nach einer Lösung und muss die Quadratur des Kreises schaffen.

 

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Der Bundestag feiert 100 Jahre Frauenwahlrecht

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble hat eine gerechtere Verteilung der Familienarbeit zwischen den Geschlechtern gefordert. Es sei eine wohl unumgängliche Erkenntnis, “dass wir die für unsere Gesellschaft unverzichtbaren Tätigkeiten, die auch heute noch ganz überwiegend Frauen unbezahlt verrichten, anders aufteilen müssen: Kindererziehung, Hausarbeit, Pflege”, sagte Schäuble in der Feierstunde des Bundestags zu 100 Jahren Frauenwahlrecht.

Die Männer müssten an diesen Umstand “gelegentlich mit Nachdruck erinnert werden”, räumte er ein. “Erst wenn Frauen und Männer wirklich frei entscheiden können, wo sie die Prioritäten in ihrem Leben setzen wollen, ohne auf Beruf oder Familie oder gesellschaftliches Engagement zu verzichten, ist das Ziel erreicht.”

Feierstunde 100 Jahre Frauenwahlrecht im Bundestag (picture-alliance/dpa/B. von Jutrczenka)

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble

Schäuble sagte, mit dem Jahrestag werde heute etwas Selbstverständliches gefeiert. Frauen könnten sich wie Männer an der Gestaltung von Staat, Politik und Gesellschaft beteiligen. Gleichzeitig betonte er, der Wandel der allgemeinen Vorstellungen über die Rolle der Geschlechter habe lange gedauert – und dauere an. Denn es gebe bei der Gleichstellung noch einiges zu tun – “nicht zuletzt in Politik und Parlament”. Schäuble verwies auf den zuletzt gesunkenen Anteil von Frauen im Bundestag, “ihre unterdurchschnittliche Beteiligung in allen Parteien, die viel zu geringe Zahl von Bürgermeisterinnen und Landrätinnen”. Zwar gebe es eine Bundeskanzlerin und weitere Frauen in Spitzenpositionen, aber: “Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer.”

“Die Gleichberechtigung von Männern und Frauen ist ein unaufgebbarer Grundsatz unserer Verfassung”, mahnte Schäuble. Dies müssten alle akzeptieren, “die Teil dieser Gesellschaft sein wollen” – auch diejenigen, denen dieser Anspruch “aus kulturellen oder religiösen Gründen fremd ist”.

Die ehemalige Bundestagspräsidentin und Frauenministerin Rita Süssmuth (picture-alliance/dpa/B. von Jutrczenka)

Die ehemalige Bundestagspräsidentin und Frauenministerin Rita Süssmuth

Die früheren Spitzenpolitikerinnen Rita Süssmuth (CDU) und Christine Bergmann (SPD) forderten eine stärkere Anerkennung für Frauen im Osten. Ihre Leistung sei unterschätzt, sagte die frühere Bundestagspräsidentin Süssmuth. Bergmann kritisierte, in nahezu allen Berichten über Frauen finde man ausschließlich den westdeutschen Blick. Der ostdeutsche sei ein anderer, komme aber nicht vor.

Süssmuth, die 1985 auch erste Frauenministerin wurde, würdigte den Einsatz der Frauen in der früheren DDR für eine Ergänzung des Artikels 3 im Grundgesetz, der die Gleichberechtigung von Männern und Frauen festschreibt. Seit 1994 schreibt er auch vor: “Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.”

Die frühere Bundesfamilienministerin Bergmann sagte, bei der Wiedervereinigung seien sehr unterschiedliche Frauen- und Familienbilder zusammengekommen. 1989 seien knapp 90 Prozent der Frauen im Osten erwerbstätig gewesen, meist in Vollzeit. Im Westen seien 1990 54 Prozent der Frauen, oftmals in Teilzeit, berufstätig gewesen. Im Osten hätten erwerbstätige Mütter nicht als “Rabenmütter” gegolten und sie hätten sich gleichberechtigt gefühlt. Es habe einen “Gleichstellungsvorsprung” gegeben, sagte Bergmann und forderte dafür Anerkennung.

“Für echte Gleichstellung streiten”

Das aktive und passive Wahlrecht für Frauen in Deutschland war am 12. November 1918 verkündet worden. Die erste Wahl, bei der Frauen stimmberechtigt und wählbar waren, war die zur Weimarer Nationalversammlung am 19. Januar 1919.

