Mindestens neun Tote bei Brand in Lagerhaus in Oakland

Nach dem verheerenden Feuer in einem Lagerhaus in Oakland im US-Bundesstaat Kalifornien haben Rettungskräfte neun Leichen aus den Trümmern geborgen. Sie müssten noch identifiziert werden, sagte Polizeisprecher Ray Kelly in Oakland. Die Ermittler vermuteten in dem zerstörten Gebäude weitere Opfer. Man gehe davon aus, dass die Zahl der Toten noch steigen werde, sagte Kelly. Zahlreiche Menschen würden noch vermisst. Feuerwehrleute befürchten bis zu 40 Tote. Das Lagerhaus wurde anscheinend illegal genutzt, eine Genehmigung für die Techno-Party gab es nicht.

Bis zu 100 Partygäste 

Das Feuer in dem zweistöckigen Gebäude war in der Nacht zum Samstag ausgebrochen. Wie es dazu kam, war zunächst unklar. Bilder aus der Nacht zeigten, wie große Flammen aus dem Lagerhaus schlugen. Mehr als 70 Feuerwehrmänner waren im Einsatz. Die Löscharbeiten zogen sich über mehrere Stunden hin. Das Dach stürzte ein, woraufhin auch die zweite Etage in Teilen einbrach. Die Behörden richteten eine Anlaufstelle für Angehörige ein. Berichten zufolge befanden sich zwischen 50 und 100 Menschen auf der Party.

Noch sei unklar, wo genau das Feuer ausgebrochen sei, so die Behörden in Oakland weiter. Es habe keine klar markierten Ein- oder Ausgänge gegeben. Eine selbstgebaute Treppe aus Paletten habe in den ersten Stock geführt. Wegen der baulichen Veränderungen sei es sehr schwer gewesen, vor den Flammen zu fliehen. Zudem sei das Gebäude mit allerhand Möbeln und anderen Gegenständen vollgestopft gewesen, wodurch die Löscharbeiten erschwert worden seien. Ein Feuerwehrmann sagte: “Es war fast wie ein Labyrinth.” Den Angaben zufolge gab es keine Sprinkleranlage. Zeitweise hätten die Feuerwehrleute ihre Arbeit unterbrechen müssen, weil sich die Flammen zu schnell durch das Gebäude gefressen hätten. 

Nach Aussagen von Feuerwehrleuten war das Gebäude mit Möbeln und Hausrat vollgestopft (Foto: Reuters/S. Lam)

Nach Aussagen von Feuerwehrleuten war das Gebäude mit Möbeln und Hausrat vollgestopft

Rettungskräfte hatten am Samstagvormittag (Ortszeit) eine Liste mit 25 Vermissten veröffentlicht. Nur wenige Menschen seien nach dem Brand in Krankenhäuser eingeliefert worden. “Es scheint so, als ob die Menschen es entweder nach draußen geschafft haben oder gar nicht”, sagte Polizeisprecher Kelly. Nach Angaben der Behörden gab es zwei Ausgänge. Die meisten der neun Toten hätten im zweiten Stockwerk gelegen, sagte Feuerwehrchefin Teresa Deloach-Reed. 

Schon Untersuchung durch Behörden 

Laut der Zeitung “East Bay Times” lebten rund 50 Menschen in dem Gebäude. Künstler nutzten Räume als Ateliers. Die Stadt Oakland hatte Mitte November eine Untersuchung eingeleitet, nachdem es Beschwerden über eine illegale Nutzung gegeben hatte. Man habe jedoch seither nicht klären können, ob Menschen in dem Haus lebten, da sich der zuständige Ermittler keinen Zugang verschaffen konnte, sagte Darin Ranelletti von der Planungsbehörde der Stadt. Das Gebäude durfte demnach lediglich als Lagerhaus genutzt werden. Eine Party in dem Gebäude hätte einer Zulassung bedurft, fügte Ranelletti hinzu. Eine solche habe es jedoch nicht gegeben.

sti/haz (afp, dpa)

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US-Grüne ziehen Antrag auf Neuauszählung in Pennsylvania zurück

Im US-Bundesstaat Wisconsin gewann Donald Trump die Wahl denkbar knapp. Auf Antrag der Präsidentschaftskandidatin der Grünen Partei, Jill Stein, wird dort nun nachgezählt. Weitere Staaten könnten folgen. (25.11.2016)

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Deutsche in der Türkei zwischen Trotz und Angst

Mit einem fröhlichen “Merhaba” (Hallo) oder “Iyi Günler” (Guten Tag) begrüßt Doris Bierett all jene, die sie an der türkischen Riviera besuchen. Die 73-Jährige hat acht Jahre lang Türkisch gelernt, weil sie sich komplett integrieren und wirklich ankommen wollte. Die erfolgreiche Schauspielerin, Sängerin und Kabarettistin war vor ihrer Pensionierung mit dem Schiff “MS-Europa” in aller Welt unterwegs, sah und erlebte dementsprechend viel und hätte sich überall niederlassen können.

Ihre Wahl fiel aber ganz bewusst auf die Türkei. Im Küstenort Kas, rund 200 Kilometer südwestlich von Antalya, hat sie nach langjährigen Urlauben im Land vor acht Jahren eine Wohnung gekauft: “Die Menschen hier sind ungeheuer gastfreundlich und warmherzig!” Das habe sie weder in Frankreich noch in Spanien so erlebt. Außerdem fühle sie sich hier um Jahre jünger. So geht es wohl auch den rund 10.000 anderen Deutschen, die in türkischen Küstenorten ihren Lebensabend verbringen. Doch das vermeintlich paradiesische Leben verändert sich deutlich.

Erdogan verändert das politische Klima

Vor rund vier Jahren fielen Doris Bierett immer mehr Frauen auf, die Kopftücher trugen. Die Menschen wandten sich zunehmend traditionellen Werten zu. Bierett erschien das zunächst nicht unangenehm. Doch dann beobachtete sie, wie immer mehr AKP-Mitglieder auffällig wohlhabend wurden. Der Wohnort von Doris Bierett – vor 30 Jahren nur über Eselspfade erreichbar – wurde mit moderner Infrastruktur ausgestattet. Mit fortschreitendem Wohlstand erstarkte die Macht Erdogans, der, so Beobachter, besonders von den einfachen Leuten bewundert wird.

Seit dem gescheiterten Putsch gegen Erdogan im Juni dieses Jahres verändern Verhaftungen und organisierte Säuberungen die Türken im Freundes- und Bekanntenkreis von Doris Bierett. “Das Thema Politik sollte man hier in der Türkei gar nicht ansprechen. Alle haben Angst zu sagen, was ihnen irgendwann mal zur Last gelegt werden könnte. Und ich hab gemerkt, ich selber kann gar nichts sagen. Ich komm da nicht durch. Ich fühle mich da sehr hilflos.” Bierett als sehr Belesene und politisch Interessierte hat natürlich eine Menge Fragen, aber sie stellt sie nicht, weil sie ihre Freunde, darunter auch etliche Polizisten, nicht in Verlegenheit bringen will. “Die haben ihren Eid auf den Staat geschworen.”

Militär oder Polizei würde zwar nicht in Kas verstärkt auftreten. Dafür gebe es aber mehr Kontrollen durch Verkehrsstreifen, die Fahrzeugpapiere genau prüfen würden. Menschen wären von einem Tag auf den anderen nicht mehr da. “Eine Deutsche hier, die ich schon lange kenne, war mit einem Türken verheiratet, der eine der Gülen-Schulen besucht hatte. Die beiden sind ganz plötzlich verschwunden.” Eine Freundin aus Ankara habe am Telefon geheult und sei ganz außer sich gewesen. “Aus ihrem Bekanntenkreis sind auch einige ins Gefängnis gewandert.” An Doris Bierett geht das nicht spurlos vorbei. Da hilft manchmal zur Ablenkung nur der Blick von ihrem Balkon auf die Bucht und die Aussicht auf das nur drei Kilometer weit entfernte Europa - die griechische Insel Kastelorizo. “Falls hier jemals Schießereien beginnen oder Soldaten kommen sollten, sind wir da ja ganz schnell.”

Wer den politischen Druck in den Großstädten wie Istanbul oder Ankara nicht mehr aushält, versucht nicht unbedingt das Land komplett zu verlassen, sondern bemüht sich zunächst in den Küstenorten eine Wohnung oder ein Haus zu finden. “Viele kaufen sich hier ein. Das fällt mir hier schon auf”, berichtet Doris Bierett. Die Baugenehmigungen an der Küste würden erweitert. Es kämen Türken und Deutsche.

Zwischen Zwei- und Dreitausend Deutsche hätten aber das Land nach dem Putsch ganz verlassen. Diese Zahl nennt ein Mitglied der Vereinigung “Die Brücke”, ein Verein, der von Istanbul aus landesweit viele Deutsche und ihre Interessen vertritt und Erfahrungsaustausch ermöglicht. Einige Deutsche, die im Verdacht standen, dem von Erdogan geschmähten Prediger Fethullah Gülen nahe zu stehen, wurden sogar verhaftet. Sie sind aber nach Angaben des deutschen Konsulats wieder auf freiem Fuß. Unzählige Beschäftigte deutscher Firmen in der Türkei haben sich wieder nach Deutschland zurückversetzen lassen. Deutsche Wissenschaftler an der Marmara-Universität in Istanbul waren verunsichert und versuchen jetzt, die langjährige, bisher gute akademische Zusammenarbeit nicht zu gefährden. Und Doris Bierett?