Vor der Feierstunde hatte bereits Bundesfamilienministerin Franziska Giffey einen höheren Frauenanteil in der Politik angemahnt. “Frauen sind die Hälfte des Volkes und müssen auch entsprechend vertreten sein. Deshalb ist es an der Zeit für Parität in den Parlamenten”, sagte die SPD-Politikerin der “Rheinischen Post”. Gleichberechtigung sei nicht nur eine Frage von Recht und Gerechtigkeit, sondern auch von einer modernen und zeitgemäßen Gesellschaft, sagte Giffey. “Aber für eine echte Gleichstellung müssen wir noch streiten. Da geht es um gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit, um Wertschätzung und Anerkennung der sozialen Berufe und um spürbar mehr Frauen in Führungspositionen – sei es in der Wirtschaft oder in der Politik”, so die Ministerin. 

stu/se (dpa, epd)
 

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Die Jagd auf Ligaprimus Dortmund beginnt

Wenn es nach Julian Nagelsmann ginge, dann sollte sich der FC Bayern nicht so sicher sein: Denn nicht allein der deutsche Rekordmeister meldet Ansprüche darauf an, Borussia Dortmund bis spätestens zum Saisonende von der Spitzenposition der Bundesliga-Tabelle verdrängt zu haben.

Auch sein Team, 1899 Hoffenheim, hatte sich vor Saisonbeginn vorgenommen, vielleicht mal ganz oben zu stehen. Bei nun aber 17 Punkten Rückstand ist dieses Ziel für die Kraichgauer nur Utopie. Aber Nagelsmann und sein Team könnten das Zünglein an der Waage im Titelkampf sein. 

Am Freitagabend (20.30 Uhr MEZ) kommt der FC Bayern München zum Auftakt der Rückrunde nach Sinsheim. Und der Rekordmeister dürfte der ernsthafteste Aspirant sein, wenn es darum geht, Borussia Dortmund doch noch vom Bundesliga-Thron zu stoßen. “Bayern hat zwar nach einer zwischenzeitlichen Krise wieder richtig Fahrt aufgenommen, sie sind aber trotzdem unter Druck, sollten sie das Spiel nicht gewinnen können”, sagt Nagelsmann. “Es wird sich viel an diesem Spieltag entscheiden.”

Kehrt Ruhe beim FC Bayern ein?

Umstritten: FCB-Offensivspieler Franck Ribéry (picture-alliance/dpa/G. Kirchner)

Umstritten: FCB-Offensivspieler Franck Ribéry

Die Münchner haben sich in der Winterpause jedenfalls selbst zum ersten Dortmund-Jäger in der Bundesliga ernannt. “Wir müssen und wollen gewinnen. Wir wollen weiterhin erfolgreich bleiben. Und: Wir wollen Meister werden und ich will Meister werden”, sagt Niko Kovac. Dieser Optimismus wird von einem Bayern-Coach selbstverständlich erwartet, aber: Auch das Trainingslager in Katar war intensiv aber keineswegs störungsfrei. Franck Ribéry brachte nicht nur die Affäre um das “Goldene Steak” mit auf den Trainingsplatz, sondern verletzte sich zu allem Überfluss noch heftig (Muskelbündelriss). Weitere Diskussionen prägten das Bild.

Die Unruhe rund um die bereits begonnene Erneuerung der Mannschaft hält weiter an. Muss Innenverteidiger Mats Hummels sich weiterhin überwiegend mit einem Platz auf der Bank zufrieden geben? Findet Jerome Boateng zurück zu seiner alten Form oder wird wieder Kritik an Hummels’ eigentlichen Partner in Abwehrzentrum laut? Und bleibt Spielmacher James weiterhin eher eine Randfigur im Münchner Spiel und denkt noch lauter über einen Wechsel nach? Weitere Ansatzpunkte für mögliche interne Dissonanzen ließen sich derzeit beim Rekordmeister mühelos finden.

Das alles wollen die Münchner ausblenden und die Aufholjagd am Freitagabend starten. Doch sie wissen ganz genau: Unter der Oberfläche lodert ein Feuer, das sich bei weiteren negativen Erleb- und Ergebnissen ganz schnell zu einem Flächenbrand ausbreiten kann. Kovac und der FCB bräuchten wohl eine fast perfekte Rückrunde, sowohl auf als auch neben dem Fußballplatz, wollen sie ihr Vorhaben, den derzeitigen Sechs-Punkte-Rückstand aufzuholen, noch in die Tat umsetzen.  

Mönchengladbach von sich selbst irritiert

Florian Neuhaus (l.) vergibt eine Torchance gegen Leverkusens Lukas Hradecky. (Reuters/W. Rattay)

Florian Neuhaus (l.) vergibt eine Torchance gegen Leverkusens Lukas Hradecky.

Sollte dies den Münchnern nicht gelingen, könnte Borussia Mönchengladbach der Nutznießer sein. Die Fohlen liegen neun Punkte entfernt von den Dortmundern und könnten den Westfalen ebenfalls noch sehr gefährlich werden. Allerdings erscheint die Mannschaft von Trainer Dieter Hecking bislang eher irritiert – als wundere sich sich die ganze Zeit über sich selbst. Es läuft am Niederrhein. Aber  niemand scheint diesem Erfolg so richtig zu trauen – zumindest nicht nachhaltig. Nicht zuletzt aus diesem Grund sind aus Mönchengladbach keine (Erfolgs-) Prognosen in Richtung Saisonende zu vernehmen.