Rückzug ins Private

Die Pensionärin wird sehr nachdenklich. Mit Europa jedenfalls wollten in der Türkei wohl immer weniger etwas zu tun haben. Das hätten ihr viele Türken ganz offen erzählt. “Viele sagen, brauchen wir nicht. Interessiert uns nicht mehr.” Damit sei die Hoffnung auf eine engere Bindung zum Westen und seinen Werten erst einmal geschwunden, so Bierett.

Türkei Anschlag in Istanbul - Polizist vor Hagia Sophia (picture-alliance/dpa/T. Bozoglu)

Die Türkei schützt ihre Tradition mit allen Mitteln

Bierett wird grundsätzlich: “Ich sehe die Entwicklung in der ganzen Welt mit Beklemmung. Nicht nur in der Türkei. Es ist überall aus den Fugen geraten. Was will man machen? Sich zurückziehen auf seine kleine Insel und dann das Stück Leben noch genießen.”

Früher hätte Bierett als Ensemble-Mitglied des renommierten Berliner Kabaretts “Die Wühlmäuse” bitterböse Kritik geübt. Heute fehlt ihr dazu die Kraft, vielleicht auch ein wenig der Mut zum Widerstand im fortgeschrittenen Alter: “Es gibt einige, die sich hier engagiert haben, die sich dann aber auch wieder zurückgenommen haben, weil es eben auch unter Umständen Ausweisungen bedeuten würde.” Bierett glaubt zwar nicht, dass sie im Gefängnis landen würde, wenn sie zusammen mit anderen etwas sagen würde, “aber unser Aufenthalt hier in der Türkei wäre dann bald beendet”.  Die Künstlerin hat derzeit nur ein “ikamet”, eine Aufenthaltsgenehmigung für die nächsten zwei Jahre. Danach muss sie eine Verlängerung beantragen. Erst im Jahr 2020 – acht Jahre nach ihrer ersten Anmeldung in der Türkei – wäre sie berechtigt, dauerhaft in der Türkei zu verbleiben. Das will sie gerne. Nur für den Fall, dass Erdogans Restriktionen auch auf Ausländer in der Türkei übergreifen, würde sie schweren Herzens gehen.

Doris Bierett übt keine Systemkritik. Sie blickt lieber auf die Türken, die sie so sehr liebt. ”Für die Menschen hier ist es eine Katastrophe, dass keine Touristen mehr kommen.” Alles, was Türken in Kas und anderen Küstenorten erspart hätten, sei in Geschäfte und Pensionen investiert worden. “Jetzt sitzen hier alle vor dem Ruin.” Bieretts Empfehlung, damit sich die Lage verbessert: “Kommen Sie in die Türkei. Haben Sie keine Angst.”

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Zahlreiche Tote nach Brand in Kalifornien

Nach dem verheerenden Feuer bei einer Party in Kalifornien gestalten sich die Bergungsarbeiten in dem Lagerhaus sehr mühsam. Die Einsatzkräfte hatten Schwierigkeiten, das Gebäude in der Stadt Oakland bei San Francisco abzusuchen, da es einzustürzen drohte. Unklar blieb deshalb weiterhin, ob es noch mehr Opfer gab. Die Polizei befürchtet jedoch deutlich mehr Tote.

Das Lagerhaus wurde anscheinend illegal genutzt, eine Genehmigung für die Party gab es nicht. Das Feuer brach am Freitag gegen 23.30 Uhr in dem zweistöckigen Gebäude aus. Wie es dazu kam, war zunächst unklar. Bilder aus der Nacht zeigten, wie hohe Flammen aus dem Lagerhaus schlugen. Mehr als 70 Feuerwehrmänner waren im Einsatz. Die Löscharbeiten zogen sich über mehrere Stunden hin.

Einsturzgefahr

Schwierig wurde es für die Helfer als das Dach einstürzte und in Folge dessen auch die zweite Etage in Teilen einbrach. Ersthelfer zählten bislang neun Tote im Inneren der Ruine. Wie die Polizei mitteilte, betraten Rettungskräfte das Lagerhaus zwar kurzzeitig, mussten dann aber wieder das Gebäude verlassen, da die Einsturzgefahr zu groß war.

Für die Feuerwehr ist es schwierig in das einsturzgefährdete Gebäude vorzudringen (picture alliance/ZUMAPRESS.com)

Für die Feuerwehr ist es schwierig, in das einsturzgefährdete Gebäude vorzudringen

Die Behörden richteten eine Anlaufstelle für Angehörige ein. Nach Polizeiangaben befanden sich zwischen 50 und 100 Menschen in dem Gebäude. Es könne mehrere Dutzend Opfer geben. Nur wenige Menschen seien nach dem Brand in Krankenhäuser eingeliefert worden, so die Polizei.

Ein Feuerwehrmann sagte, das Innere des Gebäudes habe einem Labyrinth geglichen. Nach Angaben der Behörden gab es zwei Ausgänge. Die meisten der geborgenen Toten hätten im zweiten Stockwerk gelegen, sagte die Einsatzleiterin der Feuerwehr. Dorthin führte nur eine provisorische Treppe. Es gebe keine Erkenntnisse darüber, ob das Lagerhaus über eine Sprinkleranlage oder Rauchmelder verfügte.

Am Morgen nach der Brandkatastrophe begutachten Polizei und Feuerwehr das Gebäude (Getty Images/E. Nouvelage)

Am Morgen nach der Brandkatastrophe begutachten Polizei und Feuerwehr das Gebäude

Nach Informationen der Zeitung “East Bay Times” lebten rund 50 Menschen in dem Gebäude. Künstler nutzten Räume als Ateliers. Die Stadt leitete am 13. November eine Untersuchung ein, nachdem es Beschwerden über eine illegale Nutzung gegeben hatte. Man habe jedoch seither nicht klären können, ob Menschen in dem Haus lebten, da sich der zuständige Ermittler keinen Zugang verschaffen konnte, sagte Darin Ranelletti von der Planungsbehörde der Stadt. Das Gebäude durfte demnach lediglich als Lagerhaus genutzt werden. Eine Party in dem Gebäude hätte einer Zulassung bedurft, fügte Ranelletti hinzu. Eine solche habe es jedoch nicht gegeben.

cgn/qu (ap, afp, dpa, rtre)

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150. Geburtstag: Wie Wassily Kandinsky zur abstrakten Kunst kam

1910 malte der russische Künstler Wassily Kandinsky sein “Erstes abstraktes Aquarell”. Im Jahr darauf präsentierte er seine Werke in einer Ausstellung der “Neuen Künstlervereinigung München”. Es war ein Skandal. “Entweder ist die Mehrheit der Mitglieder dieser Vereinigung unheilbar geisteskrank, oder wir haben es mit einer Gruppe von skrupellosen Hochstaplern zu tun, die bestens um die Schwäche unserer Zeitgenossen für Sensationen wissen und versuchen, diese große Nachfrage zu nutzen”, kommentierte die Zeitung “Münchener Neuste Nachrichten”. Für die Avantgarde in Europa war Kandinskys abstrakte Kunst revolutionär.

Der Rückzug ins Innere

Wassily Kandinsky Portrait Ausschnitt (Imago/Leemage)

Wassily Kandinsky

Es waren bewegte Zeiten. Der industrielle Fortschritt trieb die Menschen dazu, immer höher, weiter und schneller voranzukommen. Die Wissenschaft brachte fast täglich neue Erkenntnisse. Freud veröffentlichte seine Theorien über die menschliche Psyche. Amundson erreichte den Südpol und Siemens stellte einen Schnell-Telegrafen her, der 1000 Zeichen in der Minute senden konnte.

Was gestern noch unmöglich schien, war heute schon überholt. Das Bild der Wirklichkeit geriet durch die moderne Wissenschaft ins Wanken. Für Künstler wie Kandinsky war deshalb nicht mehr die Abbildung der Wirklichkeit entscheidend. Die einzige Wahrheit wollte der russische Künstler im Inneren des Menschen erkennen, und dieses Innere, die Gefühlswelt, sollte sich auf der Leinwand in abstrakten Farben und Formen wiederspiegeln.

Schon der Kunsthistoriker Wilhelm Worringer hatte 1907 einen Essay über “Abstraktion und Einfühlung” geschrieben. Darin heißt es: “Die Tendenz zur Abstraktion ist die Folge einer tiefen Verunsicherung des Menschen angesichts der Welt.”

Kandinskys künstlerische Anfänge in München

Wassily Kandinsky wurde am 4. Dezember 1866 in Moskau geboren. Nach einem Jura-Studium wandte er sich der Kunst zu und zog 1896 nach München. Dort studierte er zunächst an einer privaten Kunstschule, später dann an der Münchener Kunstakademie. Parallel gründete er selbst eine Künstlervereinigung, die sich “Phalanx” nannte und eine eigene Malschule betrieb, die auch die Künstlerin Gabriele Münter besuchte.

Gabriele Muenter in Malklasse Kandinskys (1902) (picture-alliance/akg-images)

Gabriele Münter (Mitte) in der Malklasse Kandinskys

Obwohl der abstrakte Expressionist damals noch verheiratet war, wurden die beiden ein Paar. Der Künstler verbrachte viel Zeit auf Münters Anwesen im bayerischen Murnau. Die Bilder von Häusern und Wäldern, die dort entstanden, sind noch von der Volkskunst seiner russischen Heimat geprägt, erstrahlen aber bereits in leuchtenden Farben.