“Man konnte dies in dieser Form nicht erwarten”, sagt Hecking. “Wir haben einige Dinge verändert und ein paar gute Spieler hinzubekommen.” Die veränderte Taktik, die mehr Kreativität und Flexibilität zulässt, ist sicherlich ein Schlüssel zum Höhenflug der Gladbacher. Damit hat die Borussia schließlich sämtliche Heimspiele in dieser Saison gewonnen.

Aber vielmehr dürfte das veränderte Personal entscheidenden Einfluss auf die Darbietungen haben. Vor allem Mittelfeldstratege Florian Neuhaus macht den Unterschied und hebt das Niveau des Teams an. Und auch Neuzugang und Angreifer Alassane Plea müsste weiterhin so treffsicher bleiben (17 Bundesligaspiele/ 9 Tore). 

Viel wird aber zudem davon abhängen, ob die Etablierten wie Nationalspieler Lars Stindl oder auch Raffael in der Rückrunde verletzungsfrei bleiben. Dann könnten die Elf vom Niederrhein sogar die ganz große Überraschung in dieser Saison werden – vor allem für sich selbst. 

Leipzig muss sich aufs Wesentliche konzentrieren

Emil Forsberg (r.) bejubelt einen Treffer. (picture-alliance/dpa/J. Woitas)

Emil Forsberg (r.) bejubelt einen Treffer.

Auch RB Leipzig könnte noch nach den (Meisterschafts-) Sternen greifen. Allerdings ist der Abstand der Sachsen auf den BVB bereits auf elf Punkte angewachsen. Viel dürfte beim Team von Trainer Ralf Rangnick nicht mehr schiefgehen, will die Mannschaft tatsächlich noch ins Titelrennen eingreifen.

Vor allem müsste der langzeitverletzte Emil Forsberg wieder zum Team stoßen und das Niveau mit seinem Passspiel anheben. Zudem müssten die Diskussionen um die Zukunft von Nationalspieler und Angreifer Timo Werner zügig beendet werden, damit sich alle Beteiligten auf das Wesentliche konzentrieren können und sich nicht von Personalthemen ablenken lassen müssen. Es ist allerdings fraglich, ob das sehr junge Team (Durchschnitt 23,6 Jahre) über die gesamte Zeit die Konstanz aufbringen kann. 

Rangnicks öffentlich geäußertes Ziel ist es, das Team am Saisonende mindestens in die Champions League zu führen. Doch wer den äußerst ehrgeizigen, 60 Jahre alten Fußballlehrer kennt, kann sich ausmalen, dass Rangnick insgeheim auf den Titel hofft. Sagen würde er dies allerdings nie.

Den ersten Schritt könnten die Sachsen bereits am Samstagabend machen, denn da kommen die Dortmunder zum Auftakt nach Leipzig.  

Favre muss Konzentration der Spieler hochhalten

BVB-Trainer Lucien Favre (imago/DeFodi)

BVB-Trainer Lucien Favre

Für den augenblicklichen Ligaprimus aus Dortmund ist die Lage so angenehm wie ungemütlich. Angenehm, weil der Vorsprung auf die Konkurrenz sogar zwei weitere Durchhänger zuließe und der BVB noch immer mitten im Titelrennen stecken würde. Ungemütlich, weil die Konkurrenten versuchen werden, den Druck auf das Team von Lucien Favre so hoch wie möglich zu halten.

“Es ist wichtig, dass wir weiter sehr gut und sehr hart trainieren. Ich spreche nicht von Chancen, Meister zu werden”, sagt Favre. “Wir wollen wirklich immer unser Bestes geben. Dann werden wir sehen.” Der Schweizer ist ein Meister darin, sämtliche Ziele zu verbergen und die die Öffentlichkeit im Unklaren zu lassen. Er ist allerdings auch ein Meister darin, seine Mannschaften und seine Spieler besser zu machen.  

Allerdings hat Sportdirektor Michael Zorc die BVB-Spieler kurz vor Rückrundenbeginn dazu angemahnt, in den “Kampfmodus” zurückzufinden. Es wird die große Aufgabe Favres sein, die jungen Shootingstars wie Jadon Sancho, Achraf Hakimi oder Jakob Bruun Larsen in der Konzentration zu halten. Und er muss darauf hoffen, dass seine Schlüsselspieler wie der überragende Marco Reus und die starken Axel Witsel sowie Thomas Delaney bis in den Sommer zur Verfügung stehen.    

Die Dortmunder haben nicht nur aufgrund ihrer hervorragenden Ausgangsposition die besten Chancen, sich in dieser Saison den Meistertitel zu sichern. Der sportlichen Führung um den sehr erfahrenen, 61 Jahre alten Favre gelingt es bislang außerdem, irritierende Diskussionen von der Mannschaft fern zu halten – sollte dies so fortgeführt werden können, dürfte dies der entscheidende Vorteil im Kampf um die Schale  sein.  

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