Kandinskys Theorie der abstrakten Malerei

Zur abstrakten Malerei war Kandinsky angeblich gekommen, weil er in der Dämmerung in seinem Atelier ein Bild sah. Es lag auf der Seite und Kandinsky erkannte nur Formen und Farben, die ihn begeisterten. Er kam zu dem Schluss, dass das Gegenständliche seiner Malerei eigentlich nur schade. Natürlich kannte Kandinsky auch die Farb- und Lichtspiele der Impressionisten und die ungewöhnlichen Formen der Kubisten.

Wassily Kandinsky setzte sich auch theoretisch mit der abstrakten Kunst auseinander. 1911 erschien sein richtungsweisendes Buch “Über das Geistige in der Kunst”. Darin beschäftigt er sich unter anderem damit, welchen Zweck Kunst zu erfüllen hat und wie dabei Farben und Formen auf die Seele wirken. Da die abstrakte Malerei vom Gegenständlichen befreit ist, so schrieb er, könnten Farben und Formen ihr eigenes Wesen entfalten und seelische Empfindungen zum Ausdruck bringen.

Die Künstlergruppe “Der Blaue Reiter” 

Kandinsky Komposition V (picture-alliance/Heritage Images)

Kandinsys “Komposition V” war den Münchner Ausstellungsmachern zu abstrakt

Während die einen Kandinskys Werke und Theorien als revolutionär lobten, taten sich konservative Kunstkenner schwer. Selbst in der “Neuen Künstlervereinigung München” stand man Kandinsky kritisch gegenüber. Am 2. Dezember 1911 wies die Jury seine große “Komposition V” für eine Ausstellung zurück. Aus Protest traten Kandinsky, sein Freund Franz Marc und Gabriele Münter aus der Vereinigung aus und gründen die Künstlergruppe “Der Blaue Reiter”, zu der auch August Macke stieß. Mit Franz Marc verfasste Kandinsky 1912 den Almanach “Der Blaue Reiter”, in dem sich die beiden für die Gleichberechtigung der Künste aussprachen und nach einer neuen Farb- und Formensprache suchten.

Die Kriegsjahre trennen die Künstlerfreunde

Als der erste Weltkrieg ausbrach, ging Kandinsky nach Moskau zurück. Deutschland hatte Russland den Krieg erklärt. Gabriele Münter zog nach Stockholm - damit endete auch ihre Beziehung. Der Kontakt allerdings blieb. Gabriele Münter rettete zum Beispiel viele seiner Werke vor den Nationalsozialisten und stiftete ihre Kandinsky-Bilder 1957 der Städtischen Galerie im Lenbachhaus in München.

In Moskau setzte Kandinsky als Professor seine akademische Laufbahn fort. 1917 heiratete er die 27 Jahre jüngere Nina Adrejewsky, die sich später vor allem um seinen Nachlass kümmerte. Die neue Sowjetunion schränkte Kandinskys Kunstfreiheit jedoch erheblich ein – und so folgte er dem Ruf von Walter Gropius, der ihn 1922 ans Bauhaus nach Weimar holte, wie übrigens auch seinen früheren Nachbarn und langjährigen Freund Paul Klee.

Die geometrischen Bauhaus-Jahre

Wassily Kandinsky, Paul Klee u.a. Bauhausmeister ( 1925) (picture-alliance/akg-images)

Die Bauhausmeister (v.l.) Lyonel Feininger, Wassily Kandinsky, Oskar Schlemmer, Georg Muche und Paul Klee 1925 im Atelier von Paul Klee

An seiner 1919 gegründeten Kunstschule in Weimar wollte der Architekt Walter Gropius die Gleichberechtigung der Künste vorantreiben. Künstler und Handwerker sollten zusammen arbeiten und lehren. Bis die Nationalsozialisten das Bauhaus endgültig schlossen, unterrichtete Kandinsky in verschiedenen freien Malklassen. Nach seiner expressionistischen Schaffensphase wandte er sich am Bauhaus den geometrischen Formen zu, denn er war noch immer auf der Suche nach Gesetzmäßigkeiten für die abstrakte Kunst.

1926 erschien das Bauhausbuch “Punkt und Linie zu Fläche”, in dem Kandinsky versucht, eine Grammatik der Formen zu entwerfen. Punkt und Linie seien nicht nur Elemente der Malerei, sondern auch der Musik. “Die meisten musikalischen Instrumente sind linearen Charakters. Die Tonhöhe der verschiedenen Instrumente entspricht der Breite der Linie: eine sehr dünne wird von der Geige, Flöte, Pikkolo hervorgebracht.” Auch die Notenschrift sieht er als Kombination von Punkten und Linien. Auf einfache Weise würden so komplizierte Klänge vermittelt. Diese Einfachheit will er auf die Kunst übertragen. “Auch hier gibt es nur einen Weg – analytische Teilung auf Grundelemente, um schließlich zu eigenem graphischen Ausdruck zu gelangen.” Diese Grundelemente sind geometrische Kreise, Vierecke und Dreiecke, die auch die Werke Kandinskys in seiner Bauhauszeit prägen.

Kandinsky, ein “entarteter Künstler”

Lenbachhaus München (picture-alliance/dpa)

Das Lenbachhaus in München besitzt einige Werke Kandinskys aus dem Bestand von Gabriele Münter

Mies van der Rohe, der letze Direktor des Bauhauses, erhielt 1933 von den Nazis einen Bescheid: “Kandinsky muss fristlos entlassen werden, weil er aufgrund seiner Geisteshaltung gefährlich für uns ist.” Daraufhin emigrierte Kandinsky nach Paris, wo ihm sein Freund Marcel Duchamp eine Wohnung im Vorort Neuilly-sur-Seine besorgt hatte. Dort lebte er bis zu seinem Tod am 13. Dezember 1944.

Während die Nazis 57 seiner Werke als “entartet” beschlagnahmten, strömten 1937 Kunstfreunde aus aller Welt in die Schweiz, um die Bilder des großen Begründers der abstrakten Malerei in einer Ausstellung zu bewundern. Der Expressionist wurde 78 Jahre alt und starb nur wenige Monate nach der Befreiung von Paris. Die abstrakte Malerei hatte er in seinen Schriften immer als die schwierigste Kunst bezeichnet: “Sie setzt voraus, dass man zeichnen kann, dass man hochsensibel für Komposition und Farbe ist und dass man ein echter Poet ist – das ist das Entscheidende.”

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Kuba nimmt Abschied von Fidel Castro

Die Stadt im Südosten des Karibikstaates gilt als Wiege der kubanischen Revolution, hier soll die Urne mit der Asche des am 25. November im Alter von 90 Jahren verstorbenen kubanischen Revolutionsführers beigesetzt werden. Mit der Zeremonie auf dem Friedhof Santa Ifigenia endet die neuntägige Staatstrauer.

Zehntausende Menschen begrüßten den olivgrünen Jeep, der die in eine Staatsflagge gehüllte Urne seit Mittwoch vom Revolutionsplatz in der Hauptstadt Havanna in das mehr als 900 Kilometer entfernte Santiago gebracht hatte. Auf dem Platz Antonio Maceo skandierten sie “Fidel – Freund – das Volk ist bei dir” und schwenkten kubanische Flaggen.

An den Beisetzungsfeierlichkeiten nehmen unter anderen der venezolanische Präsident Nicolás Maduro, der bolivianische Staatschef Evo Morales und die brasilianischen Ex-Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva und Dilma Rousseff sowie die Fußballlegende Diego Maradona teil.

Letzte Ehrung zu Ehren des ehemaligen kubanischen Führers Castro in Santiago de Cuba (Reuters/C. Barria)

Letztes Geleit: Rousseff, Lula, Raúl Castro und Maduro (von links)

Der Trauerkonvoi hatte zahlreiche Städte des sozialistischen Staates passiert. Hunderttausende Menschen gingen dafür auf die Straße. Für die Zeit gab es ein Alkoholverbot; Konzerte und Sportveranstaltungen wurden abgesagt.

Der Trauerzug nahm den umgekehrten Weg der von Kubas Revolutionären sogenannten “Karawane der Freiheit”.  Im Januar 1959 zogen die Rebellen unter Fidel Castros Führung nach dem Sieg über die Truppen des Diktators Fulgencio Batista in einem Triumphzug von Santiago de Cuba nach Havanna.

Kuba Beisetzung Fidel Castro (Reuters/C. Garcia Rawlins)

Ankunft in Santiago de Cuba

Castro hatte bis zur Machtübergabe an seinen Bruder Raúl 2006 das Land rund 47 Jahre lang regiert. Anders als sein Bruder, der Kuba nach außen abschottete, leitete Raúl Castro einen vorsichtigen Öffnungskurs ein. Dazu gehört auch die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zum einstigen Erzfeind USA. Der Bevölkerung erlaubte er etwas privates Unternehmertum. Die Kubaner dürfen nun in Gastronomie, Tourismus und Handwerk auf eigene Rechnung arbeiten.

Absage an Personenkult

Künftig sollen in Kuba keine Denkmäler für den verstorbenen Revolutionsführer errichtet werden. Er habe ausdrücklich angeordnet, dass weder Monumente für ihn gebaut noch Straßen oder Institutionen nach ihm benannt werden sollen, sagte sein Bruder und Nachfolger Raúl in Santiago de Cuba.

qu/cgn (afp, dpa, epd, rtr)

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Gegen den Rückgang der biologischen Vielfalt

Papst Franziskus sorgt sich um die Entwicklung der Lebewesen und der Biodiversität: Vor der Vollversammlung der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften forderte das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche “unverletzliche Normen zum Schutz des Ökosystems aufzustellen, bevor es zu spät ist”.

Beim Great Barrier Reef könnte es zu spät sein. “Das größte Korallenriff liegt im Sterben.” Diese Nachricht ging wie zuvor die päpstliche dieser Tage um die Welt. Doch neu ist sie nicht. Immer wieder weisen Wissenschaftler und Naturschützer auf den Schwund des Weltnaturwunders vor Australiens Küste hin. In dem äußerst empfindlichen Ökosystem, das aus Polypen, kleinen Tierchen, besteht, tummeln sich Tausende Fischarten, Würmer, Weich- und Krebstiere und Schwämme. Die Korallen ernähren sich von Algen. Doch da sich die Meere dauerhaft erwärmen, können die Algen nicht nachwachsen.

Biologische Vielfalt im Zentrum von Verhandlungen 

Das Drama um das Korallenriff taugt dazu, bei der COP13, der 13. Vertragsstaatenkonferenz zur CBD (Convention on Biological Diversity) – dem Übereinkommen über die biologische Vielfalt – als Negativbeispiel zitiert zu werden. Mehr als 190 Staaten werden vom 4. bis 17. Dezember 2016 im mexikanischen Cancún Maßnahmen zum Erhalt der Biodiversität diskutieren. 

Great Barrier Reef Korallenriff (Gergely Torda for ARC Centre of Excellence for Coral Reef Studies)

Ausgebleicht, statt leuchtend rot: Korallen im Great Barrier Reef

Grundlage ist unter anderem der Strategische Plan für Biodiversität, der 2010 verabschiedet, ein ambitionierter Plan darstellt, den globalen Verlust der Artenvielfalt bis 2020 zu stoppen und die Widerstandsfähigkeit der Ökosysteme zu fördern. “Viele Wissenschaftler werden vor Ort sein, um der Frage nachzugehen, wie die Forschung gezielt Ergebnisse liefern kann, die dem amtlichen Naturschutz zugute kommen”, sagt Cornelia Löhne, wissenschaftliche Leiterin des Botanischen Gartens in Bonn. Denn immer noch klaffen Zielvorstellungen und Realität weit auseinander. 

Vielfältige Ursachen für Artensterben und Verlust von Lebensräumen

Nicht nur dem Korallenriff setzen neben dem Klimawandel auch Schifffahrt, Fischerei, Erosion, Stürme, Dünger und Pestiziden aus intensiver Landwirtschaft zu. Stickstoffeinträge aus der intensiven Landwirtschaft stellen auch in Deutschland ein großes Problem dar. ”Die intensive Landwirtschaft trägt zu 70 Prozent zum Rückgang der Arten bei”, sagt Magnus Wessel, Leiter Naturschutzpolitik beim BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland). “Die hohen Nährstoffbelastungen aus der Landwirtschaft sind die Hauptursache für den schlechten Zustand von Nord- und Ostsee, vieler Flüsse, Seen und unseres Grundwassers.”

“Nährstoffeinträge im Boden führen zu gravierendem Verlust an biologischer Vielfalt, gesundheitlichen und volkswirtschaftlichen Schäden”, beklagt auch die Deutsche Umwelthilfe. Diese negative Bilanz sei 25 Jahre nach dem Inkrafttreten der europäischen Nitratrichtlinie mehr als enttäuschend. Zu viele Exkremente von Schweinen und Rindern, stickstoffhaltige Gülle, wird als Dünger auf den Feldern ausgebracht. Die Stickstoffverbindung Nitrat versickert und verunreinigt das Trinkwasser.

Deutschland Traktor Unkrautbekämpfung Herbizid (Getty Images/B. Beytekin)

Weniger wäre mehr: So sieht Unkrautbekämpfung in einer Tannenbaum-Plantage aus

Ein teurer Kreislauf, weil viele Gräser und Kräuter kein Übermaß an Stickstoff vertragen. Sie werden von anderen Pflanzenarten verdrängt, die gerade große Mengen an Stickstoff für ihr Wachstum benötigen. Hinzu kommt, dass Deutschland massenhaft Fleisch für den Export produziert. Die Flächen für die Futtermittelproduktion reichen hingegen nicht aus, sodass das Futter für die Tiere im Ausland angebaut und importiert wird. 

“Dadurch trägt Deutschland direkt zur Abholzung von Tropenwäldern in Südamerika bei”, kritisiert BUND-Waldexpertin Nicola Uhde. “Aber auch hierzulande führt die intensive Forstwirtschaft zum Verlust von Arten und Lebensräumen.” Besonders in punkto Wildnis sei Deutschland Schlusslicht. “Wir sorgen uns um die Abholzung der Regenwälder und haben selbst nur noch 0,6 Prozent Wildnis.” Daher fordert Uhde, dass bis 2020 mindestens zwei Prozent der Landfläche als großflächige Wildnisgebiete sich selbst überlassen werden sollten. Der Staat mit seinen großen Waldflächen sei hier gefragt, mit gutem Beispiel voranzugehen und Skeptiker mit ins Boot zu holen. 

Mit Blick auf den G20-Vorsitz Deutschlands fordert BUND-Waldexpertin Uhde, ”diesen zu nutzen, den Schutz der biologischen Vielfalt und damit den Erhalt unserer Lebensgrundlagen neben dem Klimaschutz ganz oben auf die Agenda zu stellen.”

Für die Erreichung der Biodiversitäts-Ziele des Strategischen Plans bis 2020 gelte es, die Anstrengungen der Vertragsstaaten deutlich zu erhöhen. Zwar gebe es Fortschritte bei einigen Zielen – beispielsweise der Vergrößerung der Fläche, die weltweit unter Naturschutz steht. “Bei anderen Zielen jedoch, wie dem Stopp des Artensterbens, dem Schutz der Korallenriffe, dem Eintrag von überschüssigen Nährstoffen oder dem Abbau von umweltschädlichen Subventionen sieht es eher düster aus“, so Uhde.

Ressourcenverschwendung dauert an

Ein Drittel der 32.000 heimischen Tier-, Pflanzen- und Pilzbeständen in Deutschland sind gefährdet. Für 5,6 Prozent der Arten gibt es keine Rettung mehr.

Immerhin: vor neun Jahren hat die Bundesregierung 330 formulierte Handlungsziele festgelegt, die bis 2020 beziehungsweise 2050 umgesetzt werden sollen. Bei der Nationalen Biodiversitätsstrategie sollen alle gesellschaftlichen Gruppen einbezogen werden, um das Bewusstsein für die biologische Vielfalt zu schärfen. Eine Idee ist, Bürger, Unternehmen und Landwirte gleichermaßen zu sensibilisieren, kleinere Flächen mit Wildkräutern vor dem Haus oder an Feldrainen stehen zu lassen, da Insekten und andere Kleinlebewesen die selten gewordenen Pflanzen zum Überleben brauchen. 

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“Deutschland ist mit der nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt international immer noch Vorreiter”, lobt Magnus Wessel, “In der Praxis hakt es jedoch: Neben dem ungebremsten Verlust der Arten durch die industrielle Landwirtschaft, ist ein Ende der Flächenversiegelung nicht absehbar, und die Renaturierung von Gewässern stagniert.” Europäisches Naturschutzrecht werde nicht korrekt umsetzt und der 2010 beschlossene Abbau der umweltschädlichen Subventionen sei ein Wunschtraum geblieben, so der BUND-Experte. 

Hoffnung auf Stärkung der Umweltressorts 

An der COP13-Konferenz wird auch Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) teilnehmen. Gastgeber Mexiko hat angekündigt, die Basis schaffen zu wollen, dass die Biodiversität künftig in alle politischen Entscheidungen einbezogen werden soll. “Aus deutscher Sicht hätten die Botschaften der Cancún-Erklärung durchaus stärker und innovativer sein können”, ist einer Vorab-Erklärung des Bundesumweltministeriums zu entnehmen. Weiter heißt es: ”Es wird erwartet, dass die Erklärung eine Hilfestellung für Umweltministerien in aller Welt darstellen kann, die ihnen das tägliche schwierige Geschäft des Mainstreaming erleichtert.”

Das Mainstreaming - die Integration des Schutzes der Biodiversität in andere Bereiche - wird ein Schwerpunkt in Cancún werden. “Ein großes Hemmnis beim Schutz von Arten und Lebensräumen ist die mangelnde Integration dieses Ziels in andere Politikfelder wie Land- und Forstwirtschaft, Bergbau, Fischerei und Verkehr”, erläutert Nicola Uhde. “Hier werden nach wie vor Wirtschaftsweisen und Vorhaben praktiziert und gefördert, die die biologische Vielfalt und damit die Grundlagen unseres Lebens zerstören. Wir fordern, dass sich die Bundesregierung für einen wirksamen Beschluss zum Schutz der Biodiversität beim Thema Mainstreaming einsetzt.” 

Dazu gehören, laut Umweltverbänden, eine ökologisch verträgliche Nutzung der Waldflächen und der Umbau der Landwirtschaft zur ökologischen Landwirtschaft.

Furcht vor der Aussetzung gentechnisch veränderter Arten

Und noch ein Thema bereitet den Naturschützern im Vorfeld der Vertragsstaatenkonferenz Kopfzerbrechen: gentechnisch veränderte Organismen. Die Umweltverbände haben einen offenen Brief an Ministerin Hendricks geschrieben, deren unkontrollierte Ausbreitung zu stoppen. Es geht nicht nur um Baumwolle in Mexiko, Raps in Nordamerika, Japan, Australien und der Schweiz. Sorge bereitet den Naturschützern geplante Freisetzungen gentechnisch veränderter Bäume, Fische und Insekten. Denn sie befürchten, “dass sich die im Labor eingebaute DNA erheblich schneller in betroffenen Populationen ausbreiten kann als das natürlicherweise der Fall wäre.”

